Full text: Der heilige Franziskus

Kapitel 1. 
Die Entdeckung des Leben3 im Mittelalter. 
Wenn der Geſchichtzunterricht in derſelben Hand liegt wie der Religions3- 
unterricht, ſo läßt ſich Kapitel 1 bis auf die den Schülerinnen unbekannte 
Legende von Aucaſjin und Nicolette -- für Abälard und Heloiſe finden ſich 
wenigſtens Anknüpfungen =- in Geſprächsform darſtellen. Andernfalls wird 
der Lehrer mit Leichtigkeit das Wiſſen der Schülerinnen während der Unter- 
haltung an einigen Stellen ergänzen können. =- Der frühere Geſchicht3- 
unterricht zeigte den Schülerinnen, wenn er die Kultur-= und Geiſtesgeſchichte 
mit der politiſchen verbunden und nicht etwa in dem altbeliebten Anhang3- 
kapitel gegeben hatte, was die Kreuzzüge dem Abendland bringen ſollten, 
und was ſie ihm gebracht haben. Hier und bei den Kämpfen Barbaroſſas 
iſt auch die Rede geweſen von den oberitaliſchen Städten. Heinrich Il. und 
Bertrand de Born (Uhland), Legnano, Otto IV. und Philipp von Shwaben, 
Friedrich Il. und Konrad von Marburg ſind noc< aus der Scule her befannte 
Namen. Für Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eſchenbach, Tann- 
häuſer und die Parabel von den drei Ringen bietet der Deutſche Unterricht 
das nötige Tatſachenmaterial. Die Bedeutung des Kluniazenſertums für 
das mittelalterliche Leben, die Ideen des Hildebrandi8Smus, Innozenz 111, 
und die Waldenſer kennen die Schülerinnen aus dem den Franzisfusſtunden 
unmittelbar vorangehenden Kapitel „Papſttum und Kaiſertum von Karl 
dem Großen bis zum Interregnum“. Die nachfolgend ſkizzierte Stunde hat 
alſo nur die Aufgabe, bereits vorhandene Kenntniſſe in ein neues Licht zu 
rücken und unter einheitliche Geſicht3punkte zu bringen. Die Gliederung 
des erarbeiteten Stoffes findet ſich ſo leicht, daß das kurze Diktat am Schluß 
der Stunde -- zur Erleichterung der häuslihen Arbeit pflege ic< es zu 
geben, es haben aber auch Klaſſen auf ihren eigenen Wunſ< ohne dieſe 
Gedächtnisſtüße gearbeitet, das „Mitſchreiben“ iſt in jedem Falle verboten =- 
von den Schülerinnen ſelbſt formuliert wird. 
I. Da3 Erwachen des nationalen Individuali8mus in den Kreuzzügen: 
geſtärkt in Frankreih unter Heinrich Il. (Bertrand de Born), in Italien 
dur< den Sieg von Legnano, in Deutſchland durc< Walther von der Vogelweide. 
II. Das Erwachen des religiöſen Individualismus in den Kreuzzügen: 
geſtärkt in Frankreich durch die provenzaliſhe Dichtung (Aucaſſin und Nico- 
lette), dur< die dialektiſche Wiſſenſchaft (Abälard und Heloiſe), durc< die 
„Keßerei“ der Waldenſer; in Italien durc< Arnold von Breſcia, in Deutſc<- 
land dur< den Parſifal. 
II. Im Kluniazenſertum Weltverneinung, bei den Rittern Weltbejahung 
und Freude am Leben, ebenſo bei den Bürgern der oberitaliſchen Städte. 

	        

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