Full text: Bedingtes Züchtigungsrecht in der öffentlichen Volksschule nebst entsprechender Strafskala

 
 
 
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
 
 
 
 
 
  
 
16519 
Unter den Erziehungsfragen iſt wohl keine, die ein ſo viel 
ſeitiges Intereſſe beanſprucht, wie die Frage der körperlichen Züchtigung. | 
Nicht bloß der Pädagog hat Anlaß, ſich eingehend damit zu beſchäf- 
tigen, auch der Juriſt, der Patholog, der Politiker =- ſie alle und 
noch andere ſind hin und wieder genötigt, Stellung zu ihr zu nehmen. 
Es mag dem berufsmäßigen Erzieher manchmal unbequem erſcheinen, 
- ſo zahlreiche und ungleichartige Mitberater und Beurteiler neben und 
über ſich zu haben, aber bei genauer Überlegung wird er auch zu 
ver Erfenntnis kommen, daß das Werk der Erziehung und des öffent- 
lichen Unterricht dadurch eine unſchäßbare Unterſtüßung und Förderung 
erfahren fann. Das nächſte und lebhaſteſte Intereſſe hat naturgemäß 
der berufsmäßige Erzieher und beſonders der Lehrer der öffentlichen 
Volksöſchule. Es iſt daher kein Wunder, wenn dieſe außerordentlich 
komplizierte Frage hier und da in Lehrerkonſerenzen und von Zeil zu 
Zeit auf Lehrerverſammlungen als Beratungsgegenſtand erſcheint, 
und ſo wird es vorausſichtlich noch lange bleiben, denn die Über - 
zeugung, daß das Problem völlig gelöſt jei, beſteht weder da, wo 
das Züchtigungsrecht geſeßlich anerkannt iſt, noch da, wo die förper- 
liche Züchtigung einfach verboten iſt. Der bekannte wißige Vergleich 
der Ehe mit einer belagerten Feſtung, in der die einen hinein, die 
andern heraus wollen, paßt in dieſer Angelegenheit noch beſſer auf 
die Stellungnahme der Lehrerſchaft. 
- Man ſollte nun meinen, daß jemand, der durch langjährige 
Tätigkeit in der öffentlichen Volksſchule den Betrieb in derſelben ein- 
gehend kennen gelernt hat, mit Leichtigkeit imſtande ſein müßte, zu 
entſcheiden, welches Verhältnis das beſſere ſei. Dem iſt aber, wie 
man aus der Stellungnahme vieler Lehrer erſehen kann, nicht ſo: 
es gibt unter uns eine Anzahl, die für die Aufhebung des Rechtes 
ver Kk. Z. eintreten, aber entſchieden die Mehrzahl hat dagegen die 
ſchwerſten Bedenke. . 
Dieſes Verhältnis trat in leßter Zeit bei Beratung dieſes 
Themas in den einzelnen Bezirkslehrervereinen und in der Niichaelis 
1907 darauffolgenden Vertreterverſammlung in Dresden deutlich zu 
Tage. Es waren nicht bloß ländliche Vereine, die entſchieden von 
einex Änderung der Rechtsverhältniſſe in Sachſen nichts wiſſen wollten, 
ſondern auch ſtädtiſche == 3. B. Bezirkslehrerverein Chemniß, ein 
großſtädtiſcher = verhielten ſich ablehnend. Und in mehreren Bezirks- 
Kruſche, Bedingtes Züchtigungörecht.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.