Full text: Der Müller von Sagorsch

 
ſollen, die von Oliva her nächſtens nach Pußig zu 
vorrücken werden.“ 
Barbaras Plaudern war verſtummt; Tränen ent- 
quollen ihren ſonſt ſo heiteren Augen. Laut ſchluchzte 
ſie bei dieſer traurigen Nachricht auf. 
„Und dann“, fuhr Haler fort, „hat mir mein 
Vater Vorhaltungen gemacht und mich deswegen ge- 
ſcholten, daß er mich mit Dir hat einmal ſtehen ſehen. 
Und er hat mir jeden Verkehr mit Dir aufs neue 
verboten, mit Dir, der Tochter eines Mannes, der 
im ganzen Dorfe verhaßt ſei, wie er ſagte, und es 
bedürfe nur eines kleinen Anlaſſes, daß die Wut aller 
gegen -ihn loSbräche.“ 
„Wa ſie von meinem armen Vater bloß wollen, die 
böſen Menſchen; er tut doch keinem etwas Schlechtes", 
ſc<luchzte Barbara. „Aber ich weiß, ſie find alle 
neidiſch auf ihn, weil es ihm gut geht und er bis- 
her nicht ſo ſehr unter dem Kriege gelitten hat, da 
unſer Geſchäft ſv verſteckt liegt. Aber dafür hat er 
auch vielen geholfen.“ 
„Pſt, Bärbchen, es kommt jemand; jeßt heißt es 
ſchnell ſcheiden.“ Bei dieſen Worten gab er ihr 
einen Kuß auf die Stirn, drückte ihr noch furz die 
Hand und verſchwand dann hinter den Büſchen des 
Kirchhofs, um ſich wieder unter die Schar -der An- 
dächtigen zu miſchen. Barbara blieb mit ihrem Ab- 
ſchiedsſc<hmerz allein. 
Während ihr die Tränen über die Wangen rollten, 
vergaß ſie ganz den Ort und den Gottesdienſt, der 
ſich ſchon ſeinem Ende nahte. So fand ſie ihre Tante
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.