Full text: Der Müller von Sagorsch

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Was half der Unwillen? Man mußte dafür ſorgen, 
daß die Kontribution geſchafft würde. Da holte denn 
manch einer den alten Strumpf hervor, der zwiſchen 
den Sparren des Hausdaches wohl verſteckt lag, oder 
grub den Topf aus der Erde, um den Barbetrag zu 
ſchaffen, oder auch, im Falle, daß er kein Mehl mehr. 
hatte, Mittel zu haben, um es von einem Reicheren 
zu erwerben. Die ſo handeln konnten, waren noch 
glücklich daran. Manche aber, die nichts mehr hatten, 
ſaßen ſtumpf vor ihrer Hütte oder liefen klagend und 
bittend im Dorfe umher, um dieſen oder jenen zu 
bewegen, ihnen etwas zu ſchenken. Aber faum einer 
konnte oder mochte etwas abgeben, da jeder mit dem 
Seinigen kargen mußte; denn man wußte wohl, daß 
dies nicht die lezte Leiſtung ſein würde. 
Als die Sonne die Mittags3höhe überſchritten hatte 
„und ihre Strahlen anfingen, ſchräger zu fallen, da 
ging einer der Bauern nach dem anderen zum Kruge 
und entrichtete ſeine Steuer. Erſt kurz vor dem feſt- 
geſezten Endtermine erſchien auch Gelenczen, bezahlte 
ſein Geld und brachte ſein Mehl. Schmähende Worte 
- wurden ihm auch jet wieder auf ſeinem Hin- und 
Rückwege von der Menge zugerufen, aber er achtete 
ihrer nicht; er kam und ging ohne Gruß. 
Nachdem es vier Uhr geworden war, trat Der 
Fähnrich wieder vor die Türe des Kruges und las 
mit lauter Stimme aus einer Liſte die Namen der 
Bewohner vor und welche Abgaben ſie entrichtet hatten. 
„Es ſind alſo der Halbbauer Heinrich Mirkow, 
der Halbbauer und Schmied Daniel Robba und der 

	        

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