Full text: Der Müller von Sagorsch

 
34 
wurden. Was nicht freiwillig gegeben wurde, raubten 
die Truppen, uind bald zeigte jedes Gehöft des Dorfes 
die Spuren von Verwüſtungen. Und wenn die 
Söldner nichts mehr in den Häuſern fanden, dann 
ſteten ſie ſie in Brand und beraubten die armen 
Bewohner auch noch ihres Obdachs. Aus den ver- 
fohlten Balken ihrer zerſtörten Wohnſtätten zimmerten 
ſi die Obdachloſen ein leichtes Dach, um für die 
Nacht wenigſtens einen Unterſchlupf zu haben, oder 
ſie hauſten wie Tiere auch in Erdhöhlen. Tagüber 
liefen ſie faſt wahnſinnig vor Hunger und Verwahr- 
loſung im Dorfe umher und ſtahlen bei denen, die 
ſich noch nicht ganz verausgabt hatten, weſſen ſie 
habhaft werden konnten. So herrſchte namenloſes 
Elend im Sommer des Jahres 1460 in Sagorſch 
und in anderen Dörfern zwiſchen Pußig und Danzig. 
Ein Sommer ging dahin, in dem niemand erntete, 
und es folgte ein Herbſt, in dem niemand ſäete. 
Anfangs war Gelenczen noch manchmal für die 
Leiſtungsunfähigen eingetreten, aber allmählich wurden 
auch ſeine Vorräte kleiner und kleiner. Die deShalb 
ſeinerſeits ausbleibende Hilfe legten die Dörfler 
natürlich ſo aus, als wenn er nicht helfen wollte. 
Und anſtatt ihm dankbar zu ſein für das, was er 
getan, wuchs von Tag zu Tag der Haß und die 
Rachſucht gegen den Müller, mächtig geſchürt von 
dem alten Haler und dem Schmied Robba. 
Wenn ſich Gelenczen oder deſſen Tochter im Dorfe 
jehen ließen, wurden ſie mit Schimpfworten und Dro- 
hungen überſchüttet und oftmals mit Steinwürfen be-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.