Full text: Spiegel, das Kätzchen

 
 
 
 
wegen verhöhnen. Dod erwiderte er beſcheiden und lächelnd, 
um es mit niemand zu verderben: „A<H, der Herr Pineiß be- 
lieben zu ſcherzen!“ „Mitnichten!“ rief Pineiß, „es iſt mir 
voller Ernſt! * IJ9 brauHe Katzenſ<hmer vorzüglich zur Hexerei; 
aber er muß mir vertragsmäßig und freiwillig von den werten 
Herren Katzen abgetreten werden, ſonſt iſt er unwirkſam. IH 
denke, wenn je ein waceres Käßlein in der Lage war, einen 
vorteilhaften Handel abzuſc<ließen, ſo biſt es du! Begib dich 
in meinen Dienſt; ich füttere dich herrlich heraus, mache di< 
fett und kugelrund mit Würſichen und gebratenen Wachteln. 
Auf dem ungeheuer hohen alten Dache meines Hauſes, welches 
nebenbei geſagt das köſtlihſte Da<h von der Welt iſt für eine 
Kaze, voller intereſſanter Gegenden und Winkel, wächſt auf 
den ſonnigſten Höhen trefflihes Spitgras, grün wie Smaragd, 
ſ<lank und fein in den Lüften ſ<wankend, dic< einladend, 
die zarteſien Spißen abzubeißen und zu genießen, wenn du dir 
an meinen Lecerbiſſen eine leichte Unverdaulichkeit zugezogen 
haft. So wirſt du bei trefflicher Geſundheit bleiben und mir 
dereinſt einen kräftigen brauchbaren Shmer liefern!“ 
Spiegel hatte ſc<on längſt die Ohren geſpizt und mit 
wäſſerndem Mäulchen gelauſ<t; do< war ſeinem geſhwäcten 
Verſiande die Sache no<h nicht klar und er verſetzte daher: 
„Das iſt ſoweit nicht übel, Herr Pineiß! Wenn i< nur wüßte, 
wie ich alsdann, wenn iH doh, um eu<h meinen Schmer ab- 
zutreten, mein Leben laſſen muß, des verabredeten Preiſes 
habhaft werden und ihn genießen ſoll, 'da iH niht mehr bin?“ 
„Des Preiſes habhaft werden?“ ſagte der Hexenmeiſter ver- 
wundert, „den Preis genießeſt du ja eben in den reichlichen 
und Üppigen Speiſen, womit ich dich fett mache, das verſteht 
ſich von ſelber! doh will ich die< zu dem Handel nicht zwingen!“ 
Und er machte Miene, ſiHh von dannen begeben zu wollen. 
Aber Spiegel ſagte haſtig und ängſtlich: „Ihr müßt mix wenig- 
ſtens eine mäßige Friſt gewähren über die Zeit meiner höchſten 

	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.