Full text: Spiegel, das Kätzchen

 
„No nicht, ſie will exſt gegen Morgen auf ein Stündchen 
hinaus. Habt Dank für die ſhöne Maus! Seid do<h immer der 
höfli<e Spiegel! Habe hier einen ſchlechten Sperling zur Seite 
gelegt, der mir heut zu nahe flog; wenn Eu beliebt, ſo koſtet den 
Vogel! Und wie iſt es Euch denn ergangen?“ 
„Faſt wunderlich,“ erwiderte Spiegel, „ſie wollten mir an 
den Kragen. Hört, wenn es Euch gefällig iſt.“ Während ſie 
nun vergnüglich ihr Abendeſſen einnahmen, erzählte Spiegel der 
aufmerkſamen Eule alles, was ihn betroffen und wie er ſich aus 
den Händen des Herrn Pineiß befreit habe. Die Eule ſagte: „Da 
wünſc< ich tauſendmal Glüds, nun ſeid Ihr wieder ein gemachter 
Mann und könnt gehen, wo Ihr wollt, nac<dem Ihr manderlei 
erfahren!“ 
„Damit ſind wir no< nicht zu Ende,“ ſagte Spiegel, „der 
Mann muß ſeine Frau und ſeine Goldgulden haben.“ 
„Seid Ihr von Sinnen, dem Schelm no< wohlzutun, der 
Euch das Fell abziehen wollte?“ 
„Ei, er hat es doch rechtlich und vertragsmäßig tun können, 
und da ich ihn in gleiher Münze wieder bedienen kann, warum 
ſollt iM es unterlaſſen? Wer ſagt denn, daß ich ihm wohltun 
will? Jene Erzählung war eine reine Erfindung von mir, meine 
in Gott ruhende Meiſterin war eine ſimple Perſon, welche in 
ihrem Leben nie verliebt, noh von Anbetern umringt war, und 
jener Schat iſt ein ungerechtes Gut,> das ſie einſt ererbt und in 
den Brunnen geworfen hat, damit ſie kein Unglü>& daran erlebe. 
Verflucht ſei, wer es da herausnimmt und verbraucht, ſagte ſie. 
Es mat ſich alſo in betreff des Wohltuns!“ 
„Dann iſt die Sache freilich anders! Aber nun, wo wollt 
Ihr die entſprehende Frau hernehmen?“ „Hier aus dieſem 
Sdcornſtein! deshalb bin ich gekommen, um ein vernünftiges Wort 
mit Euch zu reden! Möchtet Ihr denn nicht einmal wieder frei 
werden aus den Banden dieſer Hexe? Sinnt nach, wie wir ſie 
fangen und mit dem alten Böſewicht verheiraten!"
	        

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