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Weimar die Ehrenſtatuen der beiden größten Dichter
Deutſchlands, Schillers und Goethes, zu ſchaffen! --
Das tilgte den lezten Reſt von trüber Stimmung und
Sorge, die Geſundheit betreffend, aus ſeiner Künſtlexr-
ſeele: ex fühlte ſich ſtark und frei, und ſelige Schaffens-
luſt pulſierte in feinen Adern. Vor allen Kunjſt-
genoſſen fühlte er ſich bis zur Beſchämung erhoben
und ausgezeichnet, und bis zu Thränen hatte ihn
die Form der Berufung gerührt. „Das Herrlichſte,
was Deutſchlands Neuzeit der Geſchichte dargebracht,“
jo ſchrieb damals der mit der Berufung beauftragte
Kunſtgelehrte Dr. Ernſt Förſter, „es iſt die Erſchei-
nung Goethes und Schillers. Mit dem Rufe, dies
Herrlichſte zu verherrlichen, begrüße ich Dich im Bater-
lande!“
Gleichwohl hatte Rietſchel den ehrenden Antrag
nicht eher angenommen, als bis er erfahren, daß jein
verehrter Meiſter und Freund Rauch auf dieſe j<öne,
ihm vor allem zuſtehende Aufgabe verzichtet habe; ert
dann ging er mit fliegenden Pulſen an die herrliche
Aufgabe heran.
Unter ünausgeſeßter Arbeit ward der erſte Entwurf
der Doppelſtatue am Aus8gang des Jahres 1852 fertig.
Derſelbe fand an zuſtändiger Stelle freudigſte Zuſtim-
mung, und nun begann Rietſchel mit geſteigertem Cifer
den Aufbau des großen Modells, raſtlos, faſt leiden?