Full text: Bild & Film - 1.1912 (1)

der Zentraliſierung jetzt ſozuſagen in der Luft liegt -- hat doch auchSch weden 
vor einigen Monaten die Zentraliſierung geſetzlich durchgeführt -- und da 
verſchiedene bayeriſche Städte ſowie Städte anderer Bundesſtaaten bisher die 
Berliner Zenſur zu berückſichtigen pflegten. 
So erfreulich alle dieſe Beſtrebungen zweifellos ſind, [o ſind ſie doch immer 
nur Stückwerk, da auch dann, wenn in ſämtlichen Bundesſtaaten die Zenſur 
zentraliſiert ſein ſollte, es den Filmfabrikanten doch möglich ware, Gen einen 
Zenſor gegen den andern auszuſpielen und da auch dann noch eine grofze Zeit- 
und Geldäverſchwendung ſtattfindet. Deshalb mufz gefordert werden, dafz durch 
Reichsgeſetz die Filmzenſur geordnet und dann in Berlin 
einheitlich zentraliſiert wird. Um beſondere Ausnahmetfälle zu berückſichtigen, 
Könnte der Ortspolizeibehörde es überlaſſen bleiben, in gewiſſen Fällen einen 
in Berlin genehmigten Film proviſoriſch zu verbieten. Im Zuſammenhange mit 
dieſer Regelung müßte eine Neuordnung des Rechtsweges gegen Entſcheidungen 
des Berliner Zenſors bzw. der Ortspolizeibehörden einhergehen. Auf die Einzel- 
heiten Kann ich hier nicht näher eingehen. Wer ſich dafür intereſſiert, findet 
ſie in meinem demnachſt bei Vahlen in Berlin erſcheinenden Werk über 
„Öffentliches Kinematographenrecht“. 
Wenn die Tilmzenſur zentraliſiert iſt, ſo iſt ein gewaltiger Schritt in Ger Be- 
Kampfung des Schundfilms getan, denn wenn die Zenſur auch nur negativ wirkt, 
injefern als ſie direkt die Vorführung von Filmen, die in jeder Beziehung ein- 
wandtrei ſind, nicht bewirken Kann, ſo iſt es doch Klar, dafz, wenn die ethiſchen 
Schundfilme von der öffentlichen Vorführung Konſtant ausgeſchloſſen werden, 
iich das Niveau der Darbietungen allmählich ſteigern muſz. Die weitere poſitive 
Arbeit zu leiſten mufz man den verſchiedenen Vereinen und Geſellſchaften zur 
Verediung der Kinematographie überlaſſen, die ſich erfreulicherweiſe gerade in 
jietzter Zeit gebildet haben. Dr. Albert Hellwig. 
Dilettantische oder Solide Volksbildung? 
Kein Bau verlangt einen feſtern Grund als der der VolKsbildung. Fraglos 
wird heute in dieſem Bereiche viel Geld und Kraft nutzios weggeworfen, weil 
man mit einer gewiſſen verwirrenden Haſt, wie ſie dem Dilettantismus eigen iſt, 
den Neubau unter Dach bringen möchte, ohne für genügende Fundamentierung 
zu jorgen. Er ſitzt doch nur feſt, wenn er eine organiſche Weiterentwicklung 
aus dem vorgefundenen geiſtig-ſecliſchen GeſamtKomplex der zu bildenden 
Volksſchicht darſtellt. Die Lichtbilderei GmbH. M. Gladbach hält 
tür ihre ganze Tätigkeit dieſen Grundſatz als unveränderliche Richtſchnur 
feſt. Die mir vorliegenden neueſten Vorträge aus dieſer Lichtbilderei ſind 
wiederum ein Beleg dafür. Man hat einen anerkannten Fachmann, Dr. J. Popp. 
Dozent für Kunſtgeſchichte und Äſthetik an der Techniſchen Hochſchule in 
München, erſucht, ſie auszuarbeiten. Es war wirKlich der Mühe wert. 
Den Vortrag über die Arbeit und die Arbeiter in der 
bildenden Kunſt möchte ich ſchlechterdings als Muſter für Arbeiten 
dieſer Art bezeichnen. Er wirkt auf mich wie ein in ſich beruhender, wohlgeglie- 
derter Organismus, in dem alles voller Leben iſt, Keine tote Stelle ſich findet. 
Ver Gegenſtand iſt nach der hiſtoriſchen wie äſthetiſchen Seite vollKommen 
1912 Bild und Film 1.1!
	        

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