Full text: Bild & Film - 1.1912 (1)

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Leinwand gleiten. Jeder wußte ihr Dank dafür, ob alt oder jung, groß oder klein, ob geſund oder gebrech- 
lich, vornehm oder gering. Ja auch die, die ihr vielleicht zuerſt zürnen wollten, waren nun des Dankes 
voll. =- 
Damit aber die Menſchen nun jederzeit und immer wieder ſich ihrer Schöpfungen erfreuen könnten, 
hatte die Lichtbildkunſt flink alle ihre tauſend Zauberaufnahmen auf langen, dünnen, durchſichtigen Streifen 
in unermeßlicher Zahl feſtgelegt. 
Menge. 
Dieſe ſchüttete ſie nun wie von ungefähr mit vollen Händen unter die 
Laute, nicht endenwollende Jubelrufe ſchollen ihr, der Gefeierten, entgegen. 
Und während alle 
ſo recht beſchäftigt waren, die langen, rätſelhaften Bänder ſich anzuſehen, benutzte die Spenderin den Augen- 
blick, um ſchnell auf kurze Zeit zur Königin Phantaſie zu eilen. Denn es drängte ſie ſchon längſt, daheim 
von allen Abenteuern, von den endlichen Erfolgen und von ihrem Glück berichten zu können. 
Frau Phantaſie hatte aber bisher Schritt für 
ſchlofz aus verfolgt. 
Schritt alle Erlebniſſe ihres Lieblings von ihrem Luft- 
Nun ſah ſie ihre Tochter von ferne au?! ſich zueilen mit dem jabelnden Ausruf: 
„Mutter, Mutter, ſie haben mich lieb im Menſchenland, ich ſoll bei ihnen bleiben !“ -- -- 
Die Menſchen aber bauten ihr von Stund an Tempel überal! und überall. 
 
Rundschau 
Muſtervorſtellungen. Unter 
denjenigen, die den aufzerordent- 
lichen Künſtleriſchen und Kul- 
turellen Wert des Kinemato- 
graphen mit zuerſt erkannt und 
ſeine Handhabung und Verwer- 
tung ſowohl techniſch wie prak- 
tiſch-pädagogiſch im Sinne wah- 
rer, edier Volksbildung für die 
obern ſogenannten gebildeten 
Schichten und die breite Maſſe 
ſowie für die Schulen zu einer 
vorbildlichen „Kinematographi- 
ſchen Kunſt“ ausgebildet haben, 
verdient nachdrücklichſt erwähnt 
zu werden der Zivilingenieur 
AuguſtKadeinDresden- 
Tolkewitz (Ackerſtrafſze 1). 
Bereits ſeit 15 Jahren arbeitet 
er in dieſem Sinne und ſein 
Inſtitut „Kosmographia“ darf 
ſich mit Fug als „wiſſenſchaft- 
liches Theater“ bezeichnen, das 
nicht blofg in Sachſen, ſondern 
in Deutſchland überhaupt einzig- 
artig iſt und leider bis jetzt 
onne Nachfolge geblieben iſt in 
dem von vornherein als Richt- 
ſchnur feſtgeſtellten undbefolgten 
wiſſenſchaftlichenund 
edel-unterhaltendem 
Ernſt wie in der techniſchen 
GrofzzügigKeit und dem 
vornehmen grofzen Stil 
des Ganzen. 
in Dresden finden die grofzen 
Kinematographiſchen Vorführ- 
ungen Kades in der Regel zwei- 
mal im Jahre ſtatt in dem 30 
„Die Tierwelt inPoz2zlieund Leben“ 
Rezitatoriſch-kinematographiſcher Abend von Valerie Walden unter zütizer Mitwirkun 
von Konzertſängerin F&, Luiſe Ottermann und Pianiſt Herrn Karl Pretzſch. Die kine- 
mategraphiſchen Vorführunzen liegen in den Händen des H2rrn Zivilingenizurs Kade. 
Programm 
14. Der Shal2 . ie u u in u . .„..»-. . »». » . . Wilhalm Wolters 
Eine Kindergeſchichte aus der Großſtadt 
2. 2) Die Forelle (Schubart! . ooo in in wn iw m + Franz Schubert 
b) Hirsechlein ging im Wald Spazieren (Hebbel. . Peter Cornelius 
c) Das MarienwiirmcheN. «ooo ooo io is io 0 iw m iw Rob2rt Schumann 
d) Vom Tistigen Grasmiicklein ein Iustigzes Stücklein 
(GW) os ooo oo ir io ir iw wr 0 . . . . Wilngim Taubert 
3. Die Eintagsfliez2 . voor nin wor iw 0 ww nw Wilhelm Bölſche 
4, 3) Das Shäinnlein. ou ooo ooo ooo oon iw iw m 4 Jonann Peter Hebe? 
bd) Wald- und Wasseridrl! (Kinematographie: 
S. 3) Aus dem Leben der Bienen . ou u u m uw m + + + Matirige Maegrgriinex 
Das Schwärmen der Bienen 
Der Hochzeitsflug der Bienenkönigin 
b) Die Bienen bei der „Arbeit 1 Mikroſkogiſchs Aut- 
C) „Ins dem Leben der „Imetser / nahmen (Kinematograpntic 
6. 2) Nachtigall, aus alten deutſchen Voiksliedern, be- 
ardb2itet VN ooo ooo ooo or 0 iw ir 0 0 Reinndaid Becker 
b) Vogel am Fenster :Wühzlm Rez: . . «+. .- Anna Xrufz2 
c) Frau Schwalbe (Car. Dieffand2 ach; „ee .»..».»».»»*» On22:9 ert Humperdinx 
d) Sphaſzenlied (3.Rodenberz: «eer ie ir rr wn m ginnolg Becker 
7. 3) Krambambitilii cr oo oon iw iw in ooo oon iw ie 0 ww m Marie von Ebnezr-Eignenbag: 
b; Gute Freunde (Kinematograpnig: 
8. H'ie der W'ald erzact? oouoin ooir oon n rs 0 0 iw m Friegrien von Tleaugi 
9. 2) Vöacdl im Nei 
Db) Meaitterliche bes den T:eren / 
In Magdeburg veranſtaltete der Allgemeine Frauen- 
verein unte: Vitwirkung der Kinematographiſche 
Kommiſſion des M2Sdeburger Lehrervereinsmi: 
Herrn K1de eine Reihe Vo'Kkzuntzrialtungszbende mit muſterhaften 
Programmen Das Intereſſe des Publikums ſuchte man mit folgendem 
Aufruf zu erwecken : 
Kinematographie 
I... 28 MIS . 
dungsgmittel 
Der Kinematograph ais Bil 
In dem Kinematozrarhen, dieigem Wunderwerk der modernen Technik, it der Moncit 
heit ain Geſchenk von weittrazendſter Bedeutung gezeben. In kürzeſter Friit hat lic? 
dieſe Erfindung des zenialen Ediſon über dig ganze ziviliſierte Weit verbreitet und itt zu 
einem wichtigen Kulturfaktor Zzeworden. Xicht auszudenken iſt die Fülle der Möglich- 
keiten, mitder ſich die Lichtb.lddähnz in den Dienſt der wüſenSdantizen und lernbeziegriz2n 
Menſchheit zu ſtellen vermar. Sollten uns doch die Rolif.im2 die unbekannten Fernen 
fremder Erdteile veranſchautichen, uns die gehgimnisvollen Wunder der Sternwelt offen- 
haren, uns hinführen zu den Statten der Arbeit. in denen der menichliche Geiſt uner 
mäüdlich Neues zu ſchaffen ſucht. ſollten ſig uns dach Wweiternin das Loben und Treibor 
ger Tiere in der ſreien Natur zeigen und uns einen Biick tun laſien in das Werden un. 
Wirken der kleinen und Kleinſten Leb2zweſen. AU das und nach viel mehr des Guter 
1912 Bild und Film 1.1
	        

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