Full text: Die deutsche Schule - 15.1911 (15)

Die Schulreformbewegung in Sachsen. 
Von A. Leuschke in Dresden. 
Seit langem Schon steht Sachsgen im Zeichen der Schulreform. 
In wenig Wochen wird der letzte Akt im großen Schuldrama im 
Ständehaus Seinen Anfang nehmen. Da die Lehrer Alldeutschlands 
das zu erwartende Ringen der aufsinanderplatzenden Geister mit. 
großem Interesse verfolgen werden und auch der Ausgang des 
Schulkampfes, desgen Wogen Schon heute ziemlich hoch gehen, 
nicht ohne Einfluß auf die zukünftige Entwicklung des Volksschul- 
wegens in den anderen deutschen Bundesstaaten gein dürfte, 1st. 
es jedenfalls angezeigt, auch den Legern der D. Sch. in kurzen. 
Strichen den biSherigen Verlauf dieses Kulturkampfes zu Kkenn- 
zeichnen. Bereits im Jahre 1908 hatten die Reformanträge der beiden 
liberalen Fraktionen der 11. Ständekammer, der Nationalliberalen 
und der PFreisinnigen, „die Neuregelung des Volksschulwesens be- 
treſiſend“, durch die in weiten KreiSen ungeres Volkes das Interesse 
für eine freiheitliche und geSunde Entwicklung und Ausgestaltung 
unsgeres Volksschulwesens wachgerufen wurde, den vStein ins Rollen 
gebracht. Auch die Regierung Stand diesen Bestrebungen durch: 
aus freundlich gegenüber; Sie war fest enfschlossen, die Bahn der 
Reform zu betreten. Hoffnungsfreudig konnte man in Jenen Tagen 
in die Zukunft blicken, denn das ministerielle Schulprogramm.: 
„Sachsen Soll durch ein dem gegenwärtigen Stande der pädago- 
giSchen Wisgenschaft entsprechendes SchulgeSetz von der Univergität 
bis zur VolkssSchule herab wieder eine führende Stellung unter den 
deutschen Staaten einnehmen,“ war viel verheißend. . 
Unter den Reformvorschlägen, die die Beschwerde- und Pe- 
titionsdeputation der II. Kammer in Verfolg der beiden Anträge in 
einem Schriftstücke niedergelegt hatte, und die den gesetzgebenden 
Faktoren als Grundlage einer weiteren Beratung dienen Sgollten, 
fanden Sich eine Anzahl Forderungen, die geit vielen Jahren Schon 
im Mittelpunkte des pädagogiSchen Gedankenaustausches in den 
Kreisgen der Lehrerschaft standen, die aber bigSher leider immer 
ohne Erfolg geltend gemacht worden waren. Freilich für ein „dem 
gegenwärtigen Standpunkte der pädagogischen Wisgenschaſft und 
dem Geiste der Zeit“ entsprechendes großzügiges Schulgesetz war 
innerhalb des von obengenannter Deputation gezogenen Rahmens 
kein Platz. Durch eine Novelle zum Jetzigen Volksschulgegetze, 
die anfangs von den maßgebenden Faktoren geplant war, erzielte 
Deutsche Schule. 12. XV. 48
	        

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