Full text: Die deutsche Schule - 19.1915 (19)

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zeigt, war Stoy ganz zuwider, da sie nach Seiner Ansgicht den Blick 
auf das Große und Wesgentliche hemmt. Darum wollte er besonders 
nichts zu tun haben mit der Gestaliung, die Ziller der Herbartschen 
Didaktik gab. Scharfe Worte, die er darüber an Dr. Bartels Schrieb, 
teilt Fröhlich mit.*) Von einer Bindung des Unterrichts, die 50 weit 
ging, daß Sein Stoff nur als eine Masse erschien, die Sich von der 
Methode alles müsse gefallen lassen, wollte er nichts hören. Allerdings 
war auch er der Ansgicht, daß aus Herbarts didaktischen Anweisungen 
eine besonders für den Unterricht m den Schulen brauchbare Methode 
erst noch gestaltet werden müsse. Die Kinrichtung eines für sich be- 
Stehenden analytischen Verfahrens, das dem Synthetischen Unterricht 
iIMMEr zur Seite gehen, aber im Ton und in der äußeren Veranstaltung 
von ihm ganz verschieden Sein Sollte, hielt er für ebenso untunlich 
wie Ziller. Er Sucht deshalb eine Verbindung beider Methoden, und 
er findet Sie im Angehluß an K. Mager in der „genetischen Methode“, 
die aus der Natur und der geschichtlichen Entwicklung des Objekts 
abstrahiert ist und insofern Synthetisch vorgeht, auf den einzelnen 
Punkten aber durch die Analyse des Vorliegenden das begrifflich All- 
gemeine findet und dadurch zugleich der individuellen Entwicklung 
des kindlichen Geistes nahe tritt.**) Diese Methode gestattete ihm, 
Herbarts Vorschriften über die Führung des Unterrichts durch die 
ötufen der Vertiefung und Beginnung für jede einzelne Lehrstunde zu 
beachten. ***) Über die Art, wie nun der Unterricht in den verschiedenen 
Lehrgegenständen demnach vorgehen mußte, finden Sich in Stoys 
Schriften viele Andeutungen; die genauen Weisungen Jedoch, wie ie 
die Zillersche Schule für alle, auch für die ganz zufälligen Unterrichts- 
lagen ausgearbeitet hat, Sucht man bei Stoy vergebens, weil er damit 
der notwendigen Freiheit des einzelnen Lehres zu nahe getreten wäre. 
Auch für die gittliche Bildung verlangt Stoy den gleichen 
Gang. Er Schließt Sich auch hier den Forderungen Herbarts an; doch 
hat er Seine Terminologie geändert: die „Regierung“ nennt er mit dem 
„wohlbekannten Namen der Polizei“; auf sie folgt, auch hier in Her- 
barts Auffassung verharrend, die „Führung“. Auch hier Soll die ge- 
netische Methode eine Konzentration bewirken, der Gefühle nämlich, 
die die „Grundlage der Urteile und Gesetze“ bilden Sollen, nachdem 
durch ein System der Lebengordnung eine Regelung der objektiven 
ethischen Verhältnisse herbeigeführt worden ist. 
*) Dr. K. V. Stoys Leben, Lehre und Wirken. Dresden 1885. 8.22. 
**) Encyklop. 93.73. 
24x) Bliedner. 8. 213.
	        

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