Full text: Die deutsche Schule - 19.1915 (19)

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und Ausstattung möglich ist. Dann wird es aber auch möglich Sein, neben 
den 11 282 921 Schülern öffentlicher Bildungsanstalten auch die 207 458 
privater zu übernehmen und bei den 208 Mill. M. betragenden Gesamtkosten 
der Mittel- und höheren Schulen auf die 80 Mill. M. Schulgeld zu verzichten. 
Die Soziale Bedeutung der Schulgeldfreiheit wird an anderer Stelle zu er- 
örtern Sein, Die Privatschulen besitzen heute und begsgonders im national- 
Staatlichen Bildungssystem keine Daseimsberechtigung mehr. Wo gie noch 
bestehen oder gar begründet werden, stehen gie allein im Dienste ständischer 
Sonderinteressen*). Dazu bedürfen Sie häufig der Unterstützung aus öffent- 
lichen Mitteln und ihre Träger hegen als innigsten Herzenswungch die Über- 
nahme durch die Gemeinden. | 
Durch den Zwang zum Beguche öffentlicher Schulen brauchen Teil- 
nahme und Opferwilligkeit der Gemeinde und Privater keineswegs unterbun- 
den zu werden. Gelegenheiten zu Schenkungen, Stiftungen und anderen 
Förderungen des großen Werkes werden sich genugsam bieten, Anregungen 
dazu geben gewisse Rechte zur Mitverwaltung, vor allem das Wahlrecht in 
der Personenfrage. Beispiele dazu finden wir bei anderen Reichsbehörden, 
Heer, Post, Gerichte. Es ist bekannt, wie tiefgehend die Wirkung des Per- 
Sönlichen in der Schule ist. Mit dieser Rücksichtnahme liegen im Plane 
einer Reichsstaatsschule Keine unüberwindlichen Schwierigkeiten. Zwar die 
letzten Beratungen des Reichstags über eine Reichsschulbehörde erscheinen 
nicht vielversprechend, Aber einmal ist dieser Gedanke nicht gehr fruchtbar, 
und zum andern werden die gewaltigen Wogen dieser Zeit manches Be- 
denken über Bord gespült haben, In golcher Hoffnung allein konnte diese 
Arbeit entstehen. Es ist ofi mit vollem Recht auf die Bedeutung einzelner 
und begsonders der kleineren Bundesstaaten für die Erprobung neuer Ideen hin- 
gewiesgen worden. Aber ein Blick in die Schulstatistik von 1911 genügt, 
um großen Hoffnungen entgegenzuwirken. Aller Fortschritt liegt auch hier 
in der einheitlichen Zusammenfassung. vie wird auch die Durchführung der 
großen Ideen der Gegenwart innerer pädagogischer Natur auf breiter Grund- 
Jage ermöglichen. 
Der ideale Schwung, von dem eine reichsstaatliche Neuordnung des 
nationalen Bildungswesgens getragen werden müßte, würde über alle Hinder- 
nisse hinwegtragen. Es ist Schon betont worden, daß nur im Vertrauen darauf 
dieser Gegenstand erörtert werden kann. Es wäre leicht, mir aus den wei- 
teren Ausführungen die Schuld einer Neubelebung alter Parteileidenschaften, 
die doch Jetzt 80 tapfer bezähmt werden, heraus zu konstruieren, Sie 
Sind aber weiter nichts als die folgerichtige Fortsgetzung der bisher ent- 
wickelten Gedankengänge und aus dem Bestreben entstanden, einen Weg zu 
beleuchien, auf dem wir zu einer dauernden Befestigung jener inneren Ein- 
heit aller Volksgenosgen gelangen können, die uns die schwere Zeit ver- 
herrlicht. - (Schluß folgt.) 
 
 
*) In dieser Unbedingtheit möchte ich das Urteil doch nicht unterschreiben. 
Es gibt doch auch Privatschulen -- ich erinnere nur an die Landerziehungsheime, 
die Hauslehrerschule Berthold Ottos, die eben gegründete Stein-Fichte-Schule --- 
de neue Wege zur Lösung volkgerzieherischer Aufgaben Suchen und erproben 
wollen. Pr.
	        

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