Full text: Die deutsche Schule - 24.1920 (24)

 
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Höhlenkinder im Steinhaus“ heißt der neue Band. Wieder iſt eine Zülle 
Kulturgeſchichtlichen Stoffes mit der Erzählung verbunden. Aber man merkt nichts 
von einer aufdringlichen Abſicht; die Erzählung hat ſo viel Eigengehalt, iſt ſo ſehr 
wirkliche Dichtung, daß man ſie rein als ſolh4e wertet (Pr. geb. 19,50M.). -- Ein 
Bud) aus einer abſterbenden Welt iſt der kanadiſc<e Roman „Minnehaha (Lachendes 
Waſſer)" von Emil Droonberg, einem Deutſchen, der Kanada, und die dort noh 
vorhandenen Reſte der indianiſchen Bevö!kerung aus eigener Anſchauung kennt und 
in dem Roman Selbſterlebtes dichteriſch geſtaltet hat. Die abenteuerreichen Schickſale 
der Heldin, eines Indianermädhens, das Chriſtin wird, aud) ſeinen Stammesgenoſſen 
Jeſu Lehre verkünden mödhte, aber ſchließlich) im Uloſter Ruhe ſucht und findet, 
und nicht weniger die Seltſamkeit und Sremdartigkeit der Umwelt ſichern dem 
Buche die lebhafte Anteilnahme junger Leſer. -- öSwei weitere Bücher ſind 
amerikaniſd) nad) Herkunft und Stoff. „Rolf, der Crapper“ von Ernſt Seton 
Chompſon, dem Verfaſſer der berühmten Tiergeſchichten (ins Deutſche übertragen 
von Wolf Durian) weckt lebhafte Erinnerungen an den Lederſirumpf und wird von 
12--14 jährigen Jungen mit nicht geringerem Heißhunger gelefen werden, „Bei den 
Helden der Tedhnik" von A. R. Bond (deutſ<e Ausgabe von M. Pannwitz, 
dur<hgeſehen von Ingen. Alex Büttner) führt in die Hauptſtätten des gewerblichen 
Cebens der Vereinigten Staaten und gibt mit der Erzählung der Erlebniſſe ſeiner 
beiden jugendlichen Helden eine Schilderung tehniſcqer Wunderwerke, verbindet alſo 
ſpannende Unterhaltung mit nützlicher Belehrung. An eifrigen Leſern wird es aud 
dieſem Buche nicht fehlen; der Uunſtrichter wird ihm etwas zweifelnder gegenüber 
ſtehen. (Pr. geb. 19,50 M.). -- Rein belehrend, aber für UKnaben, die für ſolche 
Dinge Sinn haben, gewiß nicht weniger feſſelnd, iſt das ebenfalls im Srand>hiſ<hen 
Verlage erſchienene zweibändige Werk: Eloktrotehniſ<hes Baſtelbuch (Große Elektro» 
technik für Jungen), unter autoriſierter Benuung von „Harpers Electricity Book 
ior Boys*, frei bearbeitet von Hanns Günther (W. de Haas). Natürlic) werden 
die durc; zwekmädzige Abbildungen ergänzten Darlegungen ihren Zweck erſt dann 
vollſtändig erfüllen, wenn die Beſitzer des Buches au<h wirkli die Möglichkeit zum 
Baſteln haben. Uicht verſäumen möchten wir, darauf hinzuweiſen, daß aud) der 
Unterricht in der Naturlehre, fofern er auf Shülerübungen eingeſtellt iſt, durd) dieſe 
. Büdzer weſentlich gefördert werden kann (Pr. für jeden Band 19,50 M.). -. Als 
letztes möge den Reigen der Jugendbücher beſchließen: Spiel und Spaß und nod) 
etwas, ein Unterhaltungs- und Beſchäftigungsbud) für kleinere und größere Kinder 
von U. Dorenwell T. 3. Heft: Sür die Größeren. Das Bud, das bereits in 4. Auf- 
lage vorliegt, enthält eine Fülle von Stoffen zur Unterhaltung und Beſchäftigung für 
geſellige Kreiſe größerer Kinder und wird als Sreudenſpender willkommen geheißen 
werden. (VDerlag Teubner. Pr. ſteif geh. 6 UW.). 
Nun zu den Büdern für die Erwachſenen; ſie ſind ſämtlid) aus dem Derlag von 
Quelle & Meyer in Leipzig. Von Rarl Gjellerrups tiefſinnigem Weltanſchaungs- 
roman „Die Weltwanderer“, in dem der Gedanke der Seelenwanderung in ſo 
eigenartiger Weiſe künſtleriſche Geſtalt angenommen hat, iſt ſchon wieder eine neue 
Auflage, das 9. bis 13. Tauſend, erſchienen, ein Beweis dafür, daß die Dichtung, ob- 
wohl ſie wahrlich niht zur leichten Unterhaltungskoſt gerednet werden kann, bei der 
Leſerwelt Eingang findet (Pr. geb. 28 M.). -- Von ganz anderer Art, ein volles Gegen» 
ſtück zu dieſem |chwerblütigen iſt ein nachgelaſſenes Werk desſelben Dichters, eine 
heitere, Iuſtjpielartig aufgebaute KRünſtlergeſhichte aus dem Denedig am Ende des 
18. Jahrhunderts: Madonna della laguna. Wir mödten glauben, daß ſic dieſer 
liebenswürdigen Geſchichte die Gunſt der Leſer erſt recht zuwenden müßte (Pr. geb 14M.). 
-- Don Wilhelm S<harrelmann, der nun wohl aud mit ſeinen ſämtlichen Werken 
bei Quelle & Meyer Einkehr gehalten hat, liegen vier Bücher vor. Sunächſt iſt eine 
„neue QAuflage, die vierte, von ſeinem Kindheitsroman „Piddl Hundertmark" ere 
ſchienen, dem Buche, das zuerſt weitere Kreiſe, namentlich au in der Lehrerſchaft, 
auf den Dichter auſmerkſam werden ließ und das in der Reihe der dihteriſch ge- 
ſtalteten Kindheitsgeſchi<hten immer ſeinen Platz behaupten wird (Pr. 14 M.). Gleich- 
falls neu aufgelegt, aber zugleich vermehrt iſt die Sammlung kurzer Erzählungen 
und Skizzen mit dem Titel „Die Fahrt ins Leben" (Pr. geb. 14 M.). Im Grund- 
ton dieſer ſehr ähnlich iſt das Novellenbuc) „Shweigende Liebe" (Pr. geb. 18 M.). 
Sie führt den Untertitel: Cin Liebesalmana<h, und die zwölf Erzählungen, die ſie 
umfaßt, ſind zu den zwölf Monaten des Jahres in Beziehung geſetzt. In beiden 

	        

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