456 Ulrike Garbe:
einer Srau ab, die ihre eHt deutſche Art ſogar am franzöſiſchen Hofe ſelber zu behaupten
wagte: die Herzogin Eliſabeth Charlotte von Orleans, uns Deutſchen lieb und vertraut als
Liſelotte von der Pfalz. Ein einfacher, geradliniger Menſ<, ungebro zum letzten Atemzuge ſich ſelber treu -- iſt ihre Geſtalt in hervorragender Weiſe geeignet,
das Weſensbild einer typiſ<; deutſchen Srau erzieheriſm wirkſam werden zu laſſen.
Audy können an ihren Lebensſchikſalen die Gegenſätze deutſcher und franzöſiſcher Weſens-
art, die unheilvollen Einflüſſe franzöſiſcher Sitte auf die deutſchen Zuſtände anſchaulid)
klargemacht werden. |
Das friſ Herzog Philipp von Orleans, dem Bruder Ludwigs XIV., vermählt. Nad ein paar erſten
glücklichen Ehejahren trat unter dem Einfluß intriganter Hofkreiſe eine tiefe Entfrem-
dung zwiſ erſchüttert, ihr Einfluß auf die Erziehung ihrer Kinder unterbunden. Liſelotte hat unter
dieſen Schikſalsſhlägen ſ freudige Art, ihr köſtlicher Humor ſich immer gleich. Das tritt am unmittelbarſten hervor
aus ihren Briefen. Hier gibt ſie ſich ſo eh Empfindungen, daß wir wohl kaum einen zweiten Menſchen der Dergangenheit kennen,
der ſeine Weſensart, ſein inneres Erleben uns ſo lückenlos erſchloſſen hat wie ſie. Die
Darſtellung im Unterricht wird ſie zeigen als die liebevolle, treu ſorgende Mutter ihrer
Hinder, als die reine, unverdorbene Frau, die inmitten ihrer ſittlich) verkommenen Um-
gebung am franzöſiſchen Hofe unbeirrbar ihren geraden, ehrlichen Weg ging, als den
unbeſte dieſe Offenheit au die -- angeblich in ihrem Namen verübten --- Derwüſtungen und Gewalttaten in ihrer
geliebten Pfälzer Heimat gezeigt werden müſſen, ihre tiefe Sehnſucht nach Hauſe, nach
ihren Lieben daheim, die do< nie Erfüllung finden durfte, und als beherrſchender Zug
in ihrem Weſensbilde: ihr tapferes, aufrechtes Deutſchtum, das ſie jederzeit mit Mut und
Stol3 bekannt hat.
6. Frauen der napoleoniſchen Kriege und des Weltkrieges.
Als typiſcher Weſenszug deutſchen Srauentums wird immer wieder die verinner-
lihte Auffaſſung von Ehe und Mutterſchaft darzuſtellen ſein. Aber von den zahlloſen
Srauen, die in dieſem deutſchen Sinne Gattin und Mutter geweſen ſind, iſt nur ein ver-
ſ geblieben. Dieſe wenigen ſollten beſonders nachdrücklich herangezogen werden. Die präd-
tige Srau Rat Goethe in ihrer köſtlich friſchen, gemüt5zwarmen Art mag als Verkörperung
einer beſonders innigen und verſtändnisvollen Beziehung einer Mutter zu ihrem großen
Sohne dargeſtellt werden. Karoline von Humboldt -- deren hohe Bedeutung als
ſchöpferiſc<; anregende Geiſteskraft im Kreiſ2 der klaſſiſhHen Denker und Dichter auf der
Ebene der Dolksſ Gattin und Mutter in ihrer innigen Liebesfähigkeit, ihrer ſelbſtvergeſſenen Güte aud)
hier bedeutſam werden können. Es wäre außerdem hervorzuheben, wie ihre deutſc-
bewußte Haltung, ihr nationales Pflichtgefühl auch in ihrem Gatten das Bewußtſein ſitt-
licher Verpflichtung dem Vaterlande gegenüber ſtärkte; wie Karoline dur ihrer jeeliſchen Beziehung zu ihm es vermodte, ihn zum Verzicht auf perſönliche Wünſche

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