Full text: Neue Bahnen <Leipzig> : Zeitschrift der Reichsfachschaft IV <Volksschule> im NSLB Leipzig- 31.1920 (31)

 
 
Januar 1920, Heft 1 
"AB 
31. Jahrgang 1920 
 
als ob... 
In der Schar der Getreuen, die Peſtalozzi am Neujahrsmorgen 1811 im Betſaale 
des Schloſſes zu Tferten verſammelte, um vor ihr in geweihter Stunde ſein überquellend 
Herz auszuſchütten, ſtanden und lauſchten auch jene Jünglinge, die auf Dorſchlag des 
Staatsminiſters Grafen von Donah der König von Preußen an dieſe Erziehungsſtätte - 
der Menſchheit entſandte, damit ſie von hier aus den Weg fänden, der ihr Daterland 
aus geiſtigen, ſittlihen und bürgerlichen Nöten erlöſte. 
In Berlin hatte Sichte auf den Schweizer Dolksmann als einen Pfadfinder hin- 
gewieſen: „Unſere Derfaſſungen wird man uns maden, unſere Bündniſſe uvd die a- 
wendung Unſerer Streitkräfte wird man uns anzeigen, ein Geſezbuch wird man uns 
leihen, Yelbſt Geri<t und Urteilsſpru< und Ausübung desſelben wird man uns bisweilen 
abnehmen. Bloß an die Erziehung hat may nicht gedacht: ſu<en wir ein Geſchäft, ſo 
laßt uns dieſes ergreifen. J< hoffe --- vielleicht täuſche iM mi ſelbſt darin, aber da id) 
nur um dieſer Hoffnung willen no< leben mao, o kann ich es nicht laſſen zu hoffen = 
ic) hoffe, daß ich noh einige Deutſche überzeugen und ſie zur Einſicht bringen werde, 
daß es allein die Erziehung jei, die uns retten könne von aller Übeln.“ 
Dermiitelſt einer dur<greifenden Derbeſſerung der Yolkserziehung ſollte Deutſch- 
lar d wiedergeboren werden. Jn brennendem Eifer, aufnehmend und mitſchaffend, 
weilten die jungen Preußen, erfüllt von der Größe ihres künftigen Berufs, in den düſtren 
Mauern des alten Burgundenſc<loſſes am Neuenburger See. Und ihre Herzen waren 
heute am erſten Tage eines neuen Jahres aller guten Wünſche und feſten Dor- 
ſjäße voll. 
An Niederers Seite ſtanden Kawerau, Preuß, Henning und hielten ſic) eng um- 
ſ<lungen; während Rendſ<midt, KRraß, Dreiſt und Paßig aus dem Dunkel 'der Saal- 
wand auf den Meiſter ſc<auten. 
Peſtalo33i war innerem Zuſammenbruche nahe geweſen. Die Worte des Sünf- 
undſe<zigjährigen waren wie von Wehmut durchtränkt und gleichſam feu<t von un- 
geweinten Tränen. Der Schmerz um den troßigen Weggang des Seuerfopfes Schmid 
hatte das Herz des alten Mannes zerſchnitten. Aber nun richtet ſich das „zerkleäte Rohr“ 
auf an der Treue ſeiner nordiſczen Sreunde, und ſeine Stimme wird von innerer Wärme 
beſeelt :: „Preußens Jünglinge, die JThr vereinigt daſteht für unſern Zwe als ein Herz 
und eine Seele -- Cuer hHierſein iſt in die Tage meiner tiefen Trauer gefallen. Abor 
Thr machtet mich nicht traurig. Thr erquidtet mich in meiner Trauer. Geliebte Sreunde, 
Thr waret der Troſt meiner traurigen Tage. Als ich das Herz des Mannes, den meine 
Seele liebte wie ein Vater die Seele ſeines Kindes liebt, verlor und betrübt daſtand, 
Uene Bahnen XXXI. 1.! . 1 ]
	        

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