Full text: Die Mittelschule - 51.1937 (51)

Seite 268 / Nr. 22 
tertia abſchließt, wodurc< offenbar eine Art Lücke für die Shüler 
entſteht, die mit der mittleren Reife abgehen wollen, und die 
auch nicht daldur< ausgefüllt werden kann, daß der Schüler die 
Obörſekunda no< mitnimmt, da, wie Prof. Flitner („Er- 
NEE April 1937) bemerkt, „der Abgang mitten im Ober- 
tufenkurſjus von jeher als höchſt unbefriedigend empfunden 
wurde“. 
Man ſieht aus alledem, wie die ſechsftuſige Mittelſchule, 
heute no<4 mehr als früher, berufen ſein könnte, eine Lücke im 
deutſchen Bildungsaufbau auszufüllen. Dahin führt nog eine 
weitere Überlegung hinſichtlich der Frage des fremdſprachlichen 
Unterrichts. Gertrud Bäumer macht auf die veränderte Stellung 
des Franzöſiſchen im Unterricht aufmerkſam. GE wenn noh 
Konzeſſionen hinſichtlich einer zweiten modernen Fremdſprache 
an der einen oder andern Stelle des geplanten Neubaues ge- 
macht werden ſollten, dann iſt die Lage doc< ſo, daß die höheren 
Schulen nur dann eine zweite moderne Fremdſprache (Fran- 
zöſiſch) betreiben -- auc<h dann noc< im beſcheidenen Umfange 
eines dreijährigen Unterrichtsganges -=- wenn die Sc<üler bis 
zur Vollreife dur<halten. Bleibt dagegen die Mittelſchule in 
ihrer bisherigen Geſtalt beſtehen, alſo mit ſechsjährigem eng- 
liſchen Unterricht als Pflihtfac< und vierjährigem franzöſiſchen 
Lehrgang für die dazu Befähigten als Wahlfach, ſo wäre die 
Mittelſchule für manche, 3. B. kaufmänniſche Berufe, die am 
beſten ausgeſtattete Schule mit mittleren Bildungsanſchluß. 
Selbſt wenn man bereit iſt, fremdſprachlichen Unterricht nicht zu 
über HE jo läßt ſich do< nicht leugnen, daß für verſchiedene 
praktiſche Berufe neufremdſpra<hlihe Kenntniſſe nüßli< und 
erwünſcht find. 
Das ſind alles Überlegungen, die das Mitetelſhulproblem ſo 
wichtig erſcheinen laſſen. Wie auch die Entſcheidung fallen mag, 
hier iſt eine Stelle im deutſ<en Sc<hulaufbau, die heute erhöhte 
Bedeutung hat und einer ſorgſamen, alle Bedürfniſſe und Mög- 
lichkeiten erwägenden Prüfung und entſprechenden Löſung be- 
darf. Hier find no< alle Wege offen, aber daß der beſte Weg 
über eine innerlih und äußerlich erſtarkte Mittelſchule liegt, 
dürfte, wie die Dinge nun liegen, nicht zweifelhaft ſein. 
2. Du dem Thema „Grundſtändige höhere Schule und Auf- 
bauſhule“ ſchreibt Dr. Hartnad>e im Maiheft der Zeitſchrift 
„Raſſe“ folgendes: „Die Verkürzung der Geſamtſchulzeit auf 
12 Jahre im Regelfalle iſt ein lebensgeſetzlic<her Gewinn. Der 
Wunſc< aller lebensgeſeßlich Gerichteten, daß den Begabten ein 
viertes Grundſchuljahr des Zuſammengeſpanntſeins mit dem 
nicht geringen Anteil Unbegabter in den Geſamtjahrgängen er- 
ſpart bleiben möge, iſt neuerdings erfüllt worden. Hoffentlich 
wird. eine ſcharfe und klare Ausleſe durc< die Schulen Gewähr 
dafür geben, daß die Verkürzung auf ac<t Jahre höherer ShHule 
keine allzu ſtarke Minderung Der Leiſtungshhe bringt. Der 
amtliche Bericht über das höhere Schulweſen 1935/36 hatte er- 
geben, daß beim Eintritt in die Sexta nicht weniger als 
994 vp. H. der eintretenden Knaben überaltert waren, d. h. mehr 
als vier Jahre Grundſchule hatten. Beim Eintritt in die Auſ- 
bauſchule mit ſec<hsjährigem Lehrgang aber waren, gemeſſen an 
der künftig zwölfiährigen Geſamtſhuldauer, niht weniger als 
99,5 v. H. überaltert, d. h. ſie hatten ſieben oder mehr Jahre 
Volksſchule. Künftig werden die überdur<ſ<nittlih begabten 
Grundſchüler in 3+8 = 11 Jahren, die überdur<ſchnittlich be- 
gabten Aufbauſchulanwärter in 6 +6 = 12 Jahren zur Shul- 
abſchlußreife kommen können. Daraus geht hervor, daß, rein 
lebensgeſeßlich betrachtet, die grundſtändige höhere Sdule gegen- 
über der Aufbauſchule ein Jahr Gewinn bedeutet. Das iſt 
Grund genug, die grundſtändige höhere Schule für alle Zeit als 
Regelſchule zu belaſſen.“ 
Die Verkürzung der Geſamtſchuldauer auf 12 Jahre mit 
dem Normalabſchluß am Ende des 18. Lebensjahre5 wird jeder 
mit Freuden begrüßen. Die für die Anwärter zur grundſtän- 
digen höheren Sc<ule beſtehende Möglichkeit der Einſparung 
eines weiteren Jahres in der Grundſchule iſt ebenfalls ein Ge- 
winn, allerdings nur für die Schüler, die die erforderliche Be- 
gabung dafür mitbringen. Wie groß unter dieſer Voraus- 
ſezung die Zahl derer ſein mag, denen die zweite Einſparung 
möglich iſt, ſteht dahin, jedenfalls iſt es eine Minderheit. iFür 
die Mehrheit genügt der Übergang nach vier Jahren. Von 
Wichtigkeit iſt, daß der Übergang, von begründeten Ausnahme- 
fällen abgeſehen, nicht no< ſpäter erfolgt. Dr. Hartna>e gibt den 
Prozentſaß der überaltert, d. h. mit mehr als 4 Jahren Grund- 
ſchule in die Sexta eintretenden Schüler für 1935/36 mit 22,4 v. H. 
an. Der Saß von 99,5 v. H. für die, an der künftig zwblf- 
jährigen Schuldauer gemeſſen, verſpätet in die Aufbauſchule ein- 
tretenden Schüler kann irreführen. Es dürfen doh nur die mit 
mehr als ſieben Volksſchuljahren eintretenden Schüler als über- 
altert gerechnet werden, ſonſt gibt die Gegenüberſtellung von 
22.4 vy. H. und 99,5 v. H. ein falſches Bild. | . 
Die Mittelſchule 
 
16. Juni 1937 
- Im übrigen hat die grundſtändige Höhere Schule gegen- 
über der Aufbauſchule immer gewiſſe Vorzüge, da die zu leiſtende 
Arbeit auf einen größeren Zeitraum verteilt wird. Doch iſt der 
Abſtand zwiſchen beiden Schularten in Zukunft um ein Jahr 
verringert (8 :6 gegen früher 9 : 6). Außerdem ſollen die Auf- 
bauſchulen künftig grundſätßlich Internate ſein. Das ermöglicht, 
von der erziehlihen Seite ganz abgeſehen, eine beſondere Kon- 
zentrierung und Intenſivierung der unterrichtlichen Arbeit. So 
iſt die Hoffnung berechtigt, daß auch die Aufbauſchule, die neben 
den grunditändigen nationalpolitiſchen Erziehungsanſtalten ihre 
beſondere Stellung im Dienſte der Bewegung Hat, mii gleichem 
Erfolg wie die Regelform der grundſtändigen öheren Shule 
an der Erziehung des völkiſ<en Nac<wuchſes arbeitet, Bin. 
G<ulverfuche zum Unterricht 
in dex Wetterlunde. 
Wenn man den Unterricht in der Wetterkunde ganz auf die 
Wetterbeobachtung aufbaut, dann läßt er ſich leiht durch eine 
Reihe ſchlichter Schulverſuche unterſtüßen. Dieſe Verſuche haben 
den Sinn, eine Einzelheit aus der Geſamterſcheinung „Wetter“ 
herauszulöſen, um ſie na Verlauf und Bedingungen geſondert 
betrachten zu können. Einige davon ſind alte Bekannte aus dem 
Phyſikunterricht her, die aber nur ſelten für die Wetterkunde 
benußt zu werden pflegen. =- Weggelaſſen ſind alle Verſuche mit 
Barometer, Thermometer und Hygrometer, die ja Selbſtverſtänd- 
lichkeiten ſind. | 
1. Das Auſſteigen der Warmluft (Aufgleiten der Warm- 
front, Konvektionserſ<heinungen) demonſtriert man am beſten 
mit Hilfe der „Tanzenden Schlange“, dem bekannten Verſuche, 
bei dem eine frei aufgehängte Papierſc<lange "dur<. auſſteigende 
Warmluft in Drehung verſetzt wird. 
9. Man füllt eine Sc<weinsblaſe mit warmer Luft (Ein- 
blaſen von Luft am Heizkörper mit vem Blaſebalg), bis ſie prall 
iſt, ſ<hnürt ſie feſt zu und wägt ſie. Dann legt man ſie kühl. 
Nach einiger Zeit iſt ſie nicht mehr prall; aber ihr Gewicht iſt 
unverändert. =- Warmluft nimmt mehr Raum ein als. Kaltluft; 
ſie iſt daher leichter. | 
3.. Die Tür eines Zimmers mit warmer Luft nach einem 
Raum mit kälterer Luſt (Tür der geheizten Klaſſe nach dem 
kälteren Korridor) wird ein wenig geöffnet. In den Spalt wird 
eine brennende Kerze gehalten. Hält man ſie in die obere 
Hälfte, ſ<hlägt die Flamme nac< außen, hält man fie in die 
untere, ſc<lägt ſie nac< innen. Der Verſuch iſt bekannt. Er zeigt: 
Wo Warmluft und Kaltluft zuſammenſtoßen, gleitet die Warm- 
luft auf die Kaltluft auf, und die Kalkluft drängt ſich unter die 
Warmluft, bis die Glei<hgewichtslage hergeſtellt iſt. -- Ent- 
ſtehung des Windes. - 
4. In eine große Kohflaſche bringt man einige Tropfen 
Waſſer und ſchwenkt ſie ſo, daß ſie ſich an der Glaswand ver- 
teilen. Dann verſchließt man ſie mit einem durc<bohrten 
Gummipfropfen, dur< den ein kurzes Glasrohr mit Hahn ge- 
ſte>t iſt. (Hat man kein Rohr mit Hahn zur Verfügung, ſo be- 
nußt man ein kurzes Glasrohr, zieht ein Stüdhen Gummis- 
ſhlau< darüber und verſchließt dieſes mit einem Quetſchhahn, 
im Notfalle durc< Fingerdruck.) Man ſaugt etwas Luft aus 
der Flaſche, verſchließt ſie, hält die Rohröffnung über einen 
brennenden Schwefelfaden und öffnet den Hahn, [ſo daß mit der 
nunmehr einſtrömenden Luft Sc<wefeldioxryd mit eindringt. Nun 
bläſt man Luft in die Flaſche hinein und verſchließt ſie: durch 
den erhöhten Luftdru> iſt die kleine Trübung verſchwunden, die 
bei dem Einſtrömen entſtanden war: Die Luft in der Flaſche iſt 
klar. Öffnet man jeßt den Hahn, [ſo daß die überſchüſſige Luft 
ausſtrömen kann lvermindert man alſo den Luftdru>), ſo füllt 
ſich die Flaſche ſofort mit einem dichten Nebel. Bei erneutem 
Einblaſen verſchwindet dieſer wieder völlig; beim 'Abblaſen er- 
ſhHeint er wieder uſw. -- Unter hohem „Luftdru> findet keine 
Wolkenbildung ſtatt, nur unter niedrigem. 
5. Ein Glas Waſſer, in das ein Stü><en Eis gelegt worden 
iſt, beſchlägt im warmen Klaſſenzimmer mit Waſſer. -- In der 
Luft “ Waſſerdampf enthalten, der ſich beim Abkühlen zu Waſſer - 
verdichtet. - | - 
6. Ein in der Klaſſe aufgehängter Tannenzapfen ſchließt ſich 
bei feuchter Luft. = vun Kn ' 
7. Ein in Waſſer getauchtes und ausgewrungenes Taſchen- 
tuch wird auf einer Briefwaage gewogen. Nac< der Stunde wird 
die- Wägung wiederholt. Man wiederholt den“ Verſuc< an ver- 
ſchiedenen Tagen: Der Gewictsverluſt iſt verſchieden, je nach 
dem Waſſergehalte der Luſt. | Sn
	        

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