Full text: Die Mittelschule - 51.1937 (51)

Seite 528 / Nr. 45 
Aus Schule und Leben. - 
1. Reichstagung gegen den Alkoholmißbrauch, Der Deutſ<e 
Verein gegen den Alkoholmißbrau< entfaltet ſeit Jahren auf 
ſeinem Sondergebiete eine ſegensreiche Tätigkeit. Er wurde 
daher bald na<h der politiſchen Machtergreifung durc< den 
Nationalſozialismus in ein poſitives Verhältnis zur NSDAP. 
gebracht. Da«=die Geſundheitsführung des deutſchen Volkes zu den 
Angelegenheiten der. Partei gehört, wendet ſich das Hauptamt 
für Volksgeſundheit der NSDAP. als Träger diejer Gejundheits- 
führung auch gegen den Alkohol- und Nikotinmißbrauch und be- 
dient ſich zur praktiſchen Durchführung ſeiner Aufgaben des 
„Deutſchen . Vereins gegen den Alkoholmißbrauc<h“. 
Der Verein veranſtaltete am Sonniag, dem 5. Dezember 1937, 
vormittags im Reichstagsſißungsſaal der Krolloper eine ſtark 
beſuchte „Reichstagung gegen den Alkoholmißbrauch“. Für die 
Wichtigkeit, die der vom Verein vertretenen Sache allſeitig bei- 
gemeſſen wird, ſpricht die zahlreiche Beteiligung von Vertretern 
der Vartei, des Staates und der Behörden. Das Begrüßungs 
telegramm der Verſammlung an den Führer wurde dur<h ein 
Danktelegramm des Führers beantwortet, das unter ſtürmiſchem 
Beifall der Anweſenden verleſen wurde. Gauamtoleiter Bg. 
Dr. E. Bruns, der Leiter des Vereins und der .diesjährigen 
Tagung, ſprac< zu dem Thema „Partei, Geſundheitsführung, 
Alkoholmißbrauch“. Als zweiter Redner folgte Pg. Profeſſor 
Dr. Reiter, der Präſident des Reichsgeſundheitsamtes, mit 
einem Vortrag über „Alkohol- und Nikotinmißbrauch und ge- 
ſundes Volk“. Ein drittes Referat hielt Pg. E. Bauer über 
„Grundſäte in der Bekämpfung des Alkoholmißbrauc<hs“. An die 
Referate |c<loß ſi< die Verleſung von Erklärungen der Rei<hs- 
jugendführung, der Oberſten SA.-Führung, des Reichsführers 
der SS. und Chefs der Deutſchen Polizei, des Raſſepolitijhen 
Amtes der NSDAP., des Reichsarbeitsdienſtes, der Deutſchen 
Arbeitsfront, der NSG. Kraft durch Freude, zahlreicher 
Miniſterien, des Reichsſportführers, des Reichsverſicherungs- 
amtes und der Stadt Berlin. 
Dr. Bruns ging in ſeinem Referat von der neuen Staats- 
auffaſſung aus, nach der nicht der einzelne Menſc< und deſſen 
möglichſt angenehmes und bequemes Leben das Weſentliche iſt, 
ſondern das Leben und die Zukunft des Volkes. Die Grund- 
lagen für dieſes ewige geſunde deutſhe Volk zu ſc<haſſen, 
iſt Aufgabe der Geſundheitsführung. Dazu iſt notwendig, alles, 
was geeignet iſt, Geſundheit und Leiſtungsfähigkeit des 
deutſchen Menſchen zu ſchädigen oder zu gefährden, zu beſeitigen 
und zu bekämpfen, alles, was Geſundheit und Kraft erhält und 
ſteigert, zu fördern. Wir lehnen den Genuß alfoholiſ<her Ge- 
tränke und den Genuß von Tabak nicht grundſätzlich ab, wir ſind 
keine Mudker und Moralinprediger, ſondern wir ſtehen mit 
beiden Beinen feſt auf dieſer Erde. Die Menſc<en ſollen das 
Schöne, das dieſe Erde bietet, genießen, aber mit Maßen ge- 
nießen. Mit der ſpießbürgerlichen Auffaſſung, daß zur Erwei- 
. Jung der Männlichkeit der Humpen und die Zigarre oder Zigarette 
gehören, muß mit aller Entſchiedenheit einmal Schluß gemacht 
werden. Es muß einmal klar herausgeſtellt werden, daß es nicht 
unmännlich iſt, nicht zu trinken und nicht zu rauchen, ſondern 
daß gerade dazu eine beſondere Selbſtzu<t und Energie, alſo 
männliche Tugenden, erforderlich ſind. 
Prof. Dr. Reiter ſtellte die drei Grundſäze auf, nac< denen 
die öffentliche Geſundheitsführung verfahren muß. Es iſt darüber 
zu wachen, daß 1. wertvolle erbbiologiſc<he Anlagen unverändert, 
d. h. nicht dur< Umwelteinflüſſe geſ<ädigt weitergegeben werden, 
2. ſchwere minderwertige Anlagen von der Weitergabe ausge- 
ſchloſſen werden, 3. daß verſucht werden muß, aus mittelmäßigen 
Anlagen durc< eine entſprechende Geſundheitsführung das, was 
an Wertvollem vorhanden iſt, nag Möglichkeit zu fördern und 
nicht durc< neue Schädigungen weiter zu vermindern. Indem ſich 
der Redner dann dem beſonderen Thema der Bekämpfung des 
Alkohol- und Nikotinmißbrauches zuwandte, gelangte er auf der 
Grundlage längerer grundſäßlicher Ausführungen zu einer An- 
zahl praktiſcher Forderungen, von denen wir die wichtigſten an- 
anführen: 1. Enthaltſamkeit der Jugendlichen vom Alkohol- und 
Nikotingenuß bis zum pollendeten 16. Lebensjahr; 2. Enthalt- 
ſamkeit vom Alkohol- und Nikotingenuß der Schwangeren und 
der ſtillenden Mütter; 3. Enthaltſamkeit vom Alkoholgenuß bei 
beſonderer Verantwortung, wie 3. B. bei der Führung von iFahr- 
zeugen jeder. Art und ſtrengſte Beſtrafung von Alkoholdelikten; 
4. Verbot der Werbung für Alkohol- und Nikotingenuß als an- 
geblihe Krankheitsverhütung und als geſundheitsfördernd, 
5. Verwendung von mindeſtens einem Drittel der dur< die Ver- 
brauchsſteuer für Alkohol- und Nikotingenuß eingehenden Steuern 
für die Errichtung von Wohnſiedlungen für kinderreiche Familien; 
6. Propaganda des Ausgleichs[ports und hierdur< »Steigerung 
der Nachfrage nac< alkoholfreien Getränken; 7. Förderung der 
u 
Die Mittelſchule 
 
29. Dezember 1937 
Wirtſchaft dur< Steigerung der Produktion alkoholfreier Ge- 
tränke (Obſtſüßmoſt, Traubenſüßmoſt) ; 8. Förderung des Au5>- 
baues alkoholfreier Gaſtſtätten in Verbindung mit Muſterwirt- 
ſ<haften für geſundheitsfördernde Ernährungsformen, 9. Er- 
ziehung der Jugend zur geſunden Lebensführung und Charatter- 
entwidlung unter Einſchaltung aller Parteiorganiſationen (ins= 
beſondere des Deutſ<en Frauenwerts, der Reichsjugendführung) 
und richtunggebender Mitwirkung des Heeres ; 10. Planmäßige 
Aufklärung aller Bevölkerungskreiſe über die Schäden des Alko- 
hol- und Nikotinmißbrauches und gleichzeitig Vermittlung hoher 
Kulturwerte dur< DAF., Theater, Lichtſpiele, Rundfunk ujw. 
Der dritte Redner berührte ſich vielfach in ſeinen Ausfüh- 
rungen mit denen der Vorredner. Er unterſtrich no< einmal 
unſere Stellung zum Alkoholproblem, die nicht grundſäßlich ab- 
lehnend iſt, ſondern ſich nur gegen den Mißbrauch wendet, und 
wies erneut auf die Arbeit der Partei hin, die ſich durch die 
Parole Aufklärung und Erziegyung auf breiteſter Grundlage 
kennzeichnet. 
9. Das Landjahr, vom Lande geſehen. Wir Lehrer ſehen im 
Landjahr in allererſter Linie eine Einrichtung zum Wohle der 
Jugend, und ſo wird die Einrichtung auch von den Eltern ge- 
ſehen. Aber das Landjahr hat au< eine hervorragend volks- 
wirtſchaftliche Bedeutung. Und wenn der Bauer, der Gemeinde- 
leiter, überhaupt die ländlichen Organe gerade dieſe Seite der 
Landjahridee beſonders aufmerkſam prüfen, [9 iſt das nicht nur 
von ihrem perſönlichen, ſondern auch vom allgemein volkswirt- 
ſhaftlihen Standpunkt ganz berechtigt. Es muß nur von den 
verantwortlichen Stellen darauf geſehen werden, daß beide Seiten 
der Betrachtung zu ihrem Re4hHt kommen, wie es das Volks- und 
Staatsintereſſe verlangt. In der „Landgemeinde“, dem amts- 
lihen Organ des Deutſc<hen GemeiRtags für ländliche Selbijt- 
verwaltung (Nr. 22 vom 25. 11. 1937), ſinden wir folgende Be- 
trachtung über das preußiſche Landjahr: - 
„In der erſten Zeit, in der das Landjahr für Preußen ein- 
gerichtet wurde, wollte man vor allen Dingen ſ<hwäclichere 
Großſtadtkinder auf dem Lande in geſunder Umgebung kräftigen. 
Bald mußte man aber erkennen, daß dies nicht der richtige Weg 
war. Denn dieſe Kinder waren nicht in der Lage, den ihnen 
geſtellten Anforderungen einer nur drei- bis vierſtündigen Land- 
arbeit nachzukommen. Heute, na< Einführung der Landjahr- 
pflicht, werden deshalb nur geſunde und rajſij< wertvolle Kinder 
ausgejucht, die in geſchloſſenen Lagern auf dem Lande eingeſegt 
werden. Auf dieſe Weiſe iſt das Landjahr dem Bauern eine 
willfommene Einrichtung geworden. Es iſt keine Einrichtung 
mehr der öffentlichen Wohlfahrtspflege, ſondern eine gejunde 
Schule der Jugendlichen. Wenn auc<h die ungeheuren Schäden 
der Landflucht, die jährlich Hunderttauſende vom Lande in die 
Städte und Induſtriezentren führt, keineswegs durc< das Land- 
jahr behoben werden, [ſo ſind die 33 000 Jugendlichen, die aufs 
Land kommen, immerhin eine wertvolle Hilfe für den Bauern in 
Hof und Feld. Wenn auc die Arbeitszeit von drei bis vier 
Stunden nicht allzu viel iſt, [o kann heute keineswegs mehr auf 
die Einrichtung des Landjahrs verzichtet werden. De 
Die andere Aufgabe des Landjahres, berufslenkend zu 
wirken, darf ebenfalls nicht unterſchäßt werden. Zwar ſind die 
Erfolge heute no< nicht übermäßig groß. Es liegt dies zum Teil 
an dem FFührermangel, zum Teil aber auc< daran, vaß die Land- 
jahrangehörigen ſich hauptſächlich auf die Großſtädte beſchränken. 
Eine Erweiterung der Landjahrteilnehmer auf die Kleinſtädte, 
die ja mit den Bauerntum immerhin no<F ſtärker verbunden 
ſind, würde den Prozentſaß der im landwirtſ<aftlichen Beruf 
Verbleibenden ſicherlich weſentlich erhöhen. Jedenfalls muß das 
Bauertum auh aus dieſem Grunde auf das Landjahr weiterhin 
größten Wert legen. Das, was an Arbeitskräſten in den letzten 
Jahrzehnten dem Bauerntum verlorenging und in die Städte 
abwanderte, kann auf dieſe Weiſe bis zu einem geringen Teil 
wieder gutgemacht werden. Für das Bauerntum iſt heute jede 
junge Kraft von größtem Wert, denn ohne genügend Arbeitende 
auf dem Lande können die großen Aufgaben der Ernährungs- 
ſiherung nicht gelöſt werden. Das Landjahr muß jedenfalls 
heute als die Einrichtung angeſehen werden, die in größerem 
Umfang der Landwirtſchaft brauchbare Lehrlinge aus den Städten 
zuführt. Gelingt es, das Landjahr den Erforderniſſen der 
heutigen Zeit anzupaſſen, dann wird es dazu beitragen, den 
Arbeitermangel auf dem Lande zu beſeitigen.“ - 
- Das Bauernium iſt im neuen Reich als eine der tragenden 
Säulen für Staat und Volksgemeinſchaft feierlich proklamiert 
worden. Die Erhaltung und Schaffung eines geſunden Bauern- 
ſtandes iſt eine der weſentlichen Aufgaben unſeres Staates, und 
wo der Bauernſtand aus eigener Kraft allein das Erforderliche 
nicht ſ<hafſen fann, „da ſpringt der Staat mit Hilfsmaßnahmen 
ein. So ſtellt er bei dem Mangel an ländlichen Arbeitstkräften 
ven männlichen und weiblichen Arbeitsdienſt und ebenſo das
	        

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