Full text: Vom Büchertisch - 1903 (12)

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Seinen geistigen Begitz, ein noch kleinerer Teil wird Sogar 
durch die ungewöhnliche Situation zu erhöhter Lebendigkeit 
und Gewandtheit geführt, die gröſsere Zahl erfährt -- in 
verschledener Abstufuing -- Verwirrung oder Lähmung. Wer 
mit menschlichem Wohlwollen an das Gegschäft herangeht, 
wird vor allem darauf bedacht Sein, nicht einzuschüchtern, 
Sondern vielmehr Mut zu machen, mit leichten Fragen in den 
Prüfungsinhalt hineinführey, alle einigermaſsen richtigen Ant- 
worten anerkennend hinnehmen und Selbst die nur halb 
richtigen nicht tadeln, bei ganz falschen kein Entgetzen zeigen, 
zuweilen ein Bindeglied Selbst geben, um den Prüfling etwas 
zu Atem Kommen zu lassen und der Sache vielleicht geradezu 
den Charakter oder doch den Angchein einer gemeingamen 
Besprechung des Gebietes geben, bei ausbleibenden Antworten 
Sich nicht auf das berührte Teilgebiet versteifen, immer Suchen, 
wo etwas Pogitives zu finden 1ist, auch um auf diese Weige 
ein Gefühl yon Sicherheit zu erwecken. Er wird, wenn 
positive Kenntnisse überhaupt nicht stark Sich zeigen, ver- 
Süchsweise mehr die allgemeine Eingicht prüfen, und wo 
diese gering erscheint, mehr nach positiven Kenntnissen fragen. 
Er wird auch nicht just eine Antwort von ganz bestimmter 
Form verlangen, 80 wie 8Sle ihm gerade Yvorschwebt. Er 
wird niemals Spotten und nie den Prüfling erschrecken wollen, 
Daſs zugleich die technischen Normen beobachtet werden 
Sollen, al8s0o bestimmte und deutliche Fassung der Fragen, 
Nichtsuggerieren der Antworten und das Übrige, versteht sich, 
namentlich die erstere ist hier von gröfster Wichtigkeit. 
Aber freilich. der Examinator hat es nicht bloſs mit 
Schüchternen oder Ängstlichen zu tun, auch nicht bloſs mit 
Begscheidenen und Ehrlichen, Sondern auch mit Oberflächlichen 
und Dreisten, die mit viel verschwommenen Worten und 
Phrasen, mit geschicktem Raten und allerlei Sonstigen kleinen 
Künsten gich durchzuschlagen Suchen, und auſserdem mit 
vielen, die nur eine ganz mechanische Art der Vorbereitung 
aufweigen, mit fertigen Urteilen, mit viel bloſsem Gedächtnis- 
Stoff zu bestehen glauben, oder mit golchen, die auch das 
Gelernte nicht präsgent haben -uind dem Gewuſsten Keinen 
genügenden Ausdruck zu geben vermögen. Hier besteht die 
Kunst des Prüfens denn doch auch im genauen Unterscheiden, 
im unerbittlichen Aufdecken, und auch im moralisch treffenden 
Abwägen. Im übrigen hätten wir von der moralischen Seite 
hier nicht zu reden: daſs nur unedle Naturen die überlegene 
Situation, welche das Prüfungsgegchäft ihnen gibt, herb, herz- 
108, hochmütig ansnutzen werden, braucht kaum gegagt zu 
werden. Die Vorstellungen des Publikums von der Grausam- 
keit, Kleinlichkeit, Unerbittlichkeit der Prüfungen gind be- 
kannt und gind Schwer zu widerlegen. Daſs auch die Ver- 
wöhnten, früh Frivolen, mehr oder weniger Nichtsnutzigen 
dann und wann einmal durch eine kleine Dornenhecke kriechen 
müssen, ist keine üble Einrichtung. -- 
emmmmrtntennt een 
Zeitschriſten. 
Zeitschrift für PhiloSophie und Pädagogik, 
0. Flügel und W. Rein. X. Jabrgang. 
Hermann Beyer & Söhne (Beyer & Mann). 
Jahrganges (6 Hefte) 6 M. 
Inhalt des 6. Heftes: Aufsätze: Experimentelle 
Studien zur Individualpsychologie nach der Additionsmethode. 
Von Marx Lobgien (Schluſs.) -- Der Idealismus als Bildungs- 
und Lebengelement. Von Dr. Rudolf Heine (Schluſs.) 
Mitteilungen: Von der Schleswig-holstelnischen Lehrer- 
vergammlung. Von Marx Lobsgien. -- Zu dem Kampfe gegen 
die Herbartische Pädagogik. -- Über gemeinsame Erziehung 
der Gezschlechter. -- Die Ferien-Kurge in Jena. 
Herausgegeben von 
Langengalza, 
Preis des 
 
 
 
 
 
 
  
Druck und Verlag von Hermann Beyer & 
Besprechungen: 1. Philosophisches: Bergemann, Paul, 
Lehrbuch der pädagogischen Psychologie. -- Überborst, Dr. 
Karl, Das Komische. -- Maydorn, Dr. Bernhard, Wesen und 
Bedeutung des modernen Realismus. -- Veröffentlichungen 
der PhilogophiSchen Gegellschaft an der Univergität zu Wien. 
--“ Damm, Dr. Oskar, Schopenhauers Rechts- und Staats- 
phlosophie. -- Schell, Dr. Hermann, Religion und Offen- 
barung. -- 11. Pädagogisches: Brahn, Max, Experimentelle 
und phySiologiSche Psychologie in der Pädagogik. -- Sey- 
fert, R., PädagogiSch-psychologische Anregungen. -- Lay, W. 
A., Führer durch den ersten Rechennunterricht. -- Göbel- 
becker, L. F., Lernlust, eine Comeniusfibel. -- Rassfeld und 
Wendt, H., Grundriſs der Pädagogik für Lehrerimnen-Bildungs- 
anstalten und zum Selbstunterricht. -- Säurich, Paul, Im 
Walde Bilder aus der Pflanzenwelt. -- Jung, Karl, Zur 
Reform des evangelischen Religionsunterrichts in der württem- 
bergischen Volksschnule, 
Fachpresse: Aus der philogophischen Fachpresse. -- 
Aus der pädagogischen Fachpresse. 
Die Kinderfehler. Zeitschzifi für KinderforSchung mit vesSonderer 
Berücksichtigung der pädagogischen Pathologie. Im Verein 
mit Medizinalrat Dr. J. L. A. Koch und Prof. Dr. theol. 
et phil. Zimmer herausgegeben von Institutsdirektor J. 
Trüper und Rektor Chr. Ufer. VIII Jahrg. Langen- 
Salza, Hermann Beyer & Söhne (Beyer & Mann). Preis des 
Jahrganges (6 Hefte von je 3 Bogen) 4 M. 
Inhalt des 5. Heftes: A. Abhandlungen: BEinige 
Untersuchungen über das Gedächtnis bei Schwachbefähigten. 
Von Marx Lobsien (Schluſs.) --- Ein Beitrag zu dem Kapitel 
»psychopathische Minderwertigkeiten«. Yon Karl Barbier. 
B. Mitteilungen: IV. Verbandstag der Hilfsschulen 
Deutschlands (Schluſs.) -- Probleme der Kindersprache. Von 
Dr. Paul Maas. -- Erziehungs- und Fürgorge- Verein für 
geistig-zurückgebliebene (ScChwachsinnige) Kinder zu Berlin. -- 
IV. Schweizerische Konferenz für das Idiotenwesgen. -- Ein 
taubstummer Gelehrter. -- Die ästhetischen Elementargefühle. 
Von Hermann Grünewald. 
C. Literatur: Sikorsky, Prof. Dr., Die Seele des Kindes 
nebst groſsem Grundriſs der weiteren psychischen Evolution. 
Von Hermann Grünewald. -- Habrich, L., Seminar-Oberlehrer, 
Pädagogische Psychologie. Von Hermann Grünewald. -- 
Sticker, Georg, Prof. Dr. med., Gegundheit und Erziehung. 
Von Ufer. -- Hähnel, Franziskus, Alkoholizmus und Er- 
ziehung. Von Ir. 
Blätter für Haus- und Kirehenmusik. Herausgegeben von Prof. 
KE. Rabich. VILL Jahrgang. Langengalza, Hermann Beyer & 
Söhne (Beyer & Mann). Preis des ganzen Jahrganges 
(12 Hefte ä 16 S. Text und 8 S. Musikbeilagen) 6 M, 
des halben Jahrganges 3 M. 
Inhalt des 9. Heftes: A. Abhandlungen. Hein- 
rich von Herzogenberg. Von Ernst Rabich. -- Der ästheti- 
Sche Wert der Elementargröſgen in der Mugik. Von Elsbeth 
Friedrichs. 
B. Loge Blätter: Johann Christoph Bach. Von Max 
Puttmann. -- Mugikschulen. Von Dr. Hans Schmidkunz. -- 
Über Pius X. und die Musik. -- Musikalischer Teil zu Lilien- 
cerons »Chorordnung« Von DE. R. -- »Jedem das Seine«. 
C. Monatliche Rundgschau: Berichte aus Berlin, 
München, kleine Nachrichten. 
D. Besprechuvnrgen: Neue Werke für Orgel. 
E. Mugikbeilagen: Arie für Violine und Klavier (oder 
Orgel). Vou Johann Michael Haydn. -- In questa tomba. 
Von Laurevz Schneider. -- Des Kindes Abendgebet. Von 
R. Thoma. -- Pgsalm. Von Bruno Stein. 
Söhne (Beyer & Mann) in Langengalza.
	        

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