Full text: Vom Büchertisch - 1905/1906 (15)

VoM BÜCHERTISCH. 
MNonatsbeilage zu den Deutschen Blättern für erziehenden Unterrieht, 
Herausgegeben von “ 
 
 
 
 
 
Februar, 1906. FRIEDRICH MANN. Nr. 5. 
Inhalt: Zur Literatur des deutschen Unterrichts, Lüttge, Ernst, Die Praxis des Rechtschreibunterrichts. - Zur Literatur des erdkund- 
lichen Unterrichts Fritzsche. Richard, Methodisches Handbuch für den erdkundlichen Unterricht. Rechts und links der Eisgenbahn! -- Zur Literatur 
der Kungt. Beethoven und Wagner, Meigterbilder. 
Zur Literatur des deutschen Unterrichts. 
Besprochen von ZZ. Grosse, Halle a/S. 
Lüttge, Ernst, Die Praxis des Rechtschreibunterrichts 
auf phonetischer Grundlage. Vollständiger Lehrgang in Unterrichts- 
beispielen, nebst Diktaten in Aufsatzform, Leipzig, Ernst Wunder- 
lich, 1905. (IX u. 217 S.) Preis 2,40 M. 
Die neue Schrift des VerfasSers, der auf dem Gebiet der Methodik 
des deutschen Unterrichts mit Erfolg tätig ist, will den Rechtschreib- 
unterricht auf eine phonetische Grundlage stellen, d. h. die Er- 
lernung des Rechtschreibens auf richtiges Sprechen und genaues 
Unterscheiden der Laute gründen. Sein Verfahren unterscheidet 
Sich hanptsächlich in drei Punkten von dem meist üblichen: 
1. Der schriftlichen Vorführung und Einprägung eines Wortes 
gehen immer erst Sprechübungen voraus, die dem Schüler den 
Lautbestand des Wortes zum Bewußtsgein bringen Sgollen. 
2. Die Schüler werden von Anfang an mit Kongequenz daran 
gewöhnt, die Schriftliche Form des Wortes, 80weit es die geltende 
Orthographie gestattet, aus der lautlichen gelbständig abzuleiten, 
alles Rechtschreiben als eine bewußte Lautdarstellung zu voll- 
ziehev, 
3. Die Rechtschreibübungen behandeln den Kindlichen Wort- 
Schatz in planmäßiger Folge vom Leichten zum Schwereren und Suchen 
die verwirrende Mannigfaltigkeit der neu auftretenden Schriftbilder 
zu vermeiden. 
Verfasger möchte durch geinen Beitrag zur Methodik des Deutsch- 
unterrichts dahin mitwirken, daß auch im Rechtschreibunterricht der 
Sprachlaut ais das Erste und Wegentlichste der Muttersprache ge- 
würdigt werde, und daß man immer mehr Ernst mache mit der 
Forderung Hildebrands! »Auf allen Stufen des Unterrichts gind Ohr 
und Mund als Hauptträger der Muttersprache zu behandeln, Auge 
und Hand in die ihnen gebübrende dienende Stellung zurück- 
Zu verweisen,« 
Die Schrift zerfällt in drei Teile mit folgendem Inhalt: I. Zur 
Psychologie und Methodik des Rechtschreibunterrichts, 
do. 1-34. I. Die Praxis des Rechtschreibunterrichts, 
S. 34-176. JIL. Diktatstoffe. Die theoretischen Erörterungen 
im ersten Teil machen den Lehrer mit den befolgten metbodischen 
Grundsätzen bekannt. Es wird das Rechtschbreiben und Seine Er- 
lernung als psychologischer Vorgang betrachtet, es werden die ortho- 
graphischen Fehlertypen nach ihren psychologischen ÜUrgachen erörtert, 
das naturgemäße Lehrverfahren im Rechtschreibunterricht 8owie das 
Ziel dessgelben gezeigt. Verf. entwickelt die wichtigsten methodischen 
Grundsätze für ungern Unterricht, führt die wichtigsten orthographischen 
Übungen vor und verbreitet eich über Auswahl und Anordnung des 
Lehrstoffs und über Fehlerverbesgerung und Wiederholungen. 
Der praktische Teil zerfällt in einen Hauptkurgus für das 2. bis 
4. Schuljahr, in dem das Charakteristiseche des Verfahrens deutlich 
erkennbar ist (8. 34-140), und in einen Ergänzungskurgus für das 
5,.-- 8. Schuljahr (8, 141--176). Die Diktatstoffe im dritten Teil gind. 
von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht nach orthograpbischen Ge- 
gichtspunkten zugeschnitten, da gie nicht der Einübung einer be- 
gtimmten Regel, Sondern der Wiederbolung und Anwendung alles 
früher Behandelten dienen ollen. Deshalb wurden gie in der Haupt- 
gachbe der besgeren Legebuchliteratur entyommen und können als 
Stilistische Musterstücke gelten. In praktischer Weise ist ia Klammer 
über jedem Stück angegeben, welchem Teil der orthographischen 
Unterweisung das betreffende Diktat dienen goll. 
 
 
 
Das Neue Testament, -- Zeitschriften. -- Neu erschienene Bücher. 
Zur Literatur des erdkundlichen Unterrichts. 
Besprochen von ZL. G7088Se, Halle a/S. 
Fritzsche, Richard, Bürgerschullehrer in Altenburg, Methodisches 
Handbuch für den erdkundlichen Unterricht in der Volks-, 
Bürger- und Mittelschule. Nach den Grundsätzen der vergleichenden 
Erdkunde und den Forderungen der Herbartischen Pädagogik. 
1. Teil: Deutsches Reich. Mit 17 Kartenskizzen. Dritte, 
durchgesehene Auflage. Langensalza, Hermann Beyer & Söbne 
(Beyer & Mann), 1905. (XII u. 401 8.) Preis brogch. 4,50 M, 
eleg. geb, 5,70 M. 
Verfagser vergucht, den erdkundlichen Unterrickt gemäß den 
| Forderungen der geographischen Wisgenschaft, der neueren Pädagogik 
und des Lebens zu gestalten. Der Zweck Seines Buches ist, den 
Schülern nicht nur zu einer einfachen Kenntnis der Eigenart der 
einzelnen Erdräume und ihrer Bewohner zu verbelfen, Sondern ihnen 
auch das Verständnis der geographischen Erscheinungen zu erschließen 
und eine Eingicht in die Grundlagen der mensgchlichen Kultur zu 
verschaffen , damit sie die wirtschaftlichen Verhältnisse richtig er- 
fasgen und verstehen lernen und vorbereitet werden für das praktische 
Leben. Verfasger hat aich demnach nicht begnügt mit der Dar- 
Stellung der politiechen oder statistischen Verhältnisse eines Landeg 
und bat aich andrergeits auch nicht beschränkt auf die phySgische 
Geographie; vielmehr ist das kulturelle Moment in den Mittelpunkt 
der Betrachtung gerückt und die Erdkunde zur Kulturgevgraphie 
umgestaltet worden. Er zerlegt das deutsche Reich in eine Anzahl 
natürlicher Gebiete oder Landschaften, die er anschaulich vorführt 
und deren Darstellung ihm überall Gelegenheit bietet, Sich an die 
Eingicht und Urteilskraft der Schüler zu wenden und durch Be- 
gründung, Folgerung, Vergleich und auf Grund des Kartenbildes die 
Ergebnisse zu gewinnen. Diese werden dann in Rückblicken oder 
mit Benutzung von Kartenskizzen, die im Buch reichlich vorhanden 
Sind, zusammengefaßt und zu einer Charakteristik der einzelnen 
Landschaft Sowohl, als auch eines größeren Erdraumes aufgebaut. 
Die Erarbeitung der Landschaftsbilder 80owohl wie auch der Land- 
Schaftscharakteristiken geschieht nicht durch bloße Begechreibung, 
Sondern durch Anwendung der entwickelnden Lehrform und die stete 
Betovung des kaugativen Moments, Die Hervorkehrung des inneren 
Zusammenbangs bedingt es, daß die Aufmerksamkeit der Schüler aucb 
auf den geologischen Bau der einzelnea Landschaftsgebiete gelenkt 
werde. Der Stoff ist in folgender Weise gegliedert: 1. Die Land- 
Schaften und Staaten Süddeutschlands (S. 1--127). -- 2, Die Land- 
Schaften und Staaten Mitteldeutschlands (S. 128-273). -- 3. Die 
Landschaften und Staaten Norddeutschlands (8. 274-358). -- 4. Das 
deutsche Reich (S8. 359--401). 
Die Präparationon Sind nieht für eine bestimmte Art von Schulen, 
noch für eine bestimmte Altersstute berechnet, Sondern wollen allen 
Schulen dienen; gie wollen auch nicht des Lehrers Arbeit überflüggig 
machen oder desgen methodische Freiheit beschränken, gie gollen aber 
Anregungen geben und Handreichung für die Vorbereitung auf den 
erdkundlichen Unterricht bieten. Das hier aufgespeicherte Material 
iSt gehr reichhaltig, und für die Volksschule wird man auszuwählew 
haben. Am Ende jedes größeren Abschnittes gelangt auch die 
politische Geographie zu ihrem Recht. Den Schluß bildet eine Reihe 
anregender ZugammenfasSungen, die auf der Oberstufe mit Nutzen 
zu brauchen aind. Wer die Geographie ungeres Vaterlandes unter 
der Anleitung des Verfaggers betreibt, wird bald mit geinem Unter- 
richt und desgen Ergepnisgen zufrieden Sein. Nach meinem Urteil 
würde das treffliche Buch durch Kürzungen, die es hier und da wohl
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.