Volltext: Vom Büchertisch - 1907/1908 (17)

Witzmann, Präparations-Entwürfe zu den Gleichnissen 
Jesu. Dregsden, Bley] & Kämmerer, 1906. Preis 1! M. 
Die Gleichnisse Jesu gind diejenigen Stücke aus Jesu Lehre, die 
für die Jugend ganz begonders passen. Leider werden gie oft durch 
ein übel angebrachtes Ausdeuten der Züge bis ins einzelste »zu Tode 
geritten«. Von dieser Art hält sich Verfasser bewußt fern. Aus- 
gesprochenermaßen geht aber Verfasger in Ausdruck und Gedanken- 
gehalt über das Niveau der Volksschule hinaus. Trotzdem ist das 
Buch durchaus zu empfehlen, um für den 80 wichtigen Stoff eine 
angemesgenere Behandlung berbeizuführen. 
Zur Literatur des Deutschunterrichts. 
Besprochen von ZL. Grosse-Halle. 
'Günther, R., Neuhochdeutsche Sprachlehre für Prä- 
parandenanstalten. Zweite, verbesgerte Auflage. Leipzig, Dürr, 
1905. 149 8. Preis 1,60 M. 
Das Hilfsmittel zeichnet Sich durch BeSchränkurg »auf das für 
den richtigen Sprachgebrauch und für die Bildung des Sprach- 
verstän dnisges Notwendige« vorteilhaft aus. Sodann ist hingichtlich 
der Behandlung auf Anschaulichkeit, Deutlichkeit und Übergichtlich- 
keit die größte Sorgfalt verwandt worden. In der Satzlehre ist Verf. 
meist den Reformvorschlägen FE. Kerns gefolgt. in der Wortlehre 
wurde der Schwerpunkt auf die Förderung des Sprach yverständnisges 
und die Anleitung zum richtigen Gebrauch der Sprache gelegt, ins- 
besondere ist die Wortbildungslebhre augschließlich in den Diengt des 
Verständnisges der Wortbedeutung gestellt. Es wird danach gestrebt, 
die Schüler die Sprache als »einen lebendigen Organismus« erkennen 
zu lassen. Die neue Auflage zeigt mehrfache Verbesgerungen, die 
Satzlehre ist zum größten Teil umgearbeitet worden, Verf. folgt jetzt 
in der Anordnung des Lehretoffes O. Bekagel und L. Sütterlin; 
Übungsaufgaben ind hinzugekommen. 
Schroeder, Otto, Vom papiernen Stil. Sechste, durchgegehene 
Auflage. Leipzig, B. G. Teubner, 1906. VII und 102 8. Preis 
geb. 2 M, geb. 3 MN. 
Das vorliegende Buch braucht nicht gelobt zu werden, es hat geit 
Seinem ersten Erscheinen 1889 die gechste Auflage erlebt, aber gelegen 
und studiert goll es werden nicht von jedermann, wohl aber von 
allen, die berufen gind, ihre Worte zu wägen. Es ist kein Buch zum 
Blättern und Nachschlagen, es will gelegen und wieder gelegen werden. 
Es ist keine Sammlung von Vorschriften und Verboten; es wendet 
gich nicht 80 gehr an den Verstand, als an die feineren Regungen 
der Seele, und deshalb kann es in der Hauptgache nicht veralten, 
wenn auch Kinzelheiten jetzt vielleicht nicht mehr haltbar gind. 
Verſ. erkannte erst nach Erscheinen Seines Buches, daß er in 2. ezide- 
brand gich eines trefflichen Vorgängers erfreute. In deggen Buche: 
» Vom deutschen Sprachunterricht« berührt Sich namentlich eine For- 
derung mit der Seinigen. Sie lautet: »Das Hauptgewicht (im dent- 
Schen Sprachunterricht) Sollte auf die gesprochene und gehörte Sprache 
gelegt werden, nicht auf die geschriebene und gegehene« (3. Auflage 
S. 53). Den Lehrer werden z. B. die Erörterungen über »letzterer, 
dergelbe, derjenige, welcher« (S, 28 ff. u. 49 ff.) besonders interesgieren. 
Nebenbei: »Elementarlehrer« (S. 17) gibt es offiziell jetzt, wie Verf. 
wisgen könnte, weder an höheren noch niederen Schulen; die letzteren 
heißer Volksschullebrer. Zu dem Satz S. 46: »Büchlerstaub und 
Frauen werden hoffentlich einander immer feind bleiben« darf man 
angegichts der studierenden Frauen g8chon jetzt ein Fragezeichen 
machen. 
Michel, Dr. R, und Stephan, Dr. G., Bezirksschulinspektoren, 
Lehrplan für Sprachübungen. Leipzig, B. G. Teubner, 1904. 
IV u. 120 8. Preis ? 
Diese theoretische Schrift, die ein Begleitwort zu einer in gleichem 
Verlag erschienenen Stoffsammlung für Sprachübungen, die uns nicht 
bekannt ist, weicht in manchen Punkten von dem üblichen Betriebe 
des deutschen Unterrichts ab. Die Verf. Sind der Anzgicht, daß der 
jetzt vielfach übliche Weg der grammatischen und orthographischen 
Übungen falsch ist. Man gecbließt gie meist an eigens dafür zurecht- 
gemachte »Sprachstücke« an, d. b. an aufsatzähnliche Gebilde, deren 
einzelne Sätze innerlich loge zusammenhängen und eine bestimmte 
orthographische oder grammatische Erscheinung in den Vordergrund 
 
 
 
ener 
treten lassen. Solche Sprachstücke gind nach den Verf. »eine metho- 
dische Verirrung«; ihre Form ist nicht durch den Inhalt, gondern 
durch andere, nebengächliche Dinge bestimmt, deswegen immer 
Stilietiech mangelbaft. -- Das Heft ist in erster Linie für gSächgiSche 
Volksschulen bestimmt, kaan aber jedem nützen, der auf den unteren 
Stufen deutschen Unterricht zu erteilen hat. Die Verf. verzichten 
auf alle praktisch unfruchtbaren Unterscheidungen, Einteilungen und 
Benennungen, auf allen Formelkram, gie Suchen eine lebensyvolle, 
Selbständige sprachliche Ausbildung der Schüler zu erreichen. Das 
geschieht besonders durch Betrachtungea über die Aussprache, durch 
Übergetzungsübungen und Benutzung des deutschen Sprichworts. 
Lange, Richard, Rektor, Wie steigern wir die Leisturgen 
im Deutschen? Gespräche über den Betrieb und die Methode 
des deutschen Unterrichts in der Volksschule. Leipzig, Dürr, 1905. 
112 S8. Preis 1,40 M. 
Ähnlich den Verfasgern der vorher genannten Schrift, klagt auch 
Lange : »Die große Mehrzabl der Kinder, die aus der Volksschule 
entlassen werden, haben ihr Ziel im Deutgschen, also im Haupt- 
fache, bei weitem nicht erreicht. Sie gind weder im stande, 
orthographisch richtig zu Schreiben, noch grammatiscb richtig zu 
Sprechen oder einen Brief in gutem Deutsch aufzugetzen« (Vorwort 111). 
Die Erkenntnis, daß etwas geschehen muß, um die Leistungen im 
Deutschen zu steigern, veranlagen den Verf., der durch geine Hilfs- 
bücher für den deutschen Unterricht bekannt ist, in geinem Buchs 
einige Umgestaltungsvorschläge zu machen. Sie beziehen zich auf 
den grammatischen Unterricht, Rechtschreibunterricht, Aufsatzunter- 
richt und die Lektüre. Zwei Lehrer und ein Kaufmann unterhalten 
gich über den Betrieb und die Methode des deutftschen Unterrichts 
und erwägen die Verbesserungsvorschläge, Inhaltlich kann man dem 
Verf. im ganzen vollständig zustimmen, und man muß wüngehen, daß 
Seine Gedanken und Anregungen viel Beachtung finden (wie ich lege, 
bat die Mergeburger Regierung die Begsprechung des Buches als 
Thema der diesjährigen Lehrerkonferenzen bestimmt). Einige Proben: 
»Satzanalygen aind für die Sprachliche Ausbildung der Kinder wert- 
los. Die bekannten Verschen für den Gebrauch der Verbältniswörter 
nützen nicht das mindeste; Übung ist die Hauptgache. Auf örtliche 
Fehler ist Rücksicht zu nehmen. Den Kindern ist ein zweckK- 
entsprechendes Sprachübungsbuch in die Hand zu geben. Ich halte 
den Angehluß an das Legebuch für einen pädagogischen Unfug (40). 
Im Rechtschreibunterricht wird der Aussprache eine gehr hohe (viel- 
leicht zu hohe) Bedeutung beigemessen. Die Vorschläge Lays werden 
verworfen. Der Phonetik ist der ihr gebührende Platz einzuräumen 
(66); Strenge Konzentration wird abgelehat. Im Aufsatzunterricht soll 
man nicht mit der Bearbeitung von Unterrichtsergebnissen zufrieden 
gein, Sondern die Darstellung eigener Gedanken verlangen (im dritten, 
und wenn nicht günstige Verbältnisse vorliegen, auch im vierten 
Schuljahre hält Verf, Aufsätze für verfrüht); man kann Themen 
zur Auswahl geben oder die Wahl frei stellen. Weg mit Aufsätzen, 
die alle über einen Kamm geschoren gind (82).« »Die Schüler gelb- 
Ständig zu machen, das 8011 und muß das oberste Ziel des Unter- 
richts Sein« (94). Die Dichtungen müsgen als Kunstwerke behandelt 
werden ; vor allem ist durch die Vorbereitung die »rechte Stimmung« 
herbeizuführen, die darstellende Methode ist eine Verirrung (101), 
der Grundgedanke ist nicht berauszuschälen (vergl. Anthes) ; schon 
vom vierten Schuljahr an ollen »größere, zusammenbängende Schrifften« 
gelegen werden (Schülerbibliothek). -- Die dialogische Form, die 
Verfagger für Seine Schrift gewählt hat, erscheint mir verfehlt, die 
Form der Abhandlung ist viel geeigneter. Oder will man durch die 
Gesprächsform die Lehrer zur Lektüre anlocken ? 
Meyer, Johannes, Rektor in Krefeld, Spiegel neudeutscher 
Dichtung. Eine Auswahl aus den Werken lebender Dichter. 
Mit einer geschichtlichen Einführung und biographischen Notizen. 
Leipzig, Dürr, 1905. 318 8. Preis ungebunden 3 M. 
Das Buch ist ursprünglich zu dem Zweck geschrieben, die 
»früheren Schülerinnen wie die eigenen, der Schule entwachsenen 
Kinder tiefer in die neudeutsche Dichtung einzuführen« (Vorwort 8. 2). 
Verf. berückgichtigt nur die allerjüngste Zeit, etwa die letzten 30 Jahre, 
und wie der Titel gagt, nur »lebende Dichter«. ZV. Nretzeche 
(8. 45 f€f.), Zerm. Conradi (S8. 121) und O. E. Hartleben (8. 207) 
Sind allerdings Schon gestorben, wie der Verf. Selbst angibt, Zartlebenr 
während des Druckes des Buches, Dem Ganzen geht eine 18 Druck-
	        

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