Full text: Pädagogische Reform - 21.1897 (21)

 
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Zugleich Organ der „Lehrervereinigung für die Pflege der künstleriSchen Bildung“. 
Herausgegeben vom Vorstande der Garanten der „Pädagogischen Reform“. 
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Diese Zeitung erscheint jeden Mittwoch; 
Sie ist durch alle Buchhandlungen und durch 
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„In Hamburg-Altona nimmt auch der Verlag 
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XXI. Jahrgang. 
Hierzu eine Beilage. 
 
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NI“ der heutigen No. Schließt das IL. Quartal. 
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Probenummern Stehen auf Wunsch Sehr gern 
gratis und franko zu Diensten. 
Redaktion und Verlag der „Päd. Reform“. 
 
 
Die neue- Methode des 
opthographischen Unierrichtes. 
(Erwiderung an Herrn Möller.) 
(Fortsetzung Statt Schluß.) 
Wir können nunmehr den Vorbehalt, 
mit dem wir oben an den orthographischen 
Unterricht die Forderung stellten, formal 
bildend zu Sein oder, mit andern Worten, 
„aich an die geistige Selbstthätigkeit der Schüler 
zu wenden, fallen lassen, da wir nach- 
gewiegen haben, daß die Natur des Stoffies 
die gedachte Unterrichtsweise in ausgiebig- 
Stem Maße ermöglicht. Wir bemerkten oben 
ferner, daß die in Rede stehende Forderung 
Selbst dann noch aufrecht zu erhalten Sei, 
wenn bei dem ihr entgegenstehenden mecha- 
nischen: „Pauk“verfahren (wovon Herr Möller ' 
uns eine 80 unübertreffliche Probe in Nr. 13 
diesges Blattes gegeben hat) nach außen hin 
blendende Regultate erzielt werden Sollten, 
Daß dies nun bei dem gegenwärtig üblichen 
Verfahren ganz allgemein geschähe, wird wohl 
keiner behaupten, wir alle wissen, .daß wir 
uns bis oben hinauf mit der Orthographie 
zu plagen haben, ausgenommen etwa die 
Schulen mit besonders gutem Publikum und 
die, in denen die Orthographie in den Unter- 
und Mittelklassen (insbesondere durch Zu- | 
weisen einer beträchtlichen Zeit) ganz be- ; 
Sonders forciert wird. Wenn nun eine neue 
Methode Sich ankündigt, die nicht nur der. 
- Natur des Stoffes angemessgen und bildend 
 
Verantwortlicher Redakteur: JusStus Fischer, 
Hamburg-Barmbeck, Heitmannstr. 4. 
Verlag und Expedition: Harro Köhncke, 
Hamburg-KEimsbüttel, Marktplatz 2. 
Commissionar in Leipzig: H. HaesSgel. 
Hamburg, Mittwoch, den 30. Juni 1897. 
iSt, Sondern zugleich verspricht. die Ortho- 
graphie zur Hauptsache in reichlich 3 Jahren 
zu lehren, die OberklasSen Somit von der- 
artigen Übungen bedeutend zu entlasten. S0 
kann man doch nur mit beiden Händen zu- 
greifen. Ob Sich die an diese Methode ge- 
knüpften Hoffnungen erfüllen werden. das 
hingt freilich außer von dem persSönlichen 
Geschick und Kifer jedes einzelnen Lehrers 
und den äußeren Umständen (abnormer Be- 
Schaffenheit einer Klasse etc.) vor allem noch 
davon ab, ob das gedachte Lehrverfahren der 
Natur des Schülers entspricht. Und das wollen 
wir Jetzt untersuchen. 
Da Gehör und Verstand bei unserer 
Methode die wichtigsten Faktoren für die Er- 
lernung der Rechtschreibung Sind. 50 brauchte 
man nur die Ohnmacht dieser beiden Kräfte 
beim Schüler und vielleicht gar noch beim 
Erwachsenen zu beweisen, um damit unsere 
Methode der Unbrauchbarkeit zu überführen. 
Nun wird doch wohl jeder zugeben. daß, 
wenn ich einem nur einigermaßen gebildeten 
Menschen unbekannte Wörter wie etwa heu- 
riSko, basilleus, Unjanjembe, Tulamongongo 
ete. deutlich artikuliert einzeln vorspreche 
mit der Weisung, dieselben genau nach dem 
Gehör aufzuschreiben, er dieselben fehlerlos 
zu Papier bringen wird. Wer daran zweifelt. 
kann ja die Probe machen. Wenn nun Er- 
wachsene dazu imstande Sind, 80 ist der Be- 
weis erbracht, daß das Ohr genaue Laut- 
erfasSung lernen kann. Daß dies Schon Wwäh- 
rend der Schulzeit möglich ist, davon habe 
ich mich durch Experimente bei verschie-. 
denen Schülern überzeugt, indem ich lateinische 
Wörter mit phonetischer Schreibung nach 
Vorsprechen niederschreiben ließ. Die in 
No. 44 und 45 mitgeteilten Resultate meiner 
Diktierübungen findet Herr Möller „recht un- 
günstig“, namentlich im Vergleich zu den 
glänzenden Erfolgen, die bei dem von ihm 
in Nr. 13 empfohlenen excellenten Panuk- 
verfahren erzielt worden Sind. Ich habe nun 
„ine größere Anzahl von meinen Diktaten in 
31 VI (aus den. Jahren 94--95) -- aus- 
venommen die ganz aus dem Rahmen des 
eigentlichen Pensums herausfallenden Übungen 
im Aufschreiben Schwieriger phonetisch dar- 
zustellender Fremdwörter -- an verschiedepben 
Schulen kursieren lasSen und mir ein Urteil 
darüber erbeten: das Urteil lautete überein- 
Stimmend günstig. Ich bemerke, daß die zu 
diesem Zwecke von mir aufbewahrten Zu- 
 
: 4 
Abonnementspreis 4 1,50 pr. Quartal. 
Inzerate (pro Petitzeile 20 44) nehmen alle 
Annoncen-Expeditionen und der Verleger 
entgegen. Für größere Aufträge steht ein 
Ingertionstarif zu Diensten. 
Beilagen werden je vach Umfang berechnet. 
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Xx. ZG. 
 
 
 
 
Sammenstellungen (im ganzen 14 an der Zahl) 
im Mittel eine Durchschnittsfehlerzahl von 
7.66%, ergeben. Besser werden ohne An- 
wendung eines Paukverfahrens nicht leicht 
Diktate in den VI KlasSen ausfallen, am 
wenigsten in Schulen Sehr mäßigem 
Publikum und in Klassen. die für Solche 
Schulen noch als recht mittelmäßige gelten*). 
In meiner Jetzigen Schule. die verhältnis- 
mäßig gutes Publikum hat und darum auch 
in der Orthographie im allgemeinen höhere 
Leistungen aufzeigt, hoffe ich, noch bessere 
Rezultate zu erzielen, obwohl ich von den 3 
mit 
Sechsten Klassen wieder einmal die un- 
günstigste habe. 
Da wir vun den Xachweis erbracht 
haben, daß die Schüler Selbst der nnteren 
KlasSen im Stande Sind, mit genügendem Er- 
folge Wörter nach dem Gehöre aufschreiben 
zu lernen, S0 kann es uns in unserer Me- 
thode nicht weiter beeinflusSen. wenn uns 
- Jemand beweisen würde, daß das duge Sich 
in AuffasSung und Einprägung der Schreib- 
weise kräftiger erweise als das Ohr; denn 
durch Benutzung des Auges können wir 
immer nur die Schreibung eines einzelnen 
Wortes rein gedächtnismäßig merken lassen. 
nie aber eine allgemeine orthographische 
Fähigkeit ausbilden. Daß aber das Auge hier 
im einzelnen Falle bessere Dienste leisten 
Solle, als das Ohr. ist mindestens Sehr in- 
korrekt ausgedrückt. Man Starre doch auf ein 
unbekanntes Wort (z. B. auf ein griechisches. 
wern man auch die griechiechen Buchstaben 
kennt) ohne es zu legen und verSuche, es nur 
nach dem „Wortbild“ aufzusSchreiben. Un- 
möglich. einfach unmöglich! Wenn man nicht 
die (durch LeSen gewonnene) Klangvorstellung 
noch im Kopfe hat, wird man nichts aufs 
Papier bringen. Warum nicht ? Nicht wegen 
der (yon Mohr als Ausgangspunkt Seiner 
Deduktion behaupteten) „Enge des Bewußt- 
Seins“ in dem Sinne, daß die Seele nur 
2. Vorstellungen gleichzeitig haben könnte, 
Sondern deswegen, weil das gesSciiebene Wort 
ein viel kompligierteres Gelrlde 8t, ulis das 
gesprochene; denn der Laut ist bekanntlich 
eine einfache Vorstellung, der Buchstabe da- 
gegen Richt. Anstatt Sich also zu Streiten, 
*) Ich bemerke zugleich, daß, wie ich in meinem 
Aufsatze mitgeteilt habe, die Resultate bei den 
Diktaten des 2. Kursgus etwa diezelben (gelegent- 
lich Sogar noch etwas bessere) waren.
	        
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