fullscreen: Die Mittelschule - 30.1916 (30)

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Geiz und Neid und böſe Luſt -- 
dann nach ſchweren, langen Kämpfen 
kannſt du ruhen, deutſche Bruſt. 
Nicht einmal, gar oft iſt Haß und Argwohn, Geiz und Neid ein Hemmnis 
geſunder Volksentwielung bei uns geweſen. Wie ſind noch kurz vor dem Weltkrieg 
troß 1870 oft Nord- und Süddeutſche verſtimmt gegeneinander geweſen, wie ſind 
insbeſondere die oberen Stände des Volkes und der Arbeiterſtand in hochmütigem 
Proßentum und erbittertem Klaſſenhaß einander entfremdet geweſen, wie haben die 
Anhänger verſchiedener Bekenntniſſe, verſchiedener Parteien einander bekämpft! Da 
kam der Weltkrieg; da erſcholl das herrliche Wort unſres Kaiſers: „Ich kenne keine 
Parteien mehr; ich kenne nur noc< Deutſche!" Und ſein Wort ward die Loſung, 
daß alle, die da hinauszogen, ſich als Kinder derſelben Mutter Germania fühlten, 
brüderlich in Not und Tod zuſammenhielten, daß alle, die daheim blieben, in den 
Vereinen und Privatleben als Brüder und Schweſtern zuſammenſtanden. Denkt 
an das Rote Kreuz, den Vaterländiſchen Frauenverein, den Städtiſchen Hilfs- 
ausſchuß! Seid ihr nicht ſtolz geweſen, auch das Eure am großen, gemeinſamen 
Liebeswerk zu tun: Ihr habt für die Soldaten Strümpfe und Wollſachen geſtrickt, ihr 
habt Metallſachen , Wolle und Kleidungsſtü>e, Obſt und Marmeladen geſammelt 
und ſelbſt geſpendet, ihr habt Liebe8gaben an eure Lehrer und an ſo manche, auch 
oft unbekannte Krieger hinaus ins Feld geſandt. Das große Muß des Krieges, 
der uns allen Sparſamkeit im Brotverbrauch, wie überhaupt in der ganzen Lebens- 
führung vorſchreibt, iſt euch, hoffe ich, eine Schule der Selbſtbeſcheidung, des 
Verzichts auf eigenen Genuß zu Gunſten anderer geworden. Möge dieſer Geiſt 
der Opferfreudigkeit und des Gemeinſinns, das LUnterpfand der inneren Feſtigkeit der 
Volksgemeinſchaft, nie erſtickt werden durch - die Mächte der Selbſtſucht, die in ſo 
manchem gerade auch in Zeiten der Not ſich regen. Denkt an Schenkendorfs 
Mahnung: 
Nimmer wird das Reich zerſtöret, 
Wenn ihr einig ſeid und treu! 
Der Geiſt von 1813 und 1914 iſt endlich auch ein Geiſt der Frömmig- 
keit und des Goktvertrauens. Denkt an Arndts Frage und Antwort: 
Wer iſt ein Mann? -- Wer beten kann 
und Gott dem Herrn vertraut; 
wenn alles bricht, er zaget nicht, 
dem Frommen nimmer graut, 
an Körners Worte in ſeinem Aufruf: 
Es iſt kein Krieg, von dem die Kronen wiſſen ; 
es iſt ein Kreuzzug, '8 iſt ein heil'ger Krieg. 
In feierlicher Weiheſtunde ließen ſich die Ausziehenden damals in den Kirchen 
den Segen zum Kampf auf Tod und Leben geben. Schön ſpricht das wieder 
unſer Körner aus: 
Wir treten hier im Gottes8haus 
mit feſtem Mut zuſammen. 
Uns ruft die Pflicht zum Kampf hinaus, 
und alle Herzen flammen, |
	        
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