Full text: Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen - 1860 (2)

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94) Bezeichnung der nach dem Allgemeinen Land-Recht 
zur Unterhaltung der Elementarſ<ulen Verpflichteten. 
Auf den Bericht vom 9. vy. Mts. erwiedere ic< der Königlichen 
Regierung, daß die Anordnung, nach welcher in W. das Sculholz- 
geld zwiſchen dem Guts- und dem Gemeinde-Bezirk nach der Zahl 
der Haushaltungen getheilt, und demnächſt der auf jeden Bezirk fal- 
lende Antheil von den in demſelben wohnenden Hausvätern nach 
Maaßgabe der Grund = und Klaſſenſteuer aufgebracht werden ſoll, 
mit den Vorſchriften des Allgemeinen Landrechts über die Unterhal- 
tung der Schulen nicht vereinbar iſt. 
Cine Vertheilung der Scullaſten in der projectirten Weiſe 
würde ſich nur rechtfertigen laſſen, wenn die Unterhaltung der Schulen 
den politiſchen Gemeinden obläge, und die leßteren als Glieder der 
Sculgemeinde anzuſehen wären. Dies iſt aber nac< den Beſtim- 
mungen des Landrechts nicht der Fall. Nach demſelben iſt vielmehr 
die Sc<ullaſt nicht eine Communallaſt, ſondern eine gemeinſame Laſt 
der zur Schule gewieſenen Hausväter, und nicht die im Sculbezirk 
vorhandenen Gemeinden, ſondern die vom Staat zu einer Schule 
gewiejenen einzelnen Hausväter bilden die Schulgemeinde, wie dies 
auch von dem Ober-Tribunal in der Begründung des Plenar-Be- 
j<luſſes vom 20. Juni 1853 ausgeführt iſt. Demnach iſt es für 
die Verpflichtung des einzelnen Hausvaters zur Unterhaltung der 
Schule ohne Einfluß, zu welcher politiſchen Gemeinde er gehört. 
Er kommt in Bezug auf die Schule nur als Mitglied der Scul- 
jocietät in Betracht und kann als ſolches nur in gleichem Maaß, wie 
die übrigen Mitglieder der Corporation, zu den Schulbeiträgen nach 
näherer Beſtimmung des 8. 31. Titel 12. Theil I]. Allgemeinen 
Landrechts herangezogen werden. 
IH muß hierna) den Antrag des Rittergutsbeſißers R., das 
Sculholzgeld auf ſämmtliche Hausväter des Schulbezirks ohne Rück- 
ſicht darauf, ob dieſelben dem Guts- oder dem Gemeindebezirk an- 
gehören, nach Maaßgabe der Grund- und Klaſſenſteuer zu vertheilen, 
für geſetzlich begründet erachten, und veranlaſſe Nie Königliche Re- 
gierung, demſelben Statt zu geben. 
Berlin, den 5. April 1860. 
Der Miniſter der geiſtlichen 2c. Angelegenheiten. 
v. Bethmann-Hollweg. 
An 
die Königliche Regierung zu N. 
6291, VU.
	        
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