Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

6 . Zweckmäsgsigste Einrichtung und Verwaltung von Schnlbibliotheken. 
Auch der Ref. von Breslau Joh. G. glaubt, dass, da das unterhaltende 
Moment ein höheren Zwecken dienendes Mittel sei, Unterhaltung nicht als 
gelbstständiger Zweck adoptirt werden dürfe; man komme sonst in Gefahr, 
Bücher aufzunehmen, die nichts als Unterhaltung gewähren. Diese Gefahr 
lägst Sich meiner Ansicht nach durch geschickte Auswahl leicht vermeiden. 
| Ausger und durchgehends neben den genannten Zwecken werden 
noch verschiedene andere angeführt; 80 von Breslau Matth. G.: „Beseitigung 
der Gedankenarmuth, Läuterung des Geschmacks, Anregung der Phantasie, 
Veredlung des Willens“; von Breglau R. z. h. G.: „Veredlung des Verstandes 
und Gemüths, Läuterung des Geschmacks, Einwirkung auf Willen und 
Charakter“; von Bunzlau: „Tüchtigung des Charakters“; von Hirschberg: 
„Veredlung des Charakters“; von Oels: „Ausbildung des deutschen Sprach- 
gefühls und Erzeugung von Gewandtheit im Gebrauch der Muttersprache“ ; 
von Oppeln: „Förderung der gittlich-religiögen Bildung“; von Sprottau: 
„Bildung des Geschmacks und Gemüths, 80wie des mündlichen und schritt- 
lichen Ausdrucks“. 
Erkennt man die erwähnten Zwecke insgesammt an, 80 „wird das In- 
Stitut der Schülerbibliothek auf eine hobe, ja die höchst mögliche Stufe der 
Bedeutung erhoben; ihr Zweck ist dann kein anderer als der letzte und 
höchste der Schule überhaupt, nämlich die echte, wahre Bildung zu erzielen“ 
(Breslau Joh. G.) und gie hat die Aufgabe, die belehrende und erziehende 
Thätigkeit der Schule zu unterstützen und zu ergänzen, „um den vchüler 
einer harmonischen und idealen Bildung zuzuführen.“ 
AuSwahl der Bücner. 
Anus dieger Bestimmung des Zweckes ergeben gich die Grundsätze für 
die Auswahl der Bücher, die, wie Wohlau bemerkt, der wichtigste Punkt 
in der ganzen Verwaltung der Schülerbibliothek ist. Dages Sowohl bei der 
Anschaffung als auch bei der Annahme von Geschenken (Breslau Magd. G., 
Brieg Ref., Glatz, Glogau k., Neisse G., Waldenburg Conf., Wohlau) die 
grögste Vorgicht und Strenge in der Auswahl anzuwenden gsei, dass man 
nie ausger Acht lassen dürfe, dass für die Jugend das Beste gerade gut 
genug ist, wird unter Hervorhebung der grossen Verantwortlichkeit des 
Lehrercolleginms in diesgem Punkte (Lauban) sowie der Thatsache, dass ein 
Buch oft auf eine ganze Lebenszeit einen Menschen gebildet oder verdorben 
hat (Wohlau), mehrfach ausdrücklich betont. Dabei weist Glatz darauf hin, 
dass „ein schlechtes Buch aus der Schülerbibliothek viel mehr Unheil wirkt 
als ein gleich schlechtes, welches auf anderem: Wege dem Schüler in die 
Hände kommt, da die Autorität des Lehrers, der dem Schüler das Buch 
übergibt, dem Inhalt desselben in den Augen des Schülers mehr Bedeutung 
verleiht.“ Jene Vorgicht nun erbheischt, dass kein Buch in die Bibliothek
	        

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