Volltext: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

Zweckmäsggigste Einrichtung und Verwaltung von Schulbibliotheken. 9 
Romane. 
Ungefähr die Hälfte der Gutachten äusggert Sich über die Frage, ob 
für die Schüler der oberen Klassen Romane und Novellen in die Bibliothek 
aufzunehmen geien. Diese Frage wird von keiner Seite unbedingt verneint; 
einige wollen die Aufnahme nur gestatten; von den meisten wird gie mehr 
oder weniger bestimmt empfohlen. Glogau ev. und k., Hirschberg, Katto- 
witz, Leobschütz Ref., Liegnitz R. A., Wohlau wünschen ausdrücklich nur 
oder begonders Solche Romane aufgenommen zu gehen, die auf wahrer bisto- 
rischer Grundlage beruhend, einzelne Geschichtsepochen eines Volkes veranschau- 
lichen und das culturhistorische Interesse und Verständniss fördern, 80wie „für 
einen edlen Stil das Muster abgeben können“ (Glogau ev.). Am eingehendsten 
behandeln die Romanlectüre die Referenten von Breglau Job. G. und Brieg. Der 
erstere gelangt, indem er entwickelt, dass die Romanlegerei Sinn, Verständnigss 
und Interesse für die Wirklichkeit ertödte und auf die Charakterbildung von 
geringem, ja oft schädlichem Einflusse sei, dagegen Gefühl und Phantagie 
In eine passivische Reizung vergetze, zu dem vSchlusse, dass Romane nur zu 
litterar-historisch-ästhetischen Zwecken anzuschaffen geien. Auch der Brieger 
Ref. verhebhlt Sich nicht, dass die Romanlectüre recht verderblich wirken 
kann. „Die Jugend,“ gagt er, „hat für diese Lebensbilder keinen Massstab 
und vergisst nur zu leicht, dass der Roman nur Dichtung ist. Sie nimmt 
Jeue Häufigkeit und Leichtigkeit des wunderbaren Zusammentreffens der 
Umstände als selbstverständlich an und hofft für Sich auf irgend einen glück- 
lichen Zufall, welcher die eitlen Wünsche ihrer weitreichenden Phantagie 
verwirklichen oll.“ Allein trotz dieger Nachtheile entscheidet er sich unter 
Zoustimmung des Corr. und der Conf. dafür, dass die Bibliothek der Prima 
auch Romane enthalte, da bei der Erbärmlichkeit und Verderblichkeit der 
meisten heutigen Roman-Fabrikate der Jugend bessere Waare als Gegengift 
geboten werden mügsse, da ferner diese aus manchen Romanen, namentlich 
aus den auf umfassgenden culturhistorischen Studien beruhenden, viel Nützliches 
lernen könne, und da endlich der Niederschlag des gesammten Denkens und 
Empfindens ungerer Zeit ſast ausschliesslich in den bessgeren Romanen zu 
finden geil. Auch meiner Ansicht nach wäre es eim Unrecht, der reiferen 
Jugend einen Litteraturzweig ganz vorzuenthalten, in dem alle ungere Zeit 
bewegenden Ideen, alle welthistorischen Ereignisse und Erscheinungen heut- 
zutage vorwiegend ihren Ausdruck finden. 
Hingichtlich der Auswabl schliessen Sich mehrere Referenten eng an 
den Ellendt'schen Katalog (8. 0.) an; andere empfehlen besonders Scott 
(Reichenbach in der Bearbeitung von König), Freytag (desgen „verlorene 
Handschrift“ Jauer gegen Ellendt's Ansicht aufgenommen wisgen will), 
Scheffel, Dahn, Ebers, Alexis, Bulwer, Boz, Cooper; vereinzelt werden 
genannt Immermann, Auerbach, Reuter, Stifter, Höfer, Mügge, Schücking,
	        

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