Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

140 Vierte Sitzung. 
die Zeit verdoppelt werden, ohne dass man wisse, ob die Fehler, welche 
begangen würden, verbessert würden. Sollte nicht die Art des Examens 
vielmehr an den ungünstigen Erfolgen schuld gein? Für die vielen Sorgen 
und Mühgsale des Lehrerberufs Sei in der kürzeren Vorbereitungszeit doch 
wenigstens ein geringes Aequivalent, auf welches man nicht 80 ohne Weiteres 
verzichten golle. 
Auch Reisacker erklärt in Erwägung der verschiedenen, bisher ausge- 
Sprochenen Ansichten, von denen die einen für ein halbes, einige für ein, 
andere für zwei Jahre wären, es gei das Beste, an dem einen Jahre fest- 
zuhalten. Junge strebeame Männer, die tüchtig zu werden versprächen, 
- Selen nicht unmnöthig zurückzuhalten. Wer sich nicht bewähre, bleibe ja 
thatsächlich, weil ohne Anstellung, in der Probezeit. Sollten weniger 
Tüchtige noch ein zweites Jahr aufgehalten werden, 80 hätten gie, wenn gie 
als Lehrer mit voller Stundenzahl beschäftigt würden, doch nicht Musgse, 
noch für ein Examen zu arbeiten. 
Meyer hält eine Bestimmung für bedenklich, nach welcher es Junge 
Lehrer verlangen dürfen, im zweiten Jahre angegstellt zu werden. 
Stein stimmt Volkmann darin bei, dass für die Nothwendigkeit 
zweier Jahre noch kein Beweis geführt 8ei; es Sei zwar Schwer, eine Grenze 
festzustellen; doch sei ein Jahr ein geschlosgener Lehrcursus, ein Jahr gei 
also genügend. 
Krüger bemerkt, dass die Ausbildung auf der Univergität nur eine 
wisgengschaftliche 861. Darum sei vor definitiver Anstellung ein längerer 
Zeitraum der praktischen Ausbildung zu widmen. Es werde dadurch ein 
Stillstand der Lehrer verhindert, die, wenn gie zu früh definitiv angegtellt 
würden, nach geiner Erfahrung es unterliesgen , an ihre Weiterbildung zu 
denken. 
Dagegen betont Heine die Bedürfnissfrage. Candidaten, frisch von 
der Universität kommend, mügssten schon eine volle Lehrerstelle vertreten. 
Auch gsei, wenn der Mangel an Lehrern aufhöre, zu bedenken, dass das 
Probejahr noch keinen Anspruch auf Anstellung begründe. Die Anzgicht 
von Krüger scheine ihm pegsimistisch. 'Ein Jahr ändere darin nichts. 
Die Lehrer würden nur in der Vorausgetzung angestellt, dass sie Stets weiter 
arbeiteten. Nur wer das thue, könne ein ordentlicher Lehrer zein. 
In gleichem Sinne bemerkt Volkmann, wenn nach Krüger die 
wisSenschaftliche Vorbildung der Univergsität angehöre, 80 gehöre dahin auch 
die Theorie der Pädagogik und Didaktik. Habe er vorber in Rücksicht auf 
die praktische Vorbereitung jeden thatsächlichen Beweis dafür vermisst, dass 
ein Jahr nicht ausreiche, 80 vermisse er jetzt den Beweis dafür, dass z wei 
Jahre ausreichten, um der ausgesprochenen Befürchtung entgegenzutreten.
	        

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