Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

144 Yierte Sitzung. 
Müller (Breslau) empfiehlt Reisacker's Antrag; er ist gegen die 
Speciellen Bestimmungen des Referats im Interesse der Individualität der 
Lehrer und auch des Directors. Es geien nicht alle Lehrer Musterlehrer; 
der Candidat könne aber von dem Director darüber nicht genau im Kenntniss 
gegetzt werden. Der Director müsse also freien Spielraum haben, um zu 
entscheiden, bei welchen Lehrern, in welchen Klassen und in welchen Fächern 
der Candidat zuerst hospitiren olle. Beim Mathematiker könne man z. B. 
viel Methode lernen. 
Hasper findet den Unterschied in den verschiedenen Anträgen nicht 
Sehr gross. 
Lindner ist gegen zu grosse Ausdehnung des Hospitirens von Anfang 
an. Erst durch das praktische Ueben komme der Lehrer zum Bewugstsein 
der Schwierigkeit der zu lögenden Aufgabe. Erst später könne er den 
Organismus der ganzen Anstalt kennen lernen. Durch zu vieles Hospitiren 
zu Anfang erhalte der Candidat ein wirres Bild. 
Güthling ist dergelben Angicht. Der Candidat sehe und höre zu 
Anfang nicht, wenn er hospitire, ohne vorher unterrichtet zu haben. 
Nachdem gsich Steinvorth in gleicher Richtung ausgesprochen hat, 
erklärt der Referent, er habe ein concretes Bild über die Ausbildung des 
Candidaten entwerfen wollen. Er gei gern bereit, eine knappere Fassung 
anzunehmen. Dem von Reigacker für den Anfang empfohlenen allgemeinen 
Hospitiren stimme er nicht bei: es sei natürlicher, erst in einem kleineren 
Kreise zu hospitiren und von diesem zu einem grösgeren überzugehen, als 
umgekehrt. Die halbjährige Dauer des Hospitirens Scheine ihm, wie der 
grossen Mehrzahl der Berichte zu hoch: es sei höchstens eine vierteljährige 
Dauer zuzugestehen. Gegen Rhode halte er aufrecht, dass trotz der Ver- 
eidigung des Candidaten ein Anderer, hier der Director, resp. der Fachlehrer, 
verantwortlich bleiben könne, welcher Febler abstellen müsse, wo sie ihm 
bekannt werden. 
Rhode will nun blos die Streichung der Worte „für den Unterricht.“ 
Der Referent nimmt geine Fassung in Schutz; dem Fachlehrer 
würden ja die Fehler selbst nicht imputirt werden. 
Der Vorgitzende ändert in geinem Antrage den Ausdruck „ein 
halbes Jahr“ in „ein viertel Jahr“. 
Da der Referent für die einzelnen Worte in gseinen Thesen nicht 
eintreten will, 80 wird zunächst über den Antrag des Vorgitzenden 
abgestimmt. 
Dergelbe wird von der Majorität angenommen, wodurch die oben 
erwähnten Amendements von Rögner, Beisert und Reigacker ge- 
fallen gind.
	        

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