Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

148 Vierte Sitzung. 
Der Correferent bezieht sich zur Begründung Seiner These 15a, b 
auf gein Correferat und macht darauf aufmerksam, dass in dem neuesten 
Werke von Schrader die Nothwendigkeit einer zweiten Prüfung ausführlich 
motivirt geil. Bestehe eine fachwissenschaftliche Prüfung, 80 sei auch noch 
eine praktische nöthig. Auf Grund des Zeugnisses eines einzigen Mannes, 
des Directors, einen Lehrer anzustellen, sei selbst bei wohlwollender Be- 
urtheilung misslich. Jetzt liege allein in der Gewalt des Directors die Ent- 
Scheidung über das Schicksal des Candidaten, wenn nicht gerade der Schul- 
rath den Candidaten kenne. In jedem anderen Stande werde die Anstel- 
lungsfähigkeit durch eine Commission von Fachleuten zuerkannt. 
Der Referent ist der Angicht, die bisherige Art sei genügend. Es 
müsse ja der Director das Zeugniss mit dem Ordinarius und den Fachlehrern 
vereinbaren, das Zeugniss liege also nicht in der Hand eines Mannes. So- 
dann habe das Provinzial-Schulcollegium die Möglichkeit eimer Correctur. 
Dass eine Solche thatsächlich eintrete, dafür beruft er sich auf das Zeugniss 
des Vorsitzenden. 
Meffert hält eine praktische Prüfung für eine Fiction. Der Grad 
der praktischen Brauchbarkeit sei durch eine Prüfung, die doch theoretisch 
werde, nicht festzustellen. Wenn der Director für befähigt gelte, den Can- 
didaten zu instruiren, 80 müsse man auch zu seinem Urtheile ein gutes Zu- 
trauen haben. 
Krüger beruft gich auf die Erfahrungen Schraders. Er hofft, dass 
durch eine zweite Prüfung die Leistungsfähigkeit der Lehrer sich heben 
werde. Uebrigens sei eine zweite Prüfung kein novum. In Kurhessen habe 
eine golche früher mit Segensreichem Erfolge bestanden. 
Müller (Breglau) hält sämmtliche Examina für nothwendige Uebel. 
Es komme nur darauf an, dass man zich ein Urtheil über den Betreffenden 
verschaffe. Der Director, welcher den Candidaten ein Jahr lang beobachtet 
habe, werde ihn besser kennen, als eine Prüfungscommission. 
Volkmann ist gegen die zweite Prüfung, wie vorher gegen ein 
zweites Probejahr. Der jetzige Modus sei jedenfalls nicht eher zu ver- 
werfen , als bis bewiesen werde, dass derselbe nicht ausreiche. Auch 
bemerke er, dass unter den Zeugnissgen, die er ausgehändigt habe, die 
überwiegende Mehrzahl mit dem- Zugatz vergehen sei „auf Grund des 
Urtheils des Directors und eigener Wahrnehmung des Provinzial-Schul- 
collegiums“. 
Fickert bemerkt, dass das ganze Probejahr eine Prüfung sei vor 
den Augen des Directors, des Ordinarius und des Fachlehrers. Dem Zeug- 
nisse über dieses Prüfungsjahr gegenüber könne ein Examen von wenigen 
Stunden nicht massgebend Sein.
	        

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