Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

156 Fünfte Sitzung. 
regelmägsigen, die Arbeit der Schule ergänzenden, häuslichen Thätigkeit der 
Schüler; ganz entbehren könne die Schule dieselbe nicht, wenn gie das ihr 
gesteckte Ziel erreichen gsoll. Diese Thätigkeit habe den Zweck, das 
Wissen des Schülers zu vertiefen und zu sichern und ihn in der Anwendung 
des Gelernten zu üben. An dieger für die intellectuelle, wie für die gitt- 
liche Entwickelung der Schüler gleich wichtigen häuslichen Thätigkeit nehme 
an gich Niemand Anstoss. Nur gegen das Uebermass richten gich die 
Klagen. Ein Solches würde eintreten, wenn keine Zeit bliebe zu ausreichender 
Bewegung im Freien, zum Verkehr in der Familie, zu einer freigewählten 
Beschäftigung oder Lectüre, überhaupt zu genügender geistiger und leib- 
licher Erholung. Wenn auch ein zum Verzicht auf Erholung nöthigendes 
VUebermass während der Schulzeit nicht immer schädliche Folgen für Ge- 
Suündheit und Frische habe, 80 würden dieselben doch nach der Schulzeit 
Sicher eintreten; gie würden gich jedenfalls zeigen in vorzeitiger Erschöpfung 
der geistigen Krait und in Lähmung der Productivität. 
Die Schule habe keim Recht die Schüler 80 weit in Anspruch zu 
nehmen. Redner will nun untersuchen, ob zur Erreichung der vorgegschrie- 
benen Ziele ein Solches Uebermass von häusglicher Arbeit gefordert werden 
mügse und ob die jetzt an den höheren Schulen in dem Punkte geltende 
Praxis eine missbräuchliche sei. -- Er geht über zu einer Aufstellung der 
für die einzelnen Klassen erforderlichen durchschnittlichen Arbeitszeit, in der 
Schüler von mittlerer Begabung das nöthige Arbeitsquantum ohne Schaden 
absolviren könnten; dies lasse sich sehr wohl berechnen. Die folgenden 
Zahlen gelten am Gymnasium zu Gross-Strehlitz. 
In den unteren Klassen mügsse und könne fast Alles in der Lehyr- 
Stunde absolvirt werden; es werden nur einige Vebungen im gauberen und 
Correcten Schreiben und das Memoriren einiger aus dem Unterricht bereits be- 
kannter Dinge der häuslichen Arbeit vorbehalten bleiben. Speciell im Latein 
mügse das grammatische Pensum in der Klasse dem Schüler klar gemacht 
werden, für die häusliche Arbeit bleibe nur die Anfertigung der gewöhn- 
lichen Exercitien, das Memoriren von Vocabeln und der Paradigmen übrig: 
das könnten auch mässig begabte in wöchentlich vier Stunden leisten. Der 
deutsche Unterricht stelle in Sexta sehr geringe Anforderungen; die vier- 
zehntägige Arbeit erfordere auch bei sauberer Ausführung nur zwei Stunden, 
also wöchentlich durchschnittlich eine Stunde, desgleichen das Memoriren 
von Gedichten eine Stunde, zusammen höchstens zwei Stunden. Für 
Religion werden wöchentlich 1'/,, Geographie 1, Rechnen 1, Naturkunde 
'/, Stunde angegetzt. In Summa 10 Stunden wöchentlich oder täglich im 
Durchschnitt ca. 1!/, Stunden. Diese Zahlen reichen erfahrungsmägssig aus. 
Dazu Kommt in Quinta noch Franzögich mit 1!/, Stunden Hausgarbeit, 
in Summa 11", also täglich im Durchgchnitt ca. 2 Stunden. -- Eine 80
	        

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