Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

158 , Fünfte Sitzung. 
geiner Abiturienten im Auge behalten. Nach geinen Erfahrungen und nach 
dem Urtheile vieler von ihm darüber gehörten Schulmänner könne er obige 
Frage verneinen. 
Für einzelne kränkliche Schüler möge jenes Mass zu gross Sein. 
Dafür könne aber die Schule nicht verantwortlich gemacht werden. Bine 
eingeitige Berückgichtigung der körperlichen Ausbildung liessen unsere Cultur- 
verhältnisse nicht zu. Eine tägliche geistige Anstrengung von 8 bis 9 
Stunden gefährde die körperliche und geistige Entwickelung des 17 bis 
20 jährigen Jünglings nicht; dies Arbeitsmass 8ei vom sanitären Standpunkt 
aus zulägsig, vom pädagogischen 80gar unentbehrlich; ohne dasselbe könne 
die Schule ihren erziehenden Zweck, Gewöhnung an pünktliche Pflicht- 
erfüllung und geregelte Arbeit, nicht erreichen. Die Arbeit mügsse dem 
Ernst der Sache entsprechen und die Kraft energisch in Anspruch nehmen 
und dürfe kein Spiel sein. 
Nachdem nachgewiesen, dass in der Organisation und Lehrmethode 
der höheren Schulen keine Veranlassung zu Klagen über Ueberbürdung 
liege, geht Redner über zur Beantwortung der Frage, woher die öfter ge- 
hörten Klagen rühren. Diegelben geien: 
1. Ausdruck einer falschen Humanität, die Sich gegenwärtig 
auch auf anderen Gebieten geltend mache. Man bedauere den Schüler, als 
ob die Arbeit eine Tortur 8ei, zu welcher die Willkür eimer pedantischen 
Schulordnung ihn verurtheile, und nicht vielmehr eine ebenso nothwendige, 
wie gern geübte Bethätigung der wachsenden Kraft. Diese krankhafte 
Richtung gei erst in neuerer Zeit hervorgetreten, wie die Verfügung vom 
29. März 1829 zeige, die für die Schüler der oberen Klassen eine fünf- 
Stündige häugliche Arbeit täglich nicht für zu viel halte, für die der unteren 
eine dreistündige. 
2. Die Richtung der Zeit auf materiellen Erwerb und 
Genuss irage zu falscher Beurtheilung der Schuleinrichtungen beiL Wer 
den Werth jeder Thätigkeit nach dem unmittelbaren materiellen Nutzen 
megse, erkläre die Arbeit der Schule für unnütze Ueberlastung. Wenn 
Schüler Solche Grundsätze aussprechen hören, werden gie zu dergselben 
Lebensanschauung verführt; Sie werden irre an der Berechtigung der Schul- 
forderungen und empfinden die Arbeit dann als eine drückende Last. 
Diese aus der herrschenden Zeitrichtung herstammenden Klagen er- 
weigen ich als unberechtigt. Doch sei nicht zu leugnen, dass wirklich 
Veberbürdung eintreten könne. Das oben für die einzelnen Klassen 
aufgestellte Mass stelle das äusserste Mass dar, über welches nicht hinaus- 
gegangen werden dürfe; es liege aber die Gefahr nabe, dass die Grenze 
bisweilen überschritten werde.
	        

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