Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

Veber Veberbürdung der Schüler mit häuglicher Arbeit, 159 
Dieser Fall könne eintreten: 
1. bei Missgriffen einzelner Lehrer, 
2. bei mangelhafter Beschaffenheit des Schülermaterials, 
3. durch anderweitige Inanspruchnahme der Schüler. 
ad 1. Ungegechick oder zu grogser Eifer einzelner Lehrer könne zur 
Veberbürdung führen. Manche Lehrer fasgen den Standpunkt der Schüler 
zu hoch; schwere mathematische Constructionsaufgaben, Aufsätze über fern- 
liegende Gegenstände u. A. können eine arge VUeberbürdung herbeiführen, 
ohne dass die betreffenden Lehrer es gelbst fühlen, und ohne dass das 
Vebel gich aus dem Klassenbuch gofort constatiren lasse. 
ad 2. Unreif vergetzte oder schwach begabte oder Körperlich 
Schwächliche Schüler können leicht überbürdet werden. 
In diesen beiden Fällen (1 und 2) ruht die Verantwortung auf dem 
Leiter der Anstalt. Dergsgelbe könne und müsse durch geeignete Vor- 
kehrungen die erwähnten Unzuträglichkeiten abstellen und der Gefahr vor- 
beugen; er mügse (ad 1) übermässigen Forderungen unpraktischer oder 
übereifriger Lehrer entgegentreten und Remedur eintreten lassen. Auch der 
Ordinarius müsse helfen. (ad 2) Bei Aufnahme neuer Schüler und bei Ver- 
Setzungen mügse nnbedingte Strenge walten und völlige Reife für die be- 
treffende Klasse vorhanden sein. Redner warnt davor, talentlosge und un- 
reife Schüler blos zur Belohnung ihres Fleisses zu vergetzen, wodurch man 
die armen Knaben nur in eine bedauernswerthe Lage bringe. Begonders 
Solche Knaben geien es, die zu den qu. Klagen Veranlassung geben. 
ad 3. Dieger Fall trete ein, wenn Zeit und Kraft des Schülers durch 
Musik- und anderen Nebenunterricht ungebührlich in Anspruch genommen 
werde, oder wenn von dürftigen Schülern oberer Klassen Nachhilfestunden 
an jüngere ertheilt werden. Auch hier mügse die Schule corrigirend ein- 
greifen, sich um die Nebenbegschäftigungen der Schüler kümmern und event. 
auf Abhilfe dringen. 
Als ein wichtiges Mittel, Ueberbürdung zu verhüten, bezeichnet 
Redner ferner die richtige Vertheilung der Stunden im Lectionsplan; es 
mügsen nicht zu viele Stunden auf einen Tag fallen, welche sämmtlich 
häugliche Arbeit erfordern. Die Ordinarien müsgen mit den Lehrern einen 
detaillirten Arbeitsplan vereinbaren und aufstellen, nach dem die häugliche 
Arbeit auf die einzelnen Tage angemessen vertheilt werde. 
Als ein hauptsächliches Mittel zur Verhütung des Uebels bezeichnet 
Redner schliesslich Verbesserung der Methode und gewissgenhafte Ausnutzung 
der Zeit in den Lehrstunden. Dadurch werde die häusliche Arbeit mög- 
lichst verringert, die unerlässliche aber durch den vorangegangenen Unter- 
richt gehörig vorbereitet und erleichtert, Kine häugliche Arbeit dürfe nicht
	        

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