Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

162 Fünfte Sitzung. 
höheren Schulen Eltern die Kinder schickten, ohne eine Idee davon zu 
haben, was gelehrter Unterricht sei und erfordere. Viele Schüler eigneten 
Sich durchaus nicht für das Gymnagium, das völlig den Charakter einer 
gelehrten Anstalt habe. Ein Quantum von Talent sei erforderlich. In 
vielen Familien gei überdies nicht eine Funke geistiger Anregung vor- 
handen. Strenge in der Vergetzung sei durchaus nötbig; dann werden die 
Klagen, je höher die Schüler steigen, desto mehr aufhören. 2. Der Lehr- 
plan gsei schuld oder nicht, je nachdem er gehandhabt werde. Es sei zu 
bedenken, dass heut in Folge der besseren Methode und der strafferen 
Unterrichtsweise die Schüler in der Stunde weit mehr angestrengt werden, 
wie vor 50 Jahren. Früher machte man einen Unterschied zwischen 
acroamatisch und katechetisch zu betreibendem Unterricht (zu jenem gehörte 
z. B. der gegehichtliche); darin liege ein Körnchen von Berechtigung. Heut 
müggen wir einen anderen Masstab anlegen. Jetzt könne durch das, was 
zum Unterricht noch hinzukomme, weit leichter eine Ueberbürdung bewirkt 
werden, als sonst. 
Der Vorgitzende verliest ein eingegangenes AÄmendement von 
Friede (s. unten). 
Wentzel theilt mit, dass er mit den Eltern der Schüler über die 
Sache viel gesprochen und wegen Quarta nie eine Klage gehört habe, desto 
mehr aber und gerade von Solchen, deren Söhne ihre Pflicht freudig er- 
füllten, über das Mass der häuslichen Arbeiten der Prima, Redner richtet 
Seinen Angriff a) gegen die Privatlectüre; diese müsse man fallen lassen. 
An einigen Anstalten werde solche sogar in Tertia verlangt, das sei ganz 
nutzlos; b) gegen die schriftlichen Arbeiten; 80 viel wie möglich seien solche 
in der Klasse anzufertigen; Exercitien könnten ganz fortfallen. 
Der Vorgitzende bemerkt, dass dies nicht zur These 1 gehöre. 
Heine stimmt Friede bei bezüglich Ueberbürdung der Quarta. Die 
notorisch grosse Zahl der Remanenten sei ein Beweis dafür, dass die For- 
derungen in dieger Klagsge zu hoch geien. Der gleichzeitige Anfang von 
zwei neuen Gegenständen, Mathematik . und Griechisch, mache darum 80 
grosse Schwierigkeit, weil das Franzögische in Quinta begonnen sei, und in 
Quarta im Latein auch die Syntax der Cagus hinzukomme. So trieben die 
Knaben von 11 Jahren drei fremde Sprachen und Mathematik. Zs 
mügsten Ja auch die Schwachen Lehrer und die schwachen Schüler berück- 
Sichtigt werden. Redner schlägt vor, den Anfang des Franzögischen nach 
Tertia zu legen und zwar mit mehr Stunden. Die Geometrie aus Quarta 
zu verlegen, würde nichts helfen. Das Griechische erst in Tertia zu be- 
ginnen, würde für den Gesammtcharakter der Gymnasialbildung zu beklagen 
Sein. In Prima gieht Redner keinen Nothstand, wenn nur das Reglement
	        

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