Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

953 Zweckmägsigste Einrichtung und Verwaltung von Schulbibliotheken. 
Gelegentliche Fragen über den Inhalt, zeitweilige Aufforderung zum Nach- 
erzählen des Gelesenen werden in den unteren Klassen hinreichen; in den 
oberen bieten die Aufsätze und freien Vorträge ein treffliches Mittel, sich zu 
überzeugen, mit welchem Nutzen gelesen worden ist. Während für die 
unteren Klassen die Controle vorzugsweise dem Lehrer des Deutschen obliegt, 
iSt es in den oberen die Pflicht aller Lehrer, zur zweckmäsgsigen Benutzung 
der Klassenbibliotbek anzuregen und gsich zu vergewissgern, ob und mit 
welchem Erfolg die Schüler die empfohlenen Bücher gelegen haben. 
Ausser den im Vorstehenden besprochenen Fragen ist in den Gutachten 
noch eine Anzahl anderer, die Einrichtung und Verwaltung der Schüler- 
bibliothek betreffender Punkte mit grösgerer oder geringerer Ausführlichkeit 
behandelt worden; 80 z. B. die Art des vSignirens und des Einbands der 
Bücher, „die Bibliothekstunde“, die Ausgabe und Empfangnahme der Bücher 
(besonders ausführlich beschrieben von Bunzlau und Sagan), die Einrichtung 
des Ausleibejournals, „die Lesefrist“, die Benutzung der Bibliothek Seitens 
Solcher Pergonen, die ausserhalb des Schulverbandes steben, u. a. Ich muss 
darauf verzichten, die betreffenden, in manchen Fällen gehr von einander 
abweichenden Meinungen und ins Einzelne gehenden Vorschläge anzuführen. 
Bibliotheca pauperum, 
Etwa der dritte Theil der Gutachten macht die Einrichtung und Ver- 
waltung der S80genannten bibliotheca pauperum betreffende Bemerkungen. 
Ihre unbedingte Nothwendigkeit wird nur von Glogau k. betont; die Ver- 
pflichtung der Schule zur Anlage einer golchen Bibliothek 8ei durch die Ge- 
währung von Stipendien und Freischule anerkannt. (Gr. Strehlitz begründet 
mit diesen Wohlthätigkeitseinrichtungen die Berechtigung des Instituts). Da- 
gegen glaubt der Ratiborer Ref. f. d. Lehrerbibl., gerade an Angtalten, die 
durch Schulgelderlass, Stipendien u. 8. Ww. für ärmere Schüler Sorgten, gei 
. die Sammlung nicht durchaus nöthig. Die meisten Gutachten halten diegelbe 
nur für nützlich und wünschenswerth. Schweidnitz meint, gie Sei keine 
Bibliothek. 
Darüber ist man einig, dass es Zweck der bibliotheca pauperum ist, 
würdigen ärmeren Schülern die Benutzung golcher Schulbücher zu gewähren, 
deren Beschaffung aus eigenen Mitteln ihnen erschwert ist, also vorzugsweise 
Lexica (Schweidnitz nur golche) und Logarithmentafeln. Gegen die Auf-- 
nahme von Textausgaben der die Schullectüre bildenden Schriftsteller Sprechen 
Sich mit vollem Rechte aus: Glatz, Glogau k., Leobschütz Ref. (Corr. für 
Texte wegen der grossen Dürftigkeit mancher Schüler), Neisse G., Patschkau, 
- Reichenbach, Gr. Strehlitz. Neisse G. u. R. Corr., Neustadt warnen über- 
haupt davor, der Bibliothek eine grosse Ausdehnung zu geben und in dem 
Ausleihen der Bücher zu nachsichtig zu gein, da in der heutigen Zeit bei
	        

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