Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer u, pädagogischer Beziehung. 31 
dass gich die Zahl derer, die ohne Neigung gSich dem Berufe eines Schul- 
mannes widmen, vergröggert (Striegau), dass viele ohne Begabung (Glatz) das 
Schulfach wählen, dass der Fall glücklicher Begabung gelten eintritt (Königs- 
hütte), dass Individuen, die für das Amt keine Neigung mitbringen, und die - 
für jeden anderen Beruf, selbst für den theologischen, unbrauchbar gind, 
deshalb auch auf der Univergität keine pädagogischen Collegien hören, in 
ungern Stand eintreten (Beuthen). Mir stehen keine Erfahrungen zu Gebote, 
die mir auch nur im Entferntesten gestatteten, ein Solches Schwarzes Bild als 
zutreffend anzuerkennen; ich darf vielmehr als die Regel angehen, dass ungere 
Studenten die nöthige Befähigung und Neigung für den gewählten Beruf 
mitbringen; freilich mag ein Theil von ihnen die auf der Univergität gebotenen 
Mittel nicht mit Fleiss und ohne Eingicht in ihren Zusammenhang, daber 
auch ohne rechte Ordnung benutzen, zum Theil mag die von der Univergität 
gebotene Bildung selbst zu bemängeln gein. 
b) Die Universitätsbildung. 
Dass die Univergität bereits eine practische Vorbildung für den Beruf 
des Erziehers gewähre, verlangt der Correferent von Gleiwitz aus dem Grunde, 
weil die von der Univergität kommenden Candidaten Sofort in volle Lehr- 
Stellen eimtreten mügsen; dieser Uebelstand soll aber ehestens besgeitigt 
werden. Der Referent des Friedrichs-Gymnasiums zu Breglau beklagt es, 
dass die künftigen Lehrer höherer Lehranstalten gich in Beziehung auf 
practische Vorbildung in einer ungünstigeren Lage befänden, als die Elementar- 
lehrer (80 auch Oels), und sgucht den Einwand, dass die Univergitäten ihrem 
Grundcharakter, der gie lediglich auf das Ideale hinweise, durch das Hinein- - 
ziehen der Praxis entfremdet werden würden, mit dem Hinweise auf die 
Arzneiwisgenschaft zu entkräften, für welche Schon auf der Univergität 
- Theorie und Praxis verbunden geien; es leuchte nicht ein, warum Neuerungen 
ausgegschlossen Sein Sollten, da ja deren Zweckmäsgsigkeit, ja Bedürfniss im 
Laufe der Zeit Sich unverkennbar herausgestellt habe. Das letztere ist aber 
gewiss nicht der Fall. Andere Gutachten betonen, dass die Vorbildung der 
Univergität, namentlich in Beziehung anf Didaktik und Pädagogik, nicht ge- 
nüge, ohne indess hieran die Forderung zu knüpfen, dass sie mehr leisten 
Solle. Ein grosser Theil der Gutachten spricht sich aber, in richtiger 
Schätzung der Arbeitskraft der Studirenden, 80wie des kaum noch zu be- 
wältigenden Umfangs Jeder einzelnen Fachwissenschaft, dahin aus, dass die 
Univergsität die ihr zufallende Aufgabe löge, wenn gie gründliche Einführung 
und Vertiefung in die Fachwisgenschaft vermittele, in Pädagogik und 
Didaktik aber gich auf das bisher geforderte Mass beschränke. Freilich 
fehlt es nicht an Stimmen, die meinen, die Univergität könne und golle diese 
mit Recht beschränkte Aufgabe besser als bisher lögen und den künftigen
	        

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