Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogischer Beziehung. 33 
mögen, diese Erfahrung für gie gelbst zunächst eine Quelle des bittersten 
Verdrusses; ausserdem aber, -- und das muss hervorgehoben werden, -- 
Sind gie es, die in unserm Fache einen Subalternstand schaffen; endlich sind 
Sie ein lebendiger Widerspruch gegen den idealen Geist ungerer höheren 
Lehranstalten; denn diese treiben alle ihre Schüler fort und fort an, das 
höchste Ziel zu erreichen: wie können 8ie das aber thun, wenn in den 
Lehrercollegien selbst Männer gitzen, die in ihrem Fache kein genügendes 
Ziel erreicht haben? Dass vor bestandenem Examen Kein Candidat zu 
irgend welcher Beschäftigung an einer höheren Schule zugelassen werden 
darf, ist 80 Selbstverständlich, dass es nicht nötbig ist, ein ausdrückliches 
Verbot aufzustellen. Aber um der Würde, des Geistes, des Heiles ungerer 
Anstalten willen muss mit der Mehrzahl der Gutachten die Forderung betont 
und an die Spitze gestellt werden, dass Candidaten, denen nur ein Zeugniss 
dritten Grades verliehen werden kann, überhaupt kein Zeugniss erhalten 
Sollten. Am Meisten dürfte es Sich empfehlen, mit Schweidnitz u. a. die Be- 
zeichnung nach Graden überhaupt in Wegfall zu bringen und die Prüfung 
nur dann als bestanden anzugehen, wenn wenigstens in einem Fache die 
Facultas für alle Klassen ertheilt werden kann. Die Zulässigkeit eines eine 
geringe Berechtigung ertheilenden Zeugnisges wirkt schädlich oder kann 
doch schädlich wirken auf Examimanden nicht minder wie auf die Examina- 
toren. Die ersteren, besonders die langsamen Arbeiter unter ihnen, werden 
Sich zufrieden geben, wenigstens die unterste Stufe erreicht zu haben, und 
in den Seltensten Fällen (Sprottau führt Solche Fälle an) während der amt- 
lichen Berufsthätigkeit Höheres erreichen; für die Examiatoren aber dürfen 
wir die Gefahr nicht für ausgeschlossen halten, dass gie in einzelnen Fällen 
aus Mitleid wenigstens die unterste Stufe zuerkennen, aus Mitleid, das sich 
durch die Hoffnung zu kräftigen sucht, es werde dem Candidaten bei redlichem 
Willen Später gelingen, - BesSeres zu leisten. Ich beziehe mich hierin auf 
eine jüngst bekannt gemachte Ministerialverfügung, worin in Rücksicht auf 
einen bestimmten Fall getadelt wird, dass eine Prüfungs-Commisgsion trotz 
Sehr geringer Facultas noch ein Zeugniss dritten Grades ertheilt habe. 
Freilich darf Sprottau zugegeben werden, dass auch Lehrer mit ungenügender 
Lehrberechtigung in dem ihnen zugewiesenen Wirkungskreise recht Gutes 
leisten können; das wiegt aber den Schaden nicht auf, den ihr Vorhandengein 
der innerlichen idealen Kinheitlichkeit des Organismus zufügt, und der über 
kurz oder lang endlich einmal doch in die Erscheinung treten muss; und 
in dieser Beziehung bleibt der Vorwurf Haupt's tief begründet, der in geinen 
von Jauer angeführten Worten liegt, dass „vor 60 Jahren das Niemand be- 
griffen hätte, dass, wer nicht genug weiss, um in den oberen Klassen zu 
unterrichten, doch gut genug sein könne, um in den mittleren und unteren 
zu lehren.“ 
Schlegien, 3
	        

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