Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogischer Beziehung, 35 
Stützende Einwand nicht 80 stark betont wird, dass alle 8orgsame Mithülfe 
Seitens der Schulverwaltung bei der Heranbildung der Lehrer ausgeschlossen 
würde, 80 ist das Regultat Sämmtlicher Verhandlungen, dass von keinem 
Collegium ein absoluter Widerspruch gegen 'eine geordnete Fortbildung der 
Candidaten erhoben worden ist. 
Wenn die meisten Gutachten mit besonderer Wärme die Nothwendig- 
keit dieser Fortbildung betonen, 80 liegt darin weder eine Geringschätzung 
der Erfahrung, -- diese wird Ja dem Candidaten, er mag geleitet werden, 
wie er will, in keinem Falle vorenthalten, -- noch eine Herabsetzung des 
Werthes gediegener wissenschaftlicher Bildung. Diese ist vielmehr, wie die 
in Betreff der Zeugnisse erhobenen Forderungen beweisen, in allen Gutachten 
eimnmüthig als unerlässlich vorausgegetzt. Aber, ohne den Werth zu ver- 
: kennen, den gründliche Kenntnisse in der Fachwissenschaft und die an ihrem 
Studium gelernte wisgenschaftliche Methode auch für die erfolgreiche Ueber- 
lieferung des eigenen Wisgens an die Jugend haben müggen, und bei aller 
Anerkennung des Antriebes und Einflusses, den das energische, ideale Streben 
des Lehrers unmittelbar, nach dem Gegetze von der Macht des Beispiels, 
auf den Schüler üben muss, halten die meisten Gutachten das fest, dass das 
Unterrichten und Erziehen eine gselbstständige Kungt ist, und, soviel Anregung. 
und Hülfe gie auch von dem wissengchaftlichen Studium empfangen mag, 
doch nicht in diesem allein beruht und aufgeht. „Wie vielen hervorragenden 
Gelehrten (sagt Ohlau) geht die Docirkunst durchaus ab? Der heutige 
Wissenschaftsbetrieb mündet nicht unmittelbar in die Schule hinein, goll es 
auch nicht.“ Und „unter dep Lehrern gelbst (Glatz) giebt es sehr gebildete, 
aber pädagogische Monstra.“ wvelbst, wenn die wissenschaftliche Bildung die 
Theorie der Didaktik und Pädagogik in gich gschliesst, kann gie nicht an 
und für Sich zum Lehren geschickt machen. „Man kann (Löwenberg) theo- 
retigch Sehr genau wissen, dass der Unterricht von der Anschauung aus- 
gehen, dass er stufenmässig vom Leichteren zum Schwereren, vom Einfachen 
zum Zusammengegetzten fortschreiten Soll, und sich doch in der Anwendung 
Solcher allgemeiner wätze sehr unbeholfen zeigen.“ „Auch bei gründlicher 
'wisgenschaftlicher Bildung giebt es für den Candidaten Dinge (Striegau), auf 
die er aufmerksam gemacht werden muss, die er für unwichtig gehalten 
hat.“ „Wege und Pensen (Brieg) sind ihm unbekannt, nicht minder die 
Leistungsfähigkeit der Jugend“ in ibren verschiedenen Altersstufen. In der 
That, es handelt sich hier um eine eigenartige Kungt, die ihre eigene Methode, 
Ihre eigene Technik hat, die gelernt werden muss (Breslau M., Bunzlau). 
Privatunterricht kein genügender Ergatz. 
Auch die Anfänge, die etwa der Candidat bereits privatim im Unter- 
richten gemacht hat, befähigen denselben nicht ohne Weiteres zum Lehrer 
3.
	        

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