Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

36 Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogischer Beziehung, 
an einer höheren Anstalt. Wird ein langjähriger Privatunterricht, (den 
Striegau, Neustadt wohl irrthümlich bei der Mehrzahl der Candidaten voraus- 
Setzen,) noch verbunden mit der lebendigen Erinnerung an die eigene Schul- 
zeit, 80 wird dadurch gewiss in vielen Fällen dem Candidaten der Eintritt 
in das öffentliche Amt erleichtert werden. Aber abgesehen davon, dass An- 
gegichts der Ausdehnung aller fachwissenschaftlichen Studienkreise gar nicht 
zu wünschen ist, dass der Student von geinem Studium durch anderweitige 
Begschäftigung Sich abziehen lasse und geine Kraft zersplittere, ist doch auch 
die Frucht des Privatunterrichts, da dieser nicht überwacht und geregelt, 
Sondern dem Zufalle und dem guten Glücke der eigenen Leitung überlassen 
wird, durchaus unsicher und wird mit allen den Mängeln, die wir bei der 
gofortigen Uebernahme eines öffentlichen Lehramtes durch einen Candidaten 
vorausgehen und befürchten, in der Regel in noch grösserem Umfange be- 
haftet ein. Aber auch in dem Falle, dass aich der Candidat bei einem 
Privatunterrichte bereits aufs Beste bewährt hat, ist doch immerhin nicht 
zu vergessen, dass die öffentliche Schule mit ihrem umfangreichen, neun 
Jahre umfasgenden Organismus, mit ibren gefüllten Klassen, mit ihren fest 
umgränzten Pensen, mit allen ihren Einrichtungen eine Aufgabe stellt, die 
von der des Privatlehrers wegentlich verschieden ist. 
b) erwiesen: durch die Uebelstände, die im entgegengesetzten 
Fall eintreten. 
Freilich Scheinen alle diese Bedenken durch die Thatsache entkräftet 
zu werden, dass geit mehreren Decennien die meisten Candidaten ohne vor- 
hergehende besondere, geordnete practische Uebung und Anleitung ein Lehr- 
amt haben übernehmen müggen, ohne dass dadurch die höheren Lehranstalten 
zu Grunde gegangen Sind. Man braucht nun nicht gerade denjenigen bei- 
Stimmen, welche aus diesem Umstande eine Herabminderung der Erfolge der 
Anstalten und insbegondere die heute allgemein behauptete Ueberbürdung 
der Schüler (Breslau M., Oels) ableiten wollen. So schlimm steht die Sache 
gewiss nicht. Aber dass grosse Gefahr vorhanden ist, dass nicht überall 
und immer die vielen aus golchem Versuchsverfahren sich ergebenden 
Schwierigkeiten überwunden und die möglichen Fehler vermieden werden, 
und dass die Eltern fordern dürfen, dass an ihren Kindern keine in ihrem 
Erfolge immerhin zweifelhaften Versuche gemacht werden (Breslau M., 
Glogau K., Neustadt), kann nicht bestritten werden. Wenn auch ein ohne 
Weiteres mit einer vollen Lehrerstelle betrauter Candidat, zumal wenn ihm 
die Fürgorge des Directors in“ genügendem Umfange zu Theil wird, in gehr 
vielen Dingen das Richtige treffen wird, 80 ist es doch unzweifelhaft, dass 
er auch viele Fehler machen und in manchem derzelben für die Zukunft 
verharren wird. Grobe Fehler sind auch für Begabte nicht zu vermeiden
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.