Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

42 Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogischer Beziehung. 
Zweck nicht erfüllen würden, weil es Schwer sein würde, die grosse Zahl 
- augerlegener Lehrkräfte zu beschaffen, die übrigens erst den anderen Anstalten 
zu deren Schaden entzogen werden müssten, und weil die Gefahr des 
Experimentirens an ihnen noch viel grösser gein dürfte, als bei dem Probe- 
jahr. Auch ist der Umstand zu beachten, dass bei ganzjährigen Pensen ein 
Theil der Candidaten mitten im Schuljahr eintreten würde. Nicht mit Un- 
recht hebt Sprottau, dessen Bericht diese Einrichtung am Eingehendsten prüft, 
hervor, dass auch für die älteren Lehrer die Gefahr, in Routine zu verfallen, 
nahe liege, während für die Schüler die Pietät gegen Jahre lang an ihnen 
arbeitende Lehrer verloren gehe, aus der gich erst die Anhänglichkeit an 
die Schule und die gemüthliche Werthschätzung der Bildungszeit und ihres 
Erfolges ergebe. -- Diegelben Gründe sprechen auch gegen den etwas 
modificirten Vorschlag von Oppeln, nach welchem an den betreffenden in 
Univergitätsstädten zu errichtenden Seminaranstalten den Oberlehrern je ein 
Candidat zugewiegen werden soll. Der in dem Gutachten angeführte an 
und für gich stichhaltige Grund, dass Solche Anstalten gegenüber dem Probe- 
jahr den Vorzug haben würden, der mit jeder dauernden Einrichtung 
naturgemäss verbunden ist, genügt nicht, um die Anstalten dieger Art selbst 
annehmbar zu machen. Daher Sieht Fritsche-Grünberg mit Recht voraus, 
dass bei den vielen Bedenken und Schwierigkeiten, die Solche „Normal- 
Schulen“ bieten, dieselben schwerlich die Mehrzahl der Stimmen erhalten 
werden. 
Aehnliches. 
Hieran schliesst Sich wenigstens dem Namen und der äusgeren Form 
nach der Vorschlag von Liegnitz G., wonach pädagogische Seminare in der 
Art an bestehenden höheren Lehranstalten (in Schlegien etwa 6) ein- 
gerichtet werden gollen, dass der Director und ausgewählte Lehrer das 
Seminarcollegium bilden; auch Ohlau (sowie der Referent von Sagan) 
empfiehlt eine solche Einrichtung: jede Schule sei das natürlich gegebene 
Seminar. Die Begehäftigung, die an diesen Seminaren in Aussicht genommen 
iet, weicht nicht wegentlich von dem ab, was in Betreff des ProbeJjahrs 
vorgeschrieben ist. Der Vorschlag unterscheidet Sich von den geltenden 
Bestimmungen vielmehr wegentlich dadurch, dass einergeits von der Behörde 
bestimmte Anstalten ausgewählt werden, denen die Candidaten der Provinz 
zuzuweigen gind, anderergeits aber die Seminareinrichtung eine stehende und 
an bestimmte Pergonen gebundene ist. Die Mehrzahl der Gutachtsn ist aber 
gegen die Auswahl sSowohl bestimmter Anstalten als besonderer Lehrer 
Seitens der Behörde aus nabeliegenden Gründen und würde daher die hier 
vorgeschlagene Einrichtung verwerfen müsgen. Dazu kommt, dass jeder 
Solcher Seminaranstalt eine erhebliche Anzahl Candidaten zugewiegen werden 
mügste, ein Umstand, dessen Gefährlichkeit Schon oben angedeutet worden 1st.
	        

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