Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogischer Beziehung. 45 
einer Segensreichen Ausnützung desselben bisher im Wege gestanden haben, 
hinwegzuräumen. Recht befremdend und demüthigend ist das in einer grossgen 
Anzahl von Berichten hervortretende Bedenken, es werde in der Regel au 
den höheren Lehbranstalten an denjenigen Kräften fehlen, welche die gegetz- 
liche Anordnung über das Probejahr zur Voraussetzung hat. Die Schul- 
aufsicht mügste in Preussen geradezu eine verwahrloste gein, wenn es wahr 
wäre, dass die Leiter der Anstalt, welche nach dem Gegetz verantwortlich 
für alles, was an ihrer Angstalt geschieht, sind und nach gemeinem Ermessgen 
auch gein müssen, welche gelbst der Thätigkeit älterer Lehrer gegenüber auf 
einen heilenden und zurechtweisenden Einfluss nicht verzichten dürfen, welche 
das Interesse der Schule gründlich verstehen und nach allen Seiten hin ver- 
treten Sollen, -- dass Solche Männer in der Regel nicht im Stande gein 
Sollten, die ihnen geit länger als 50 Jahren vom Gegetz zugewiesene Aufgabe 
der pädagogischen Anleitung Junger Lehrkräfte, Sei es dass ihnen die Ein- 
Sicht oder der gute Wille fehlt, in einem einigermassen befriedigenden Grade 
zu lögen. Wenn das wahr wäre, 80 würde, wie schon einmal angedeutet, 
auch keine andere Lösung ungerer Aufgabe möglich gein, da es eben an den 
in groggem Umfange nöthigen Lehrkräften fehlen würde. Das Urtheil in 
dieser Frage scheint durch den Mangel an Erfahrung getrübt zu sein. Bei 
der allgemein anerkannten Seltenheit des Falles, dass ein Candidat that- - 
Sächlich das Probejahr in der geordneten Weise durchmacht, haben eben die 
höheren Lehranstalten fast gar keine Gelegenheit gehabt, an die Lösung 
dieser Aufgabe heranzutreten, und in den Seltenen Fällen, wo gie ihnen 
geworden ist, mag es zum Theil an dem rechten Verständniss gefeblt haben, 
weil keiner der Betheiligten die Einrichtung des ProbeJahrs aus eigener Er- 
fahrung, wie Sehr viele Gutachten für sämmtliche Mitglieder ihrer Collegien 
zugeben, vorher kennen gelernt hatte. Dazu kommt, dass diege seltenen Fälle 
in der Regel Candidaten betreffen, die ein geringwerthiges Zeugniss mit- 
bringen und, wie man daraus schliessen darf, entweder keine ausreichende 
Kraft oder keine genügende Energie begitzen, dass es Sich 8omit um Fälle 
handelt, in denen die zu lögende Aufgabe von vornherein über die Voraus- 
Setzung des Reglements hinaus erschwert ist. Es mag dahin gestellt bleiben, 
ob die Schulverwaltung dem bestehenden Mangel an Lehrkräften dadurch 
abhelfen durfte, dass den Candidaten die Sofortige Uebernahme einer vollen 
Lehrerstelle gestattet wurde; das ist gewiss, dass durch Solches Nachgeben 
der Zweck des Probejahrs in doppelter Hingicht unerreichbar gemacht worden 
iet. Das Probejahr hat den doppelten Zweck, den Candidaten für geinen 
Beruf in geordneter Weise anzuleiten und zu prüfen, ob er für den Lehrer- 
beruf überhaupt geeignet Sei. Dass von diesen beiden Zielen das erstere 
nicht zu erreichen ist, wenn der Candidat söfort eine volle Lehrerstelle über- 
nimmt, darin stimmen die Gutachten überein; aber auch das andere Ziel
	        

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