Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

46 Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogischer Beziehung. 
hat unter dieser Voraussetzung keine practische Bedeutung mehr; denn ist 
einmal einem Candidaten die wenn auch nur interimistische Verwaltung einer 
Stelle übertragen worden, 80 Scheint es, wenn nicht der Vorwurf einer zu 
leichten Behandlung wichtigster Dinge gegen die Schulverwaltung erhoben 
werden Soll, kaum denkbar, dass derselbe Candidat später gollte für ganz 
unbrauchbar erklärt werden, zumal da der Candidat das Recht hat, dass er 
nach den Leistungen des gegetzlichen Probejahrs, nicht nach dem Misgerfolge 
in einem von ihm unvorbereitet übernommenen Amte beurtheilt werde. Die 
Nichtabsolvirung des gegetzlichen Probejahrs resp. die Umgehung degsgelben. 
durch Uebernahme einer ganzen Lehrergstelle ist für Schüler, Schule und Can- 
didaten gleich schädlich (Gross-Glogau K., Neisse, Ohlau, Grogss-Strehlitz, 
Görlitz R., Landeshut). Daher muss mit einer grossen Anzahl von Gut- 
achten die Forderung erhoben werden, dass die Absolvirung des förmlichen 
ProbeJahrs wieder die Regel werde. 
Der Erfolg des Probejabhrs kann allerdings auch durch die Probe- 
candidaten gelber beeinträchtigt werden. Was ihre wisgenschaftliche Aus- 
bildung anbetrifft, 80 ist oben schon gefordert worden, dass den höheren 
Lehranstalten nur Candidaten Sollen zugewiesen werden, welche im Begitze 
einer ausreichenden Vorbildung sind. Es wird aber auch darüber geklagt, 
dass die Candidaten zu bequem sind oder Sich überheben (Kattowitz), dass 
Sie Ansprüche nicht an Sich, sondern für gich erheben (Liegnitz G.), dass 
Sie von falschem Stolz erfüllt Sind (Tarnowitz) oder ein starkes Selbstgefühl 
besitzen in Folge rascher Anstellung (Fritsche), dass sie glauben, auf dem 
pädagogischen Gebiete eines weiteren Lernens nicht zu bedürfen (Reichenbach, 
Striegau), oder gar, wenn gie ein gutes Zeugniss haben, darauf pochen, dass 
Sie unter allen Umständen eine gute Anstellung finden werden (Görlitz R.). 
Dass diese Bilder mehr als einzelne Fälle betreffen gollten, dass in ihnen 
der thatsächliche Charakter der Mehrzabl der Candidaten gezeichnet wäre, 
kann und darf nicht zugegeben werden. Auch der beste Candidat befindet 
Sich dem Probejahr gegenüber in einer leicht erklärlichen Missstimmung. 
Nach vielen Jahren wisgenschaftlicher Arbeit, ausgerüstet mit einer facultas 
docendi, d. h. mit der anerkannten Befähigung zu unterrichten, voll Begier, 
endlich in den erwählten Beruf einzutreten, gieht gich der Candidat an der 
Schwelle desselben nochmals gehemmt durch Einrichtungen, in denen er eine 
Art von Bevormundung und Schulmeisterei zu erblicken gar zu geneigt ist, 
zumal wenn er hört, dass eine ganze Reibe von Männern, gein Director 
Selbst, ohne diese Schulung tüchtige Lehrer geworden sind. Deghalb ist es 
eben auch, um das Probejahr fruchtbar zu machen, eine Hauptaufgabe des 
Directors und der übrigen Lehrer, dem Candidaten ohne Voreingenommen- 
heit entgegenzukommen und ihm wohlwollend auch über geine Irrthümer 
hinwegzuhelfen,
	        

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