Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer un. pädagogischer Beziehung. 4.7 
Nach Wegräumung der entgegenstehenden Bedenken und Hindernisge 
Soll nunmehr erörtert werden, was wir vom Probejahr erwarten, und wie 
dieses Ziel im Einzelnen zu erreichen ist. 
1. Ziel des ProbeJjahrs. 
Auf der einen Seite soll das Probejahr darüber entscheiden, ob der 
Candidat für geinen Beruf überhaupt befähigt gei; durch diese Zweckbegstim- 
mung ist die Forderung einer prüfenden Aufsicht während der Probezeit, 
Sowie einer Beurtheilung der Leistungen am Schluss dergelben gegeben. 
Auf der andern Seite soll der Candidat im Probejahr für Seinen Beruf 
Anleitung erhalten: er oll Schüler und Lehrstoff methodisch behandeln lernen. 
Um übertriebenen Forderungen entgegen zu treten, muss ausdrücklich, was 
Sich von gelbst versteht, hervorgehoben werden, dass nämlich nicht erwartet 
werden darf, dass der Candidat am Ende des LehrjJahres ein vollkommener 
Lehrer sei (Liegnitz G.); zur Meisterschaft gelangt man nur durch Erfahrung 
und Uebung (Gross-Glogau K.); überhaupt ist die didaktische und pädagogische 
Bildung der Lehrer ebensowenig wie ihre wisgenschaftliche je als abgeschlossen 
zu betrachten (Schweidnitz, Striegan). Wenn wir von der Vorausgetzung 
ausgehen, dass Theorie und Praxis einander ergänzen mügsgen und dass die 
Bearbeitung eines Theiles nicht ohne gründliche Kenntniss des Ganzen 
möglich ist, 80 wird es genügen, den Zweck des Probejahres dahin festzu- 
Stellen, dass der Candidat das Wesen und den Organismus ungeres höheren 
Unterrichts- und Erziehungswesens gründlich kennen und Lehrstoff und 
Schüler einer höheren Lehranstalt zunächst in einem kleinen, begrenzten 
Theile derselben durch Anschauen und eigene Thätigkeit mit gelbständigem 
Urtheile und nach vernünftigen Grundsätzen bis zu dem Grade der Sicher- 
heit behandeln lerne, welcher zu der Hoffnung berechtigt, er werde in die 
ibm zu überweisende selbständige Thätigkeit zich schnell und, ohne erhebliche 
Fehler zu machen, hineinfinden und die Schwierigkeiten, die jeder neue Lehr- 
Stoff und neue Schüler bieten, übersehen und deren Ueberwindung mit zweck- 
mäsgigen Mitteln versuchen können. Weiter, als es eine gelegentliche Exem- 
plification verlangt, auf das Einzelne der Didaktik und Pädagogik hier oder 
weiter unten einzugehen, wie viele Gutachten thun, erscheint überflüssig; nur 
das mag mit einer grossen Anzahl von Berichten hervorgehoben werden, 
dass die Trennung von Didaktik und Pädagogik nur eine theoretische gein 
kann, während beide in der Praxis unlöslich verbunden Sind. Wenn daher 
jetzt die Methode näher erörtert werden soll, 80 bezieht Sich ungere Aus- 
einandersetzung gleichzeitig auf methodische Behandlung des Lehrstoffes und 
auf rationelle Behandlung der Schüler, wenn nicht die eine von beiden aus- 
drücklich hervorgehoben und gegondert wird,
	        

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