Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

48 Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogischer Beziehung. 
Selbständigkeit der Methode. 
Da die methodische Behandlung von dem Jjedesmaligen Stoffe und 
den jedesmaligen Schülern nicht weniger als von der eigenartigen Natur des 
Erziehenden bedingt ist, 80 verneint ich von vornherein die Frage, ob eine 
in bestimmte, enge Grenzen eingeschränkte Behandlung des Lehrgegenstandes 
und der Schüler für den Probe-Candidaten bindend und verpflichtend sein 
könne und dürfe. Wenn hierin das eine Extrem ist, den jungen Lehrer 
„Sich gelbst zu überlasgen, ihn eine eigene Methode auf gut Glück suchen 
und finden zu lasgen, 80 ist das andere nicht minder abzuweisende Extrem, 
ihm eine Methode oktroyiren zu wollen. Das Richtige liegt in der Mitte. 
Es soll dem Candidaten zunächst eine gute Methode gezeigt und in ihren 
Einzelheiten mit ihm besprochen werden; darüber hinaus soll ihm Gelegen- 
heit geboten werden, noch andere im Wegentlichen empfehlenswerthe Methoden 
(practisch und theoretisch) kennen zu lernen; dann soll er nach eigener Wahl 
und gelbstbewusst Sich eine Methode zu eigen machen, vornehmlich sich der 
Gründe bewusst werden, warum er von den ihm zum Muster gegebenen in dem 
einen Punkte abweicht, in dem andern daran festhält. Eine Methode vorschreiben 
zu wollen, erscheint um 80 mehr verkehrt, da wir es mit jungen Männern zu 
thun haben, die Schon in ihrer Schulzeit unausgesetzt daran gewöhnt und dazu 
angehalten worden sind, Alles zu prüfen und Nichts mechanisch zu lögen. 
Der Candidat oll möglichst Selbsständig gein; das fordern ausdrücklich viele 
Berichte. Die lebendige Persönlichkeit des Lehrers darf nicht durch Auf- 
dringen einer bestimmten Methode oder engherziges Discipliniren beeinträchtigt 
werden (Breslau Math.), Seiner Individualität ist ein berechtigter Spielraum 
zu gewähren, damit er sich ein selbständiges Urtheil bilden kann (Neustadt); 
die Individualität des Lehrers ist bei dessen Ausbildung nicht blos zu schonen, 
Sondern für diegelbe zur Grundlage zu machen (Ratibor); Schematismus 1st 
in keinem Falle schädlicher (Waldenburg); sklavisches Nachahmen auch her- 
vorragend tüchtiger Personen ist nicht Sache gebildeter Menschen (Gross- 
Glogau K.). Nicht mit Recht scheint Schweidnitz hierin den Unterschied zu 
machen, dass in didaktischen Dingen weniger Freiheit erlaubt sei, als in 
pädagogischen, wenn wir daran denken, dass an den meisten Anstalten ein 
out Theil pädagogischer Fragen durch Schulordnungen im Voraus fxirt 1st, 
wovon nicht leicht ohne Schädigung des Ganzen abgewichen werden kann. 
Wenn einzelne Gutachten betonen, dass die Methode des Unterrichts 
in jeder einzelnen Disciplin keineswegs 80 willkürlich und mannigfaltig sei 
(Brieg), dass sie nicht unter Umständen von dem Candidaten selbst gefunden 
werden könne und dass es feststehende Methoden gebe, die der Candidat 
aus guten Handbüchern lernen könne (Guhrau), 80 plädiren doch gerade diese 
Berichte mit solcher Begründung ebenfalls dafür, den Candidaten Selbständig- 
keit zu gewähren,
	        

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