Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

58 Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogischer Beziehung. 
Dauer der Probezeit. 
Die Verschiedenheit der Meinungen von dem Werthe und der Gestaltung 
der Probezeit macht es erklärlich, dass auch über die Dauer dergelben verschiedene 
Forderungen ausgesprochen werden. Eine Gruppe der Gutachten erklärt, dass 
in einem Jahre die gestellte Aufgabe nicht gelöst werden könne, und 
Schlägt daher eine Verlängerung der Probezeit vor. Hierher gehören zunächst 
diejenigen, welche zwar das Probejahr beibehalten, aber demselben den 
obligatorigchen Beguch eines pädagogischen Seminars vorangehen lassen 
wollen, Sowie diejenigen, welche dem Ermessen des Directors die Ent- 
Scheidung überlassen wollen, ob der Candidat in dem einjährigen Curgus 
Sein Ziel erreicht habe. (Ohlau, Gross-Glogau K., Creuzburg). Für eine 
obligatorische, zweijährige Probezeit sprechen ausser Fritsche, der nach dem 
eigentlichen Probejahr noch ein zweites für erforderlich hält, in welchem 
der Candidat mit voller Stundenzabl zu beschäftigen ist, noch die Gutachten 
von Pless, Breslau Friedr. (im „2. Jahre ohne Aufsicht des Fachlehrers“; ähn- 
liches hatte der Referent in Kattowitz gefordert), Gross-Glogau E., Landeshut 
(in dem von ihm geforderten Seminare), Schweidnitz. Die Dauer der Probe- 
zeit auf drei Jahre zu erhöhen, erscheint Beuthen und Görlitz R. angemessen. 
Es giebt aber auch Gutachten, welche eine kürzere Probezeit als die reglements- 
mäggige unter der Bedingung glauben zulassen zu dürfen, dass der Candidat 
in einem Semegter bereits das Wegentlichste und Wichtigste erfasst hat, 80 
lange der Lehrermangel fortdauert; eine. halbjährige Probezeit werde gewiss 
mehr Nutzen bringen, als der gänzliche Wegfall derselben (Gross-Glogau K., 
Neisse G., Creuzburg, Breslau M. [in der von ihm vorgeschlagenen Uebungs- 
Schule]. Dieser Richtung möchte ich mich gern anschliessen, wenn ich nicht 
die dagegen vorgebrachten Bedenken theilen müsste. Wer Sollte die Ent- 
Scheidung über eine golche Bevorzugung haben? Würden die bevorzugten 
Candidaten der Gefahr der VUeberhebung entgehen und die übrigen sich 
des Gefühles der Zurücksetzung erwehren können? Wenn erst die Forderung 
erfüllt gein wird, dass die Ableistung des Probejahres obligatorisch Sein soll, 
dann wird gich vielleicht die Lögung finden, dass das Provinzial-Schul- 
Collegium in dem Falle, dass die Begetzung einer Stelle sich nicht anders 
als durch Berufung eines Candidaten, der mitten im Probejahr steht, ermög- 
lichen lässt, den geeignetsten der zur Zeit im Probejahr stehenden Can- 
didaten beruft; die frühere Beendigung der Probezeit würde dann mehr als 
eine Folge dringender Umstände, als für eine Bevorzugung gelten dürfen. 
Die Angicht der Majorität geht dahin, dass an der einjährigen Dauer 
der Probezeit festgehalten werden müsse; ein Jahr genüge, um den Candidaten 
Sowohl in alle Einrichtungen des Schullebens einzuführen, als auch zum 
Selbständigen Unterricht anzuleiten; da eine vollkommene Leistung weder 
nach einem Jahre, noch nach mehreren erwartet oder verlangt* werden
	        

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