Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

66 Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogischer Beziehung. 
für Segensreich; dass ein tactloges und bevormundendes Verfahren Schaden 
bringen würde, ist selbstverständlich; es wird deshalb vorausgegetzt, dass 
der Director Fachlehrer auswählt, die zu diegem schwierigen Gegschäfte be- 
Sonders geeignet Sind. Gegen ein Uebermass der Leitung macht Liegnitz G. 
geltend, dass schlechte Kräfte durch dasselbe nicht besser, gute Kräfte 
aber und strebsame Naturen widerwillig und gelbst störrisch gemacht werden. 
Einige Gutachten wollen, um dem Candidaten leichter über die 
natürliche Befangenheit des ersten Auftretens hinwegzuhelfen, die Aufsicht 
des Fachlehrers vicht gleich in den ersten Stunden beginnen lassen (Gross- 
Glogau K., Löwenberg); die Mehrzahl Setzt das Gegentheil als Regel. 
Die Mitwirkung des Ordinarius dürfte gich auf das Mass beschränken, 
das ihm jedem Lehrer seiner Klasse gegenüber zusteht. 
Im Angchluss an die Frage über die Aufsicht Seitens des Fachlehrers 
wird die Frage aufgeworfen, ob dieger für geine Lectionen nach deren 
Vebernahme Seitens des Candidaten noch verantwortlich bleiben Sgoll. 
Breslau Friedr., Joh., Königshütte fordern dies entschieden. Pless, Striegau 
erklären zich eben 80 stark dagegen. Leobschütz meint, dass der Fach- 
lehrer im Anfange verantwortlich 8ei. Dass der Fachlehrer die volle Ver- 
antwortlichkeit, die bis ins Einzelne und Kleinste geht, behält, würde 
vorausgetzen, dass er bei dem Unterrichte des Candidaten stets zugegen ist. 
Desbalb verlangt wohl auch Königshütte Seine stete Gegenwart. Dass aber 
der Fachlebrer im Grossen und Ganzen nicht blos für den Unterricht, 
'Sondern für die Fortbildung des Candidaten gelbst verantwortlich sein goll, 
beweist Schon die fast allgemein aufgestellte Forderung, dass er dem Unter- 
richte des Candidaten zuerst regelmägssig, dann in angemessgenen Zwischen- 
räumen beiwohnen gsoll; dadurch ist er in den Stand gegetzt, Schäden und 
Hemmungen bald zu entdecken und deren Begeitigung herbeizuführen. 
Was insbegondere die Correcturen anbetrifft, 80 ist es nicht zu bil- 
ligen, dass Gross-Strehlitz dem Candidaten im dritten Monat die eine oder 
andere Arbeit zur Correctur überträgt; der Candidat muss vielmehr die mit 
Seinem Fach und Unterricht verbundene Correctur in ihrem ganzen Um- 
fange übernehmen. Denn auch »für die Fruchtbarkeit des Corrigirens ist 
keine Voraussetzung unerlässlicher als die der Continuität. Da die Behand- 
Jung der schriftlichen Arbeiten manche eigenartige Schwierigkeit darbietet 
bei Stellung der Aufgabe, in der Darreichung von Hilfsmitteln, im Corri- 
giren, Censiren, Zurückgeben der Hefte, worin an Jeder Anstalt nothwendig 
ein einheitliches Verfahren herrschen muss, 80 wird der Candidat schon bei 
dem Hogspitiren auch diesgem Theile Seiner künftigen Thätigkeit seine volle 
Aufmerksamkeit zugewandt haben und nach Uebernahme des Unterrichts 
auch hierin der Aufsicht des Fachlehrers unterworfen bleiben und den Rath 
dessgelben gern einholen und hören (Breslau M., Neustadt).
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.