Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer u pädagogischer Beziehung, 67 
Um das Hospitiren des Fachlehrers und des Directors für die Fort- 
bildung des Candidaten recht fruchtbar zu machen, erscheint es wünschens- 
werth, dass von 4 zu 4 Wochen etwa beide zugleich in einer Lehrstunde 
des Candidaten hospitiren und nach dergelben mit dem Candidaten eine in 
die Einzelheiten des Unterrichts und der Disciplin eingehende Besprechung 
zu dem Zwecke halten, einergeits den Candidaten auf Verstösse aufmerksam 
zu machen oder auch zu ermuthigen, in der begonnenen Weise weiter fort 
zu fahren, anderergeits dem Candidaten Gelegenheit zu geben, durch Erörte- 
rung einiger Punkte zu beweisen, mit welchem eigenen Urtheile und Ver- 
Ständniss er seine Aufgabe erfasst habe. Solche Besprechungen werden 
manche Irrthümer und Dunkelheiten zerstreuen, den Candidaten anregen, 
Seinen Unterricht immer mehr und tiefer zu durchdenken und den mit geiner 
Fortbildung betrauten Lehrern den gichersten Anhalt bei Fällung des Ge- 
Sammturtheils über Seine Leistung und Befähigung geben. Ist mit dem 
Fach des Candidaten auch eine Correctur verbunden, 80 ist auch diege zum 
Gegenstand einer Solchen Besprechung zu machen. Im Wegentlichen gind 
mit einer derartigen besondern Besprechung einverstanden Kattowitz, Breglau 
Matth., Sagan, Leobschütz, Grünberg; entschieden dagegen erklärt gich 
Breslau M., welches sich, wie schon oben mitgetheilt, auf die Abhaltung der 
allgemeinen und Fachconferenzen beschränken will. 
Die Mitwirkung des Directors und des Fachlehrers (ev. des Ordinarius) 
wird gich in der Periode des selbständigen Unterrichts des Candidaten vor- 
wiegend auf den schwierigeren Theil Seiner Thätigkeit, den pädagogischen, 
erstrecken. Dies hat viele Berichterstatter veranlasst, das Capitel der Schul- 
zucht und Erziehung auch an dieger Stelle mit grosger Ausführlichkeit zu 
behandeln. Es Scheint mir, dass zwei Dinge hervorgehoben zu werden ver- 
dienen, erstens die Frage, ob eine milde oder strenge Behandlung der 
Schüler anzuwenden sei, zweitens die Strafgewalt des Candidaten. Die erste 
Frage hat ihre Schwierigkeit darin, dass weder die eine noch die andere 
Art der Behandlung für ein Univergalmittel gelten kann; die Milde erreicht, 
wie die Erfahrung zeigt, oft eben 80 überraschende Erfolge, als die gleich- 
bleibende, ernste Strenge; ein Uebermass bringt bei beiden gleiches Unheil 
hervor; geht bei einem zu milden Lehrer die Furcht (im guten Sinne ge- 
nommen) verloren, 80 verliert sich bei einem zu strengen und rauhen Lehrer 
die Liebe; jene ist am Ende leichter wiederzufinden als diese. Nach meiner 
Erfahrung ind die Candidaten häufiger, die, einem natürlichen Triebe folgend, 
die Schüler mit Milde bebandeln; diese Candidaten erwerben gich leicht die 
Zuneigung und das Zutrauen ihrer Schüler, und es ist bei ihnen nur darauf 
zu achten, dass gie Sich nicht etwa durch ein zu grosses Mass von Güte die 
Achtung der Schüler verscherzen. Hier, wo ein Fehler, der aus einem guten 
Grunde 80 leicht erwächst, zu bekämpfen ist, erweist sich die Beobachtung 
52
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.