Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

68 Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogischer Beziehung, 
und rechtzeitige, wohlwollende Einwirkung des Directors und des Fachlehrers 
recht unentbehrlich. Die übertriebene Milde findet Sich am Häufigsten gegen- 
über den vielen kleinen Verstössen gegen Ordnung und Schulzucht, 80wie 
im Cengiren der einzelnen und der Gesammtleistungen der Schüler. Da 
kann eine wohlwollende, vertrauliche Mahnung recht grossen Nutzen schaffen. 
Ranheit und Schroffheit auf Seiten der Candidaten werden um 80 mehr ein- 
zudämmen Sgein, als gie nicht gelten auf einem allgemeinen Sichgehenlassen 
beruhen. Im Uebrigen wird man zwar die Candidaten gewähren lassen 
können, in der Hoffnung, dass sich beiderlei Naturen in der Mitte, d. 1. in 
einem von Milde getragenen Ernste, begegnen werden; aber damit dieges 
Ziel auch gicher erreicht werde, muss das Bewusstgein in ihnen erweckt und 
verstärkt werden, dass die Zucht an Andern ohne unermüdliche Arbeit an 
Sich gelbst keine rechte Frucht bringt. 
Die andere Frage betrifft das dem Candidaten zu gewährende Mass 
der Strafgewalt. In keiner andern Frage sind die Berichte einmüthiger, als 
in dieger, trotz verschiedener Formulirung. Wenn auch die eine Gruppe 
die Strafgewalt nur mit Mass (Breslau M., Gross-Glogau K.) und in gehr 
beschränkter Weise (Schweidnitz), dem Candidaten übertragen will, während 
die andere grösgere Gruppe ihm freie Hand lagsen, ihn gelbständig handeln 
lassen will (Striegau, Liegnitz G. -- gelbst auf die Gefahr eines Missgriffes 
hin --, Bunzlau, Liegnitz R. A., Waldenburg, Breglau Friedr.), 80 verlangen 
doch auch die meisten dieser Gutachten eine massvolle Beschränkung, indem 
gie voraussetzen, dass der Candidat auf Missgriffe in schonender Form (sei 
es durch den Fachlehrer, oder, wie andere wollen, durch den Director allein) 
aufmerksam gemacht und dieselben zu redressiren veranlasst werde, dass er 
Sich in Schweren Fällen Rath (bei einem von beiden) erbitte. Da der 
Candidat als Stellvertreter des Fachlehrers die Disciplin übt, 80 ist eine 
Verständigung mit diesem sehr nahe liegend; der Ordinarius kommt nur so 
weit in Betracht, als auch der Fachlehrer in einem gegebenen Falle mit 
ihm gemeinsam hätte handeln müssen. Die wohlthätigste, weil allgemeine 
und daher am wenigsten fühlbare Beschränkung wird darin zu finden Sgein, 
dass Jedes grössere Vergehen , wie vorgeschrieben ist, in der Conferenz be- 
handelt und Jede grössere Strafe, als welche in Jedem Falle körperliche Züch- 
tigung anzugehen ist, nur durch sie festgegetzt wird. 
Was die Zeugnisse und Versetzungen anbelangt, 30 soll bei beiden 
der Candidat Seine Stimme abgeben; es ist aber durchaus keine Schädigung 
Seiner Selbständigkeit beabsichtigt, wenn wir vorausgetzen, dass er gich vorher 
mit dem Fachlehrer ins Einvernehmen gegetzt hat. Dass die Cengur, welche 
zu bestimmten Terminen den Schülern gegeben wird, gollte an Sicherheit und 
Wabhrbaftigkeit verlieren, wenn der Candidat in geinem Fache gie feststellt, 
iet deghalb nicht anzunehmen, weil die Nothwendigkeit, ein Endurtheil zu
	        

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