Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

70 Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer v. pädagogischer Beziehung. 
S0 ist kein Zweifel, dass die Mehrzahl wüngscht, der Candidat möge in allen 
Klassen hospitiren. Aber in welchen Fächern? Breglau Elis. hält es unter 
Umständen gelbst für vortheilhaft, wenn der Candidat bei Elementarlehrern 
- hospitirt. Das nächstliegende Bedürfniss verlangt offenbar, dass der Candidat 
in geinem eigenen Fache dem Unterrichte in allen Klassen nach einander 
je eine bis zwei Wochen, beiwohnt. Ist der Candidat Philologe, 80 legt 
ihm das Latein allein wöchentlich 8 bis 10 Hogspitirstunden auf; das dürfte 
doch wohl das höchste Mass gein, das ihm, soll der Nutzen nicht illusorisch 
Sein, zugemuthet werden darf; denn rechnen wir die 6 bis 10 Stunden, in 
denen er gelbst unterrichten oll, hinzu, 80 kommt er damit bereits auf die 
volle Stundenzahl eines ordentlichen Lehrers, und dabei ist all die andere 
Arbeit, die ihm auferlegt werden soll, nicht mit in Berechnung gezogen. 
Erst im zweiten Semegster würde der Philologe zum Hospitiren im griechischen 
Unterrichte gelangen können. Wie es darnach möglich und räthlich sein 
Soll, den Candidaten in Seinen Nebenfächern oder gar in Fächern, die seiner 
Facultas fern liegen, hospitiren zu lasgen, ist nicht zu ersehen. Es ist auch 
noch Folgendes zu beachten. 
Wenn das Hogspitiren auch auf dieger Stufe den rechten Nutzen haben 
Soll, 80 muss Seitens des Candidaten eine besondere, darauf vorbereitende 
Arbeit geleistet werden; ich habe wenigstens für den lateinischen Unterricht 
in Prima dem Candidaten für 1 bis 2 Wochen eine schriftliche Notiz über 
das in jeder einzelnen Stunde zu behandelnde Pensum in der Erwartung 
eingehändigt, dass er wenigstens die Lectürepengen vorher genau durch- 
arbeiten werde, um für den Unterricht ein besseres Verständniss mitzubringen 
und über dengelben ein richtigeres Urtheil sich bilden zu können. Dass 
auch auf dieser Stufe eine Besprechung des Candidaten mit dem Lehrer, 
desgen Lection er beiwohnt, nach dergselben (Breslau M., Jauer, Ratibor) 
das Hogpitiren nur fruchtbarer machen wird, ist gewiss, indessen möchte es 
auch hierzu an Zeit und Kraft bereits fehlen. 
e) Studien. 
Mit der bisher besprochenen, direct auf die Praxis gerichteten 
Thätigkeit des Candidaten muss gich zugleich eine Erweiterung und Ver- 
tiefung Seiner Kenntniss der Theorie und ihrer Gegehichte verbinden (Königs- 
hütte,. Leobschütz u. v. a.) Alle Gutachten stimmen darin. überein, dass 
Leitung und Antrieb zu diesem Studium von dem Director ausgehen mügse ; 
dieger wird zunächst gich überzeugen, ob und welchen Grund der Candidat 
bereits gelegt hat, und auf diesem Grunde in der Art weiterbauen, dass er 
ihm einergeits zum continuirlichen Gebrauche Werke und Schriftstücke dar- 
bietet, anderergeits mit den Sammelwerken und den Ssonstigen Quellen 
bekannt macht, aus denen er im Falle des Bedürfnisses Belehrung schöpfen -
	        

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