Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogischer Beziehung. 71 
kann. Die Abgicht kann und Soll nicht die gein, dass der Candidat das 
ganze in Betracht kommende Material Schon während des ProbeJjahres durch- 
arbeite, Sondern er goll in diesgem Anregung erhalten und sgich daran 
gewöhnen, stets mit der Praxis die Theorie zu verbinden, er goll einen 
Grund legen, auf dem er auch in den folgenden Jahren unablässig weiter 
arbeiten kann. Mit diesgem Vorbehalte (Neustadt) stelle ich, den Gutachten 
jolgend, das einschlägige Material zusammen, das in Seinem ganzen Umfange 
Schon deshalb nie bewältigt werden kann, weil es fortwährend Zuwachs 
erhält. Der Gegenstand des Studiums ist die Organigation der höheren 
Lehranstalten im Allgemeinen und die auf zie bezügliche Gegsetzgebung, die 
Organigation der einzelnen Lehranstalt, an der der Candidat arbeitet, die 
Didaktik im Allgemeinen und in den einzelnen Fächern, die auf Psychologie 
Sich stützende Pädagogik, 80wie endlich die Geschichte derselben. Das zu 
benutzende Material zerfällt im Wegentlichen in drei Gruppen, wovon die 
erste die Vorgschriften der Schulverwaltung (Wiese's Werke), die zweite das 
aus dem Leben und der Arbeit der einzelnen Anstalt erwachgende Material 
(Lectionspläne, Schulordnung und Schulgegetze, Protokolle über allgemeine 
und über Fachconferenzen, Programme), die dritte die bezügliche Litteratur 
mit ihren Gegammtdarstellungen und Monographien umfasst (Schrader, 
Schmid). Zu empfehlen ist dem Candidaten, dass er, Sobald er eine hin- 
reichende Uebersicht über das Ganze gewonnen hat, sich in ein Werk, in 
einen Abschnitt desselben hineinarbeite und, um dessen Verständniss immer 
weiter und tiefer zu begründen, vergleichend, berichtigend, ergänzend 
allmählich aus dem übrigen Material das Brauchbare und Nothwendige 
herbeihole. Dass die höheren Lehranstalten das angeführte Material begitzen 
und dem Candidaten zur Verfügung stellen, brauchte nicht erst, wie mehrere 
Gutachten thun, ausdrücklich gefordert zu werden. Dagegen ist mit Breslau 
Elis. anzunehmen, dass das Studium des Candidaten durch gemeinsames 
Arbeiten mit Collegen, namentlich durch gemeingchaftliche Lectüre und Be- 
Sprechung pädagogischer Werke nur gewinnen und gefördert werden kann. 
Nach der gegebenen Darstellung empfiehlt es Sich nicht, das Schul- 
Jahr mit Gross-Strehlitz 80 zu theilen, dass der Candidat im ersten Semester 
pädagogische Theorie, im zweiten aber Gegchichte der Pädagogik studirt. 
Je mehr innerhalb dieser Umrisse dem Candidaten Freiheit gelassen wird, 
desto weniger erscheint die Forderung eines eigens auf den Erfolg dieger 
Studien gerichteten Examens ausführbar, wie es eine grösgere Anzahl von 
Berichten vorschlagen zu müssen glaubt. Ob, wie andere Gutachten wollen, 
entsprechend dem Verfahren in den pädagogischen Seminarien, Vorträge 
und Schriftliche Arbeiten aus dem Kreise dieser Studien, wofern zie zich 
nicht auch an die eigene Praxis anlehnen, als förderlich zu empfehlen gind, 
möchte ich wenigstens als zweifelhaft bezeichnen. Leichter und für den
	        

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