Full text: Verhandlungen der ... Direktoren-Versammlung in der Provinz Schlesien - 5=4.1879 (5)

74 Fortbildung der candidati probandi und jungen Lehrer in didaktischer u. pädagogischer Beziehung. 
die Fähigkeit, ungewöhnliche Schwierigkeiten zu begeitigen, vorausgetzen 
muss, da bei schwachen Schülern die Hilfsmittel der Didaktik begonders 
einsichtsvoll, leichtfertigen aber gegenüber ein nicht gewöhnliches Mass von 
pädagogischem Können anzuwenden sein wird. Aus diesem Grunde erklären 
Sich einige Gutachten gegen jeden Privatunterricht, weil ein solcher in der 
Regel von schwächeren und vernachlässigten Schülern begehrt wird , ganz 
abgesehen davon, dass durch golche Privatarbeit, möge Sie gegen Remuneration 
oder ohne golche geschehen, der Candidat dem ohnehin schon umfangreichen 
und ausgebreiteten Geschäfte Seiner eigenen Fortbildung entzogen, und 
Seine Kraft in einer Weise zertheilt wird, deren Erfolg zum Mindegsten als 
höchst zweifelhaft zu bezeichnen 1st. 
2. Verkehr mit Schülern ausserhalb der Schule. 
Wenn dagegen von Tarnowitz empfohlen wird, dass der Candidat 
auch ausgerhalb der Schule einen Verkehr mit Seinen Schülern zu unterhalten 
bemüht sei, 80 wird darin eine Sache berührt, die einem Jeden Lehrer zu 
empfehlen ist, leider aber nach der gemachten Erfahrung wegen mannig- 
facher Schwierigkeiten ein pium degsiderium bleiben wird. Nichts ist gewiss 
mehr im Stande, den Lehrer in den Augen des Schülers in einem anderen, 
viel freundlicheren und in der Regel richtigeren Lichte erscheinen zu lassen, 
als der zwanglogere Umgang ausserbalb der Schule. Freilich aber ist selbst 
mancher ältere Lehrer nicht im Stande, die Würde und Autorität, die er 
auf dem Katheder behauptet, im Verkehr ausserhalb der Schule, z. B. auf 
Spaziergängen, durch ein angemessenes Verhalten ungeschädigt zu erhalten. 
So ist denn auch bei Ausführung dieses Vorschlages Vorsicht zu beobachten, 
und die rechte Art, die die gewonnene Frucht nicht verdirbt, Sondern zu 
gröggerer Reife bringt, eben auch erst sorgsam zu lernen. 
3. Hospitiren an anderen Anstalten. 
Dem Hogspitiren will ein anderer vereinzelter Vorschlag eine erweiterte 
Ausdehnung dadurch geben, dass dem Candidaten empfohlen wird, vor Ab- 
Schluss der Probezeit noch vier Wochen lang an einer Anstalt zu hospitiren 
(Ohlau). Können wir uns schon nicht damit einverstanden erklären, dass 
der Candidat von Jahr zu Jahr einer andern Lehranstalt zugewiegen wird, 
30 werden wir im Interesse einer einheitlichen Ausbildung uns noch weniger 
mit diesgem Vorschlage befreunden können. Die erweiterte Kenntniss ver- 
Schiedener Organismen hat gewiss einen grossen Vortheil, und wen die Ver- 
hältnisge gezwungen haben, öfter die Anstalt zu wechseln, wird diegen 
Nutzen nicht verkennen; weit höher steht aber der Vortheil einer gründ- 
lichen Vertiefung in das Wegen einer einzelnen Anstalt, als die weniger 
gründliche Kenntniss verschiedener Anstalten. Will der Vorschlag einen
	        

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